Anwalt Rebernig: „Eine bessere Lösung gibt es nicht“ . Anwalt Wolfgang Rebernig zog als Sport- und Vereinsombudsmann die juristischen Fäden – und riet zum Konkurs samt Neugründung.

Von Bernhard Fenz. Erstellt am 13. August 2020 (05:15)
Was passiert künftig mit dem Pappelstadion? Der Grund gehört der Stadtgemeinde Mattersburg, das Vereinshaus und die Haupttribüne samt SVM-Café dem SV Mattersburg. Ziel ist es laut Bürgermeisterin Ingrid Salamon, als Stadt auch künftig Fußball zu ermöglichen – wenn es machbar ist.
zVg/SVM

Am Mittwoch der Vorwoche gab der SV Mattersburg nach einer außerordentlichen Generalversammlung im Zuge einer Medieninfo über Vizepräsident Hans-Georg Deischler bekannt, dass der SVM nach dem Bilanzskandal rund um die Commerzialbank Mattersburg den Spielbetrieb einstellen und einen Konkursantrag stellen werde. Soweit, so klar.

Rechtsanwalt Wolfgang Rebernig zog als Vereins-Ombudsmann im Hintergrund die Fäden.
zVg/Land Burgenland

Doch wäre das Aus des SVM zu vermeiden gewesen? Hätte man riskieren und die Chance auf Fortführung nutzen sollen? Rechtsanwalt Wolfgang Rebernig sagt dazu klar: Nein. Er war als burgenländischer Sport- und Vereinsombudsmann in jener Phase im Hintergrund höchst aktiv, als die Führungs-Crew des SV Mattersburg nach dem operativen Rückzug von Präsident Martin Pucher die Lage intensiv sondierte. „Einen Sanierungsantrag und die meisten von der Bundesliga geforderten Lizenzunterlagen hätte der SVM wohl fristgerecht zusammengebracht, nicht jedoch einen bestätigten Wirtschaftsprüfbericht zur positiven Fortbestandsprognose des SVM samt Profispielbetrieb. Hinzugekommen ist dann auch das Verbandsausschlussverfahren der Bundesliga.“

Investoren: „Das Risiko war zu groß“

Die Ungewissheit, welche Forderungen im Zuge der Commerzialbank-Causa – schließlich war Puchers Bank extrem eng mit dem SVM verstrickt – gestellt werden, war einfach zu groß. Denn es gab sehr wohl Interessenten als mögliche Investoren, wie Rebernig bestätigt. „Mit zwei habe ich persönlich gesprochen. Einer ist dann übrig geblieben, der übrigens nicht medienbekannt ist. Er wäre bereit gewesen, bis zu zwei Millionen an Sanierungsquote aufzubringen, wenn die Gesamtsituation nicht mehr als sechs Millionen Euro kostet. Ich konnte aber nicht garantieren, dass acht Millionen reichen.“

Fehlende Unterlagen und eine düstere Prognose waren hier eine giftige Mischung für seriöse Ansagen, wie der Jurist weiß. „Dem Vernehmen nach wird mit Forderungsanmeldungen von mindestens 30 Millionen Euro zu rechnen sein.“ Macht also bei einer Quote von 20 Prozent mindestens sechs Millionen für ein allfälliges Sanierungsverfahren. „Der Investor wollte Sicherheiten, das Risiko war definitiv zu groß. Und ich kann da als seriöser Anwalt nicht sagen: Der SVM schafft das.“

Also empfahl Rebernig den verbliebenen Funktionären um Deischler und Co. den Konkurs. „Natürlich ist es heikel, wenn du weißt, da hängt ein Verein an der Herz- Lungenmaschine und wir schalten ihn jetzt ab. Die Mitglieder haben diese Vorgangsweise letztlich dann auch einstimmig beschlossen.“ Parallel zum Insolvenzantrag des SVM (im Zuge dessen nicht weniger als vier Verfahren gegen den Verein, die Profisport GmbH, die Gastro GmbH und die Betriebsstätten GmbH anhängig sein werden) sprach sich Rebernig für eine Neugründung aus, weil ein Personenkreis den Nachwuchs-Fortbestand sichern wollte (siehe unten). Nur so war eine sichere Trennung möglich: hier der alte SV Mattersburg samt seiner verschiedenen Gesellschaften, wo die Gläubiger in weiterer Folge nach Möglichkeit bedient werden sollen – dort der MSV 2020, wie sich der Nachfolgeklub künftig nennen wird, für einen reinen Neustart. Rebernig: „Eine bessere Lösung gibt es nicht, speziell für den Nachwuchs, damit sich hier niemand einen neuen Klub suchen muss. Dieser Verein ist wie eine Art Auffanggesellschaft.“

Übrigens: Wer künftig im Pappelstadion spielen wird und ob die Sportstätte überhaupt wieder genutzt wird, ist noch offen. Fakt ist laut Rebernig: Der Grund gehört der Gemeinde, der SV Mattersburg war Pächter, der Pachtvertrag läuft noch bis 2023. Zudem gehörte dem SVM das Vereinshaus, die Haupttribüne und das SVM-Café. Ob diese bestehende „Masse“ im Zuge der Veräußerung von der Stadt erworben wird, ließ Bürgermeisterin Ingrid Salamon offen, stellte aber klar: „Wir sind bestrebt und wollen alles dafür tun, dass auch künftig Vereinsfußball im Pappelstadion gespielt werden kann.“ Rebernigs (unentgeltliche) Tätigkeit für den SVM ist mit der außerordentlichen Generalsversammlung und der Neugründung des MSV 2020 nun jedenfalls zu Ende. Was er retrospektiv über den kurzen Einblick in das Konstrukt des SV Mattersburg sagt? „Das habe ich so noch nicht gesehen – und hat die Angelegenheit nicht gerade leichter gemacht.“