Careleaver: Hilfe für den Einstieg ins Erwachsenenleben. Petra und Julia Gabler möchten mit ihrem Verein „Careleaver“ Jugendlichen, die nicht bei ihren Eltern aufwachsen konnten, den Einstieg ins Erwachsenenleben erleichtern.

Von BVZ Redaktion. Erstellt am 08. August 2020 (05:18)
Petra und Julia Gabler engagieren sich im Verein „Careleaver“ für Jugendliche und junge Erwachsene aus schwierigen familiären Verhältnissen.
zVg

Petra und Julia Gabler, zwei junge Marzerinnen, die mittlerweile in Wien arbeiten und leben, haben es sich mit ihrem Verein „Careleaver“, der seit November 2019 auch offiziell eingetragen ist, zur Aufgabe gemacht, sich für junge Erwachsene, die nicht bei ihren Eltern, sondern in einer Einrichtung aufgewachsen sind, einzusetzen. Sie selbst haben bis zu ihrem 18. Lebensjahr in der WG „Fühl dich Wohl“ in Marz gelebt und aus erster Hand die schwierigen Bedingungen erlebt, die der Eintritt ins Erwachsenenleben als „Careleaver“ mit sich bringt.

Careleaver sind junge Erwachsene, die in einer Einrichtung aufgewachsen sind und mit 18 die Fürsorge „care“, abrupt verlassen müssen und so oftmals ohne Job, Ausbildung oder Wohnung, auf sich alleine gestellt sind. Erwachsene die in ihrem Elternhaus aufwachsen, bleiben im Durchschnitt bis zu ihrem 26. Lebensjahr dort, mit der Gewissheit, dass ihre Versicherungen bezahlt werden und sie einen erfolgreichen Einstieg ins Leben vornehmen können.

Bei den jungen Erwachsenen aus einer WG ist nichts davon sicher. Sie können zwar einen Antrag an das Land stellen, um länger als zu ihrem 18. Geburtstag bleiben zu dürfen, allerdings ist nicht gesagt, dass dieser Antrag auch bewilligt wird. Im Burgenland werden mittlerweile fast alle Anträge bewilligt, so auch Petra Gablers, die damit das Gymnasium erfolgreich abschließen konnte. Sie zog nach ihrer Matura in eine Übergangswohnung in Mattersburg ein, die von der WG „Fühl dich Wohl“ zur Verfügung gestellt wird, in der sie bis zu ihrem Studiumsende wohnen konnte. „Ich habe gemerkt, dass unsere WG ein Paradebeispiel ist“, meinte Petra. Ihr Verein hat als größtes Ziel, den rechtlichen Anspruch auf Betreuung durch die Kinder- und Jugendhilfe bis zum vollendeten 26. Lebensjahr, um die Gleichstellung von Careleavern zu Jugendlichen, die bei ihren Eltern aufwachsen konnten, zu sichern.

Außerdem fordern sie das Recht auf den Wiedereinstieg in eine WG in einer Krise und finanzielle Unterstützung, um ein Studium und eine eigene Wohnung zu ermöglichen. Auch die Forderung auf Gesundheit, in Form von gratis Krankenversicherung während des Studiums soll nicht zu kurz kommen. Um ihre Ziele, die in den meisten anderen Ländern schon die Norm sind, in die Wirklichkeit umsetzen zu können, arbeiten sie mit der Plattform „18+“ zusammen. Sie haben sich auch schon mit Politikern getroffen und Kompromisse ausgehandelt. Auch die Unterstützung von Experten des Dachverbandes, die schon seit Jahren vehement fordern, was der Verein Careleaver zum Ziel hat, ist gesichert. Neben den anderen Tätigkeiten, organisierte der Verein auch Begegnungen von Betroffenen aus ganz Österreich, um die eigenen Schicksale und Erfahrungen auszutauschen und sich zu vernetzen. Auch weitere Workshops zu Themen wie Wohnungssuche, Abschluss der Ausbildung oder dem Aufbau einer eigenen Existenz sollen stattfinden sobald die Coronakrise es zulässt.

Am 21. Februar. 2020 feierte der Verein seinen ersten großen Erfolg. Der internationale „Care Day“, bei dem Careleaver ein zentrales Thema waren, fand erstmals auch in Österreich statt. Hier kamen sie zu der Ehre, ihren Verein im Wiener Rathaus zu präsentieren. „Dieses Event war so toll, wir haben gesehen wie präsent das Thema in Österreich ist“. Es ist noch ein langer Weg bis zur Umsetzung aller Forderungen, doch Petra und Julia sind willig, diesen schweren Weg zu gehen, für mehr Gerechtigkeit in Österreich.