„Er ist nicht der aggressive Wüterich“: Prozess um 65-Jährigen

Erstellt am 19. November 2022 | 05:06
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Das Justizzentrum Eisenstadt.
Foto: Werner Müllner
Ex-Freundin verleumdet: 3000 Euro Geldstrafe und 15 Monate bedingt für Pensionisten aus dem Bezirk Mattersburg. Nicht rechtskräftig.

In diesem Prozess wurde Klartext gesprochen. Es ging um „Puff“-Besuche, Fotos von Genitalien, toten Pferden und um Chatnachrichten mit sexuellen Anspielungen.

Im Mittelpunkt: der 65-jährige Angeklagte, ein Pensionist aus dem Bezirk Mattersburg. In seinem Schlussplädoyer sagte sein Anwalt Florian Astl über ihn: „Er ist nicht der aggressive Wüterich, wie er da hingestellt wird.“

Der Prozess ist eine „unendliche Geschichte“ (Anwalt Astl) und immer noch nicht vorbei, weil der Angeklagte nach der Urteilsverkündung vom Dienstag dieser Woche neuerlich volle Berufung anmeldete.

Das hat er schon einmal getan, weshalb ein alter Verleumdungs-Prozess von Richterin Birgit Falb noch einmal aufgerollt werden musste. Dem Angeklagten wurde vorgeworfen, er habe zwei Ungarinnen zu Unrecht eines Goldketten-Diebstahls verdächtigt.

Und nicht nur das: Während er auf die Neudurchführung des Prozesses wartete, lief der Angeklagte zur Polizei und bezichtigte seine Ex-Freundin des Drogenhandels. Die Staatsanwaltschaft klagte ihn daraufhin ein weiteres Mal wegen Verleumdung an.

Die Ex-Freundin wurde im September als Zeugin befragt und warf dem Angeklagten weitere Straftaten vor: Dieser habe sie gefährlich bedroht.

Der Anwalt der Ex-Freundin des Angeklagten legte verstörende Screenshots aus einem Video vor, das der Angeklagte der Frau geschickt hatte. Zu sehen waren männliche Genitalien, an denen sich ein Hund zu schaffen machte.

„Wieso schicken Sie ihr das?“, wunderte sich die Richterin. „Das hat sie verlangt!“, antwortete der Angeklagte. Er habe das Video selbst zugeschickt bekommen. „So etwas müssen Sie löschen!“, ermahnte ihn Staatsanwältin Petra Bauer.

„Ich habe ihr auch das Foto vom toten Pferd geschickt, das wurde auf der Koppel totgemacht“, berichtete der Angeklagte ungefragt. Das Pferd sei „abgestochen“ worden, fügte er hinzu.

Seine Ex-Freundin habe er im Februar „rausgeschmissen“, „sie war für nichts anderes als für Bettgeschichten zu brauchen“, erging sich der Angeklagte in Beleidigungen.

Am ersten Prozesstag hatte er von Bordellbesuchen erzählt und von sexuellen Diensten, die er nicht um Geld, aber sehr wohl kostenlos in Anspruch genommen habe.

Am 30. Juli 2020 hatte der Angeklagte Grund zum Feiern gehabt: Nach dem Crash der Commerzialbank hatte ihm die Einlagensicherung 80.000 Euro ausgezahlt.

Er fuhr nach Sopron und nahm von dort zwei Frauen mit. Nicht aus sexuellem Interesse, wie er betonte.

Ungarinnen sollen Schmuck gestohlen haben

Am nächsten Tag vermisste er Goldketten und erstattete Anzeige bei der Polizei. Weil man bei den Damen kein Diebsgut fand, wurde der Pensionist selbst angezeigt: wegen Verleumdung.

„Die Zeuginnen haben zusammen 27 Vorstrafen wegen Diebstahls“, stellte Anwalt Astl die Glaubwürdigkeit der Ungarinnen infrage.

Und auch die Richterin hielt dem Pensionisten zugute, dass dieser wohl Einschleichdiebinnen aufgesessen war.

Zu diesem Verleumdungs-Vorwurf gab es also einen Freispruch, zu den anderen Anklagepunkten aber Schuldsprüche.

Das Urteil – 3000 Euro Geldstrafe unbedingt und 15 Monate Freiheitsstrafe auf Bewährung – will der dreifach einschlägig vorbestrafte Angeklagte wiederum bekämpfen. Das Urteil ist somit nicht rechtskräftig.