Neuanfang für syrische Familie in Hirm. Die siebenköpfige Familie Aldeiri aus Syrien floh vor über drei Jahren nach Österreich. Seit zwei Jahren lebt sie in Hirm.

Von Matea Nikolic. Erstellt am 23. Juni 2019 (03:22)
BVZ
Familienausflug. Mariam, Abdul-Rahman, Ahmad, Houaida, Aya, Abdullah und Aref auf der Burg Forchtenstein.

Drei Jahre und sechs Monate ist es nun her, dass die siebenköpfige Familie Aldeiri nach Österreich gekommen ist. Nachdem Aref und seine Frau Houaida sowie ihre fünf Kinder Ahmad, Abdullah, Mariam, Aya und Abdul-Rahman aus Syrien fliehen mussten, führte sie ihr Schicksal zunächst in den Libanon und in die Türkei. Von dort mussten sie jedoch nach Griechenland, Makedonien, Serbien und Ungarn fliehen, bevor sie sich schließlich in Österreich, genauer gesagt in Eisenstadt, niederlassen konnten.

„In Eisenstadt lebten wir drei Monate, davon zwei Wochen in der Domkirche. Dort haben freiwillige Helfer unsere Kinder für die Schule angemeldet und uns Deutschkurse angeboten“, erklärt der Vater, Aref Aldeiri, der in Syrien noch acht Geschwister und in Schweden einen Bruder hat.

Danach lebte die Familie im Caritas-Haus in Hirm, das früher eine Villa war. Die Villa wurde von den Besitzern vor Jahren unentgeltlich an die Caritas übergeben, mit der Bitte, sie Familien zur Verfügung zu stellen, die aus ihrem Heimatland flüchten mussten und eine Unterkunft suchen.

Seit eineinhalb Jahren jedoch lebt die Familie in einem Haus, das sie gemeinsam umgebaut und renoviert hat.

„Wir sind sehr froh, in Hirm leben zu dürfen. Schon von Beginn an haben uns viele Hirmer unterstützt und uns ein schönes Leben in Hirm ermöglicht“, so Aref Aldeiri.

Einfach hatte es die Familie anfangs trotzdem nicht. In ein fremdes Land fliehen zu müssen, um dort ein neues Leben anzufangen, und die Sprache zu lernen, erfordert viel Mut. Die ältesten zwei Söhne, Ahmad und Abdullah, flohen mit 16 und 17 Jahren bereits ein Jahr zuvor in die Türkei. Dort mussten sie hart arbeiten, mit dem Lohn konnten sie sich nicht mehr als einen Happen Essen leisten. Erst ein Jahr später folgte ihnen die restliche Familie.

Heute haben sie sich ein Leben in Hirm aufgebaut. Der mittlerweile 22-jährige Ahmad möchte Mechaniker werden und ist bereits im dritten Lehrjahr. Außerdem kickt er beim ASKÖ Hirm. Der 21-jährige Abdullah ist im zweiten Lehrjahr und macht die Ausbildung zum Zahntechniker in Gleisdorf. Die 17-jährige Mariam besucht das Gymnasium in Mattersburg.

Abseits der Schule lernt sie fleißig, denn nach der Matura möchte sie Medizin studieren. Die zehnjährige Aya und der achtjährige Abdul-Rahman besuchen die Volksschule in Hirm. Auch der Vater, Aref Aldeiri, sucht seit Beginn an nach Arbeit. Die Arbeitssuche ist zur Zeit jedoch sehr schwierig: „Ich bin froh, dass meine Kinder so tolle Chancen in Österreich bekommen. Ich selber wünsche mir auch sehnlichst, Arbeit zu finden, leider ist das sehr schwer.“

„Ich bin froh, dass meine Kinder so tolle Chancen in Österreich bekommen."

Nichtsdestotrotz ist der Alltag der Familie Aldeiri sehr abwechslungsreich. „Wenn ich von der Schule nach Hause komme, lerne ich meistens. Wenn ich aber nichts mehr zu tun habe, gehe ich mit meinen jüngeren Geschwistern gerne zum Teich oder auf den Spielplatz, das ist nämlich alles bei uns in der Nähe“, erzählt die junge Mariam. In der Schule beziehungsweise während der Lehre lernen die Kinder Deutsch, die Eltern besuchen täglich einen Deutschkurs in Mattersburg.

Auf die Frage, was sie einer Familie mit dem gleichen Schicksal ans Herz legen würden, antwortete Aref: „Es ist ganz wichtig, mit den Leuten zu reden und Kontakte zu knüpfen. Freundschaften und Arbeit sind in so einer Situation sehr bedeutungsvoll.“ Auch die unterstützenden Hirmer freuen sich, dass sich die Familie Aldeiri so gut in Hirm integrieren konnte: „Wir haben gleich Freundschaft mit den Aldeiris geschlossen. Sie sind für Hirm eine große Bereicherung!“