Mattersburgs Bezirks-Wirte ziehen triste Bilanz. Die BVZ hörte sich bei den Wirten aus dem Bezirk um: Nach der Wiedereröffnung gab es einen Umsatzrückgang von bis zu 80 Prozent.

Von Tina Wohlfarth. Erstellt am 28. Mai 2020 (05:49)

Sehnsüchtig hat man auf die Wiedereröffnung der Gastronomie gewartet. Wirtshäuser, Restaurants, Cafés und Bars dürfen unter strengen Auflagen, nach totalem Stillstand wieder aufsperren. Die Bilanz fällt recht trist aus.

„Die aktuelle Situation für die Wirte ist sehr schwierig, die ersten Tage nach der Wiedereröffnung waren sehr durchwachsen“, berichtet Matthias Mirth, Obmann der burgenländischen Gastronomie. „Die Wirte machen zu einem Großteil das Geschäft mit Familienfeiern. Diese fallen nun noch weg“, so Mirth.

Taude Morawitz führt in Pöttelsdorf die Wulkatalschenke. „An einem Sonntag haben wir für gewöhnlich keinen Platz frei. Am vergangenen hatten wir in etwa ein Fünftel von jenem Umsatz, den wir vor Corona gewohnt waren. Insgesamt sind wir in etwa bei der Hälfte an Gästen seit wir wieder geöffnet haben. Die Leute trauen sich einfach nicht raus“, berichtet die Gastronomin, bei der am 4. Juni der Muiskantenstammtisch und am 6. Juni Wilma Fischers „Single-Treff“ stattfindet.

„„Die Lebensfreude ist bei den Menschen noch nicht da, die Leute sind verängstigt.“Walter Kuchler vom Beerenhof in Wiesen

Josip Durkov, Chef vom Cafè Murzi in Baumgarten, hat rechtzeitig reagiert und gleich zu Beginn einen Lieferservice eingeführt. Auch die Abholung von Speisen hat gut funktioniert“, so Durkov. „Wir sind froh, dass es endlich wieder losgeht, wenn auch mit Einschränkungen. Es waren zu Beginn eher die Stammgäste, die gekommen sind. Wir haben seit Wiedereröffnung einen Verlust von rund 80 Prozent. Wir hoffen auf mehr Gäste, wenn wir nächste Woche unsere gewohnten Öffnungszeiten wieder haben.“

„Die Leut‘ sind immer noch sehr vorsichtig, es war also ein sehr verhaltener Start“, fasste Heinz Döller, Chef vom Heurigen Weingut Döller in Neudörfl, die Stimmung zusammen. Er rechnet weiterhin mit Umsatzeinbußen. Das liegt einerseits daran, dass Kapazitäten reduziert werden mussten, die Gäste immer noch sehr verunsichert sind und ausbleiben.

„Auch für unsere Mitarbeiter ist es nicht leicht. Das Tragen des Mund-Nasen-Schutzes oder des Plexiglas-Visiers ist auf Dauer mühsam und unzumutbar. Dazu kommt das ständige Desinfizieren von Speisekarten, Tischen oder Toiletten“, berichtet Döller. „Viel Geld wurde auch in unser neues Eventlokal gesteckt, welches für diverse Feierlichkeiten vorgesehen war. Diese bleiben uns heuer, leider auch größtenteils aus“.

Ähnliches war im Florianihof in Mattersburg zu hören. Man hätte sich mehr Gäste erwartet. „Unsere Stammgäste kommen, aber durchs Abstandhalten kommt keine Gesellschaft zusammen“, so Alfred Bandat. Der Abhol- und Lieferservice ist nach wie vor sehr gefragt.

Man kalkuliert von Woche zu Woche neu, da an manchen Tagen mehr Gäste kommen, an anderen Tagen wiederum weniger. Auch das Ausbleiben der älteren Generation sei schwierig für den Betrieb. „Im Sommer sind viele unserer Gäste Touristen - und wir können nur hoffen, dass sie auch heuer wiederkommen“, so Bandat.

Im Café-Restaurant Reichl in Schattendorf waren die ersten Tage überschaubar. Trotz der Auflagen stand den Gästen die Freude ins Gesicht geschrieben. „Man merkt, dass die Leute froh sind, wieder ins Gasthaus gehen zu dürfen, dennoch spürt man die Unsicherheit und Zurückhaltung, die noch herrscht“, erzählt Hans Peter Reichl . An der Kapazität der Sitzplätze hat sich nicht viel geändert, da ausreichend Fläche zur Verfügung steht. „Bis Jahresende muss sich die Situation bessern, um den Betrieb erhalten zu können“, so Reichl.

Der erhoffte Aufschwung blieb auch im Beerenhof in Wiesen aus. Die geltende Maskenpflicht ist für die Beschäftigten des Restaurants ungewohnt. Die Stimmung bei den Gästen ist eher schlecht. „Die Lebensfreude ist bei den Menschen noch nicht da, die Leute sind verängstigt“, so Walter Kuchler.

Zudem sei die wirtschaftliche Situation für viele Menschen schwierig. Nach einer Woche konnte der Betrieb 25 bis 30 Prozent des normalen Umsatzes erzielen. „Ich hoffe, dass sich die Situation bald bessert, die Gäste wieder gerne zu uns kommen und ihre Zeit im Beerenhof verbringen.“