Neudörfler Wohngemeinschaft stellt sich vor

Erstellt am 06. Juni 2023 | 18:00
Lesezeit: 5 Min
Betreute Wohngemeinschaft Neudörfl
Wenn das Wetter schön ist, gibt es auch viele Aktivitäten in der Natur. Markus, Gerlinde, Kevin, Korona, Renate und Johannes genießen solch entspannte Momente sehr.
Foto: zVg
Am 16. Juni findet in der Betreuten Wohngemeinschaft (BWG) Neudörfl von „Rettet das Kind Österreich“ ein Fest statt. Dabei geben die Bewohner und Bewohnerinnen einen kleinen Einblick in ihr Leben. Markus Bogner, der Leiter der Einrichtung, erklärt, wofür die Wohngemeinschaft steht.

Die Betreute Wohngemeinschaft gibt in der heutigen Form seit 2015. Damals wurde das Haus von der Trägerorganisation „Rettet das Kind“ übernommen. Kinder wohnen in dem Haus allerdings keine, alle Bewohner und Bewohnerinnen sind über 18 Jahre alt, berichtet Markus Bogner. Der Pädagoge aus Sigleß leitet seit knapp drei Jahren das Haus in der Augasse 2 (Richtung Badesee), in dem zuvor über viele Jahre hinweg der Verein „WOHIN“ Menschen mit Behinderungen ein adäquates Wohnen in (relativer) Selbstständigkeit ermöglichte. Die Begrifflichkeit „Menschen mit Behinderung“ oder „Menschen mit Beeinträchtigung“ findet Bogner allerdings nicht so toll. „Am besten wäre es einfach nur Bewohnerin oder Bewohner zu sagen. In unserem Leitbild ist aber der Ausdruck ‚Menschen mit besonderen Bedürfnissen‘ verankert.“ Auch der Begriff „Down-Syndrom“ wird zum Beispiel heutzutage nicht mehr verwendet und wurde durch „Trisomie 21“ ersetzt.

Markus Bogner
Markus Bogner aus Sigleß ist seit drei Jahren Leiter der Betreuten Wohngemeinschaft.
Foto: zVg

Wir leisten Hilfe zur Selbsthilfe. Armut, Ausgrenzung, Isolation und eine gewisse Überforderung mit der Gesellschaft kann so vorgebeugt werden. Markus Bogner, Einrichtungsleiter

Da nun das Semantische ein wenig geklärt ist, soll nun aber das Wesentliche behandelt werden, nämlich was die Wohngemeinschaft eigentlich auszeichnet. Auch „Rettet das Kind“ setzt sich das Ziel, den Bewohnern und Bewohnerinnen – aktuell sind es elf – ein möglichst selbstbestimmtes Leben zu bieten. Mit Selbstbestimmung geht gleichzeitig aber auch immer eine gewisse Verantwortung einher, weshalb alle Bewohner zum Beispiel im Haushalt mithelfen sollen. So gibt es etwa Pläne, wann welcher Bewohner beim Wäschedienst hilft oder an welchen Tagen welche Bewohnerin einkaufen geht oder beim Zubereiten des Abendmahls mit anpackt. Für den jeweiligen privaten Bereich, sprich: ihre Zimmer sind alle Bewohner mehr oder weniger selbst verantwortlich (als Hilfe gibt es ein Reinigungspersonal) und sollen daher auch selbst darauf achten, dass es sauber und ordentlich bleibt. Einrichten kann man es nach den eigenen Vorstellungen. „Man könnte sagen“, so Markus Bogner „dass wir unseren Bewohnern Hilfe zur Selbsthilfe bieten. Sie werden entsprechend ihrer Möglichkeiten gefördert und gebildet.“ Armut, Ausgrenzung, Isolation, eine gewisse Überforderung mit der Gesellschaft, aber auch Gewalterfahrungen oder Verwahrlosung sollen so vorgebeugt werden, sagt Bogner. „Wöchentlich findet bei uns auch ein ‚Hausparlament‘ statt, bei dem alle ihre Wünsche und Bedürfnisse äußern können. Später wird versucht, diese in einer ‚Eins zu Eins‘-Betreuung oder in der Gruppe umzusetzen.“

Geregelte Arbeit fördert die Selbstbestimmung

Zu einem selbstbestimmten Leben würden in unserer Gesellschaft mehrheitlich auch eine regelmäßige Arbeit hinzu zählen. Auch das ermöglicht die Wohngemeinschaft ihren Bewohnern. „Ein Teil fährt in die Förderwerkstätte Eisenstadt von Rettet das Kind, ein anderer in die Förderwerkstätte Mattersburg/Walbersdorf, ein Bewohner in die Arbeitsgruppe Siegen – ebenfalls von Rettet das Kind – und ein Bewohner macht eine teilqualifizierte Lehre zum Koch in Wien.“ In den Werkstätten wird zum Beispiel mit Holz gearbeitet, es werden Seiden- und Porzellanmalereien gemacht, verschiedene Dekorationen für Haus und Garten hergestellt, Kuvertier- und Verpackungsarbeiten erledigt oder Weihnachtskarten und Kundengeschenke für Firmen erstellt. Darüber hinaus gibt es auch viele Zusatzangebote etwa in den Bereichen Musik, Bewegung oder Hauswirtschaft.

Fest am 16. Juni: „Alle sind herzlich eingeladen!“

Da Arbeit und Haushalt allein aber niemanden glücklich machen, bleibt in der Betreuten Wohngemeinschaft Neudörfl auch viel Raum für Freizeit, die entweder selbstständig gestaltet werden kann oder in der Gemeinschaft. „Alle zwei Jahre machen wir eine Urlaubsaktion und gelegentlich ein Fest in unserem Haus. Einige Bewohnerinnen und Bewohner machen Sport und nehmen regelmäßig bei den Special Olympics teil. Und natürlich dürfen auch hin und wieder lustige und entspannende Momenten im Prater oder in Thermen nicht fehlen“, so der Einrichtungsleiter.

Am 16. Juni (von 14 bis 18 Uhr) findet also nach der Corona-Pause wieder ein kleines Fest im Haus bzw. Garten statt. Alle sind dafür herzlich eingeladen! „Viele, auch in Neudörfl, kennen unser Haus vielleicht noch gar nicht. Wir möchten gerne einen kleinen Einblick in unser Leben geben und auch den Spaß und die Freude, die unsere Bewohner und Bewohnerinnen ausstrahlen, mit anderen teilen. Alle sind schon richtig nervös. Sie freuen sich aber gleichzeitig schon auf die Besucher.“ Ein Foodtruck wird dabei natürlich auch für das leibliche Wohl in Form von Essen und Trinken sorgen.

Wer selbst in der Wohngemeinschaft arbeiten und helfen möchte, kann sich zum Beispiel für ein Praktikum bewerben. Neben den sechs voll angestellten Betreuerinnen und Betreuern – hauptsächlich mit pädagogischen Background – leisten Zivildiener ebenfalls immer noch eine wertvolle Unterstützungsarbeit in der WG.

Finanziert wird die Wohngemeinschaft über das Land Burgenland und Spenden. Das Spendenkonto dafür lautet: Hypo Bank Burgenland, AT93 5100 0910 3290 0200