Pöttschinger Fleischerei für immer geschlossen. Franz Wallner gründete 1921 die „Fleischhauerei Wallner“. Sein Enkel Franz Wallner Jun. Jun. schloss sie Ende Jänner nach einem Jahrhundert endgültig.

Von BVZ Redaktion. Erstellt am 26. Februar 2021 (03:55)
Auf der Schlagbrücke. Stiere und Ochsen mit einem Gewicht von bis zu 1500 Kilogramm wurden geschlachtet und verarbeitet.
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Am 4. Oktober 1897 wurde Franz Wallner, der Großvater des derzeitigen Firmenchefs, geboren. Er erlernte das Fleischhauer- und Selcherhandwerk in Leobersdorf. Seine Gesellenzeit verbrachte er im niederösterreichischen Hainfeld. Laut mündlicher Überlieferung eröffnete er im Jahre 1921 in Pöttsching die „Fleischhauerei Wallner“. Durch sein Können und seinen Ehrgeiz war die kleine Fleischerei bald auch über die Landesgrenzen bekannt.

Während des zweiten Weltkriegs kamen schwere Zeiten auf die Fleischerei zu, denn Franz Wallner wurde, wie unzählige andere Pöttschinger, zur deutschen Wehrmacht einberufen. Im Zuge verhängnisvoller Kriegswirren wurde am 29. November 1942 der Betrieb stillgelegt. Am 9. Oktober 1944 erhielt Konstantia Wallner, die Gattin von Franz, eine traurige Nachricht. Ihr Mann war im 48. Lebensjahr in Griechenland gefallen. Nun stand die Witwe mit ihren zwei kleinen Kindern, Stefanie und Franz jun., alleine da. Gemeinsam mit Tochter und Sohn musste sie den Betrieb führen. Franz Junior lernte so gezwungenermaßen sehr früh mit Messer und Beil umzugehen und trat natürlich in die Fußstapfen seines Vaters. Auch er erlernte den Beruf des Fleischers. Im Alter von 21 Jahren übernahm er den elterlichen Betrieb als ausgezeichneter Fleischermeister.

Hier begann alles. Die „Fleischhauerei Wallner“ auf einer alten Archivaufnahme.
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Im Jahr 1952 wurde erstmals ein Lehrling im Betrieb der Firma Wallner eingestellt. Ihm folgten in den kommenden Jahren gut hundert weitere, welche immer wieder bei Lehrlingswettbewerben brillierten. 1983 und 1993 fand sogar der Bundes-Lehrlings-Wettbewerb der Fleischer in Pöttsching statt.

Ende der 50er Jahre wurde der ursprüngliche Betrieb abgerissen und neu aufgebaut. 1960 erfolgte eine große Eröffnung unter Beisein zahlreicher Prominenz. Zwölf Jahre später wurde die vergrößerte Produktionsstätte in Betrieb genommen. Als Schlachtbetrieb wurden sogar Stiere und Ochsen mit bis zu 1500 Kilogramm Gewicht geschlachtet und weiterverarbeitet. Am 12. Oktober 1992 wurde Franz Wallner im Rahmen der Bundestagung in Salzburg die goldene Ehrennadel um die Verdienste des österreichischen Fleischerhandwerks verliehen.

Franz Wallner Jun. Jun. übernahm 1992.

Der jetzige und letzte Betreiber, Franz Wallner Jun. Jun. folgte wiederum seinem Vater und Großvater und erlernte im elterlichen Betrieb das Handwerk des Fleischers. 1979 legte auch er die Meisterprüfung ab und war vierzehn Jahre lang sogar Landesinnungsmeister des Burgenlandes. Im Jahr 1992 übernahm er den elterlichen bzw. großelterlichen Betrieb auf der Hauptstraße 24. Zahlreiche Urkunden und Medaillen von Fleischerei-Meisterschaften zeugen von seinem Können.

Franz Wallner Jun. Jun. bei seiner Berufung: Dem Herstellen und Zubereiten von Fleischwaren. Der Leberkäse schmeckte bei ihm natürlich immer am besten.
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Mit 30. Januar, nach 100 Jahren, endete die erfolgreiche Geschichte der Fleischerei Wallner. Franz Wallner Jun. Jun. erreichte das Pensionsalter. Zwar wären vier Sprösslinge vorhanden, um den Betrieb weiter zu führen, doch keiner der Vier hat Interesse daran. Sie machten in anderen Branchen Karriere. So blieb Franz nur noch der schwere Weg, seinen Betrieb zu schließen.

Etwas Gutes hat die Schließung aber trotzdem. Franz Wallner hat nun endlich mehr Zeit für seine Hobbys. Zum einen sind es Motorräder der Marke Harley Davidson, zum anderen das Zubereiten von Speisen am Griller oder Smoker, denn das ist für Franz Wallner keine Arbeit, sondern reines Vergnügen.