Handel: Verunsicherung und Angst vor Zukunft. Die Handelsbetriebe sind ab Montag geschlossen. Die BVZ hörte sich am Samstag bei Unternehmern in der Mattersburger Innenstadt um.

Von Richard Vogler. Erstellt am 15. März 2020 (12:13)
Ungewisse Zukunft für den Handel
Wodicka

Am Freitagnachmittag wurden im Rahmen einer Pressekoferenz von Seite der Bunderegierung diverse Maßnahmen präsentiert. An diesem Tag wurde noch verlautbart, dass die Gastronomieeinrichtungen bis 15 Uhr geöffnet haben können, andere Bereiche müssen jedoch komplett schließen. Einer davon ist der Handel, der am Montag komplett eingestellt wird. Die BVZ hörte sich am Samstag bei Unternehmern in der Mattersburger Innenstadt um. Dort ist man sehr verunsichert, sieht die Lage als sehr dramatisch an und spricht von Existenzängsten.

"Lage ist dramatisch und existenzbedrohend"

Bei Sport 2000 spürte man noch bis Mitte der Woche kein Abflauen der Kundenfrequenz. „Danach war bei uns wirklich nicht viel los. Heute war bislang nur ein Kunde bei uns“, berichtet Chefin „Wicky“ Lehner am Samstag gegen 10.30 Uhr. Für die Zukunft schwant der Unternehmerin Böses. „Die Lage ist sehr dramatisch und existenzbedrohend, keine Frage“, berichtet Hesch.

 Claudia Dimlits betreibt seit vier Jahren ihr „Joy Kids“ in der Gustav Degengasse. „Von der Wirtschaftskammer haben wir die Information erhalten, dass wir am kommenden Montag schließen müssen“, erzählt Dimlits, um weiter auszuführen: „Mein großes Problem ist das Ostergeschäft, das von März bis April andauert und jetzt ausfallen wird. Mir wurden schon einige Stücke retourniert. 14 Tage kann ich einen Ausfall gerade noch verkraften. Wie es dann weiter geht, weiß ich beim Besten Willen nicht. Ich habe große Angst um meine Existenz.“ Dimlits beschäftigt eine Angestellte. „Sie wurde von mir bereits die nächsten 14 Tage in den Urlaub geschickt. Ob das ein Sonderurlaub oder ein ‚normaler‘ ist, muss ich erst abklären.“

"Ich weiß nicht, wie es weitergehen soll"

Petra Sieber führt ihr „Golden Rose“ in der Judengasse. „Ich weiß nicht, wie es weitergehen soll“, so Sieber. Auch in der Judengasse, im benachbarten Geschäft, führt Michael Giefing ihre Boutique „Zeitlos“. „Ich weiß nicht, was uns bevorsteht, ich bange um meine Existenz. Ich hoffe, dass es auch adäquate Unterstützung vonseiten des Staates gibt“, so Giefing.

Ebenso in der Judengasse befindet sich der „Diamond Juwelier“ von Selda Erdogdu. „Vergangene Woche lief das Geschäft noch sehr gut, diese ist es sehr stark zurückgegangen. Die Leute haben einfach Angst, was die Zukunft bringt. Wir bieten Luxuswaren an, da fangen die Menschen auf jeden Fall am ersten zum Sparen an“, berichtet Erdogdu, die auch bereits Maßnahmen ergriffen hat: „Gestern habe ich eine Mitarbeiterin gekündigt, heute werden zwei weitere folgen. Mir bleibt nichts anderes übrig.

"Maßnahmen müssen in dieser Situation gesetzt werden"

Thomas Krajschitz hat „aus den Medien über die Maßnahmen erfahren. Kurz darauf ist die offizielle Info von der Wirtschaftskammer erfolgt“, so Krajschitz, der in seinem Sportsfreund in der Judengasse Sportartikel anbietet. „Es steht außer Zweifel, dass Maßnahmen in dieser Situation gesetzt werden müssen und man muss dies nun so hinnehmen, wie es ist. Fakt ist jedoch auch, dass diese Maßnahmen den betroffenen Unternehmern seh weh tun“, so Krajschitz. „Mit meinem Geschäft bin nur ich betroffen, ich habe keine Angestellte.“ Claudia Schedl von „Claudia Damen- und Kindermoden“ berichtet, dass der Umsatz „am Mittwoch sehr gut war, am Donnerstag sehr zurückging und am Freitag dann wieder etwas besser war.“ Schedl sieht die Situation etwas gelassener. „Angst vor dem Zusperren habe ich nicht, Kündigungen sind auch nicht angedacht.“

Peter Dirnbauer betreibt neben seinem Lokal Terroir (dieses schloss er bereits am Freitag) auch seit vielen Jahren seinen Getränkehandel. „Ich habe wirtschaftliche Ängste und auch Existenzangst. 90 Prozent unseres Umsatzes machen wir durch die Gastronomie. Wen sollen wir dann noch beliefern, wenn die Gastronomie fast zur Gänze wegfällt?“, so Dirnbauer.

Reisebranche: Umsätze gingen stark zurück

Andrea Zakall ist Filialleiterin von Ruefa Reisen Mattersburg. „Wie in der gesamten Branche ist der Umsatz auch bei uns zurückgegangen. Die Arbeitszeit bei uns wurde reduziert. Der Vorteil bei uns hingegen ist, dass wir ein großer Konzern sind“, so Zakall. Stornierungen hat es bereits gegeben. Dies betrifft hingegen nicht die meisten Sommerurlaube. Wir kommen unseren Kunden entgegen, sind stets für Anfragen und Beratung da“, so Zakall.