Jutta Pauschenwein schließt Geschäft in Mattersburg. Nach 22 Jahren schloss Jutta Pauschenwein ihren kleinen Laden in der Gustav Degengasse.

Von Richard Vogler. Erstellt am 20. März 2020 (03:11)
Jutta Pauschenwein wagte mit 38 Jahren den Schritt in die Selbständigkeit. Mit viel Hingabe beriet sie stets ihre Kunden.
Richard Vogler

Am 28. März wäre der letzte Tag von „Frau Wolle“ in ihrem kleinen Geschäft in der Degengasse gewesen. Die Maßnahmen gegen den Coronavirus schickten Jutta Pauschenwein jedoch einige Tage früher in Rente, nach 22 Jahren hatte sie am Freitag zum letzten Mal geöffnet. Die Kunden bekamen die Jahre über dort neben kompetenter Beratung Stoffe fürs Nähen, Basteln, Textilien, handgefertigte Stücke oder eben auch Wolle. „Den Namen ‚Frau Wolle’ haben mir die Kunden gegeben. Ich habe diese Bezeichnung immer als Anerkennung und Wertschätzung gesehen“, berichtet Pauschenwein, die in Wien aufgewachsen und nun in Pöttelsdorf wohnhaft ist. Ihr Großvater und ihr Vater hatten eine Maßschneiderei.

„Dadurch bin ich eigentlich zum Stricken gekommen, das habe ich bereits als Kind gemacht“, so Pauschenwein, die mit 38 Jahren den Schritt in die Selbständigkeit wagte. „Der Kundenkontakt war mir immer sehr wichtig in meinem Job. Wenn die Kunden etwas böse reingekommen sind und mit einem Lächeln wieder raus – diese Erlebnisse will ich nicht missen“, so Pauschenwein, um weiter auszuführen: „Ich denke, ich haben den Leuten viel gegeben, habe aber auch sehr viel zurückbekommen.“ Da macht es dann auch nichts aus, dass man bei „Frau Wolle“ als Kunden flexibel sein musste: „Ich pflege meinen Mann. Da ist es immer wieder vorgekommen, dass ich das Geschäft zusperrte, weg musste und in einer halben Stunde wieder zurück war.“

„Danke für die 22 Jahre: Gemeinsam Lachen, Dinge ausdiskutieren, gegenseitiges Helfen, voneinander Lernen, miteinander Probleme lösen, für einander da sein, mich anzunehmen, wie ich bin. Frau Wolle.“

In der Rente wird es Pauschenwein nun etwas ruhiger angehen. „Dann kann ich etwas mehr Zeit mit meiner Familie – vor allem mit meiner achtjährigen Enkeltochter – verbringen. Wir haben auch einen Garten, wo wir Obst und Gemüse anbauen. Hier sind wir fast Selbstversorger.“ In den letzten Wochen zierte ein Zettel die Scheibe an der Auslage mit Worten in Richtung ihrer Kunden: „Danke für die 22 Jahre: Gemeinsam Lachen, Dinge ausdiskutieren, gegenseitiges Helfen, voneinander Lernen, miteinander Probleme lösen, für einander da sein, mich anzunehmen, wie ich bin. Frau Wolle.“