FPÖ Forchtenstein löste sich auf. Parteimitglieder erklärten sich mit Christian Spuller solidarisch. Landeschef Petschnig sieht dies „nicht so dramatisch“.

Von Richard Vogler. Erstellt am 20. Februar 2021 (04:34)
Forchtensteins FPÖ-Chef Bernhard Geisendorfer (im Bild), Landesobmann Alexander Petschnig. Claudia Schweiger-Bollmann und ihre Parteikollegen haben die Ortsgruppe Wiesen bereits vergangenes Jahr aufgelöst.
BVZ / Facebook

Die letzten Wochen bei der FPÖ waren geprägt von Streitereien, Rücktritten und Rauswürfen. Die Wiesenerin Claudia Schweiger-Bollmann und Christian Spuller wurden aus der Partei ausgeschlossen, der Mattersburger FPÖ-Chef Sigi Steiner und der Forchtensteiner Paul Strobl, Obmann der FPÖ-Senioren, traten aus der Partei aus. FPÖ-Klubobmann Hans Tschürtz bekundete zunächst Bürgermeisterambitionen. Nach „Veto“ von Steiner und Spuller nahm er davon wieder Abstand. Einige Tage später war das Thema bei Tschürtz wieder nicht ganz ad acta gelegt, um dann wieder zu verlautbaren, dass er doch nicht kandidieren wird.

FPÖ in Forchtenstein traditionell stark

Forchtenstein ist traditionell eine starke FPÖ-Gemeinde im Bezirk Mattersburg, im Gemeinderat gibt es mit Christian und Felix Spuller sowie Obmann Harald Geisendorfer drei Mandatare. Vor kurzem fand eine Sitzung statt und die Auflösung der Ortspartei wurde beschlossen. Obmann Harald Geisendorfer ist zurückgetreten und alle anderen haben ihre Funktionen zurückgelegt. Hintergrund für diesen Schritt war der Parteiausschluss von Spuller (das Verfahren ist noch im Laufen), die Forchtensteiner Mitglieder erklärten sich mit Spuller solidarisch.

Im Gespräch mit der BVZ bestätigt Geisendorfer die Auflösung. „Wenn Funktionäre selber gehen oder gegangen werden, dann fehlt einfach der Zusammenhalt. Wenn wir diesen Schritt nicht gesetzt hätten, so hätten wir gegeneinander agiert. Dennoch haben wir noch immer die selbe Einstellung, wir stehen weiterhin zu den Werten der Freiheitlichen Partei.“

Die Ortsgruppe ist zwar aufgelöst, im Gemeinderat treten Christian Spuller (bis der Parteiausschluss in Kraft tritt), Felix Spuller und Geisendorfer weiterhin als FPÖ-Mandatare auf. Es gibt jedoch keine Ortsgruppensitzungen mehr, die Kommunikantion mit der Landespartei findet quasi nicht statt, in der Regel fällt dann auch der Wahlkampf für die Landespartei flach. Landesparteiobmann Alexander Petschnig sieht die Auflösung der Ortsgruppe „nicht so dramatisch. Man muss hierbei zwischen den Ortsgruppen und Kandidaturen bei den Wahlen unterscheiden. Bei der Hälfte jener Gemeinden, in denen wir bei den Wahlen 2017 kandidiert haben, hatten wir keine Ortsgruppe.“ Wie er die Zukunft für den Bezirk Mattersburg einschätzt? „Man wird einige Gespräche führen müssen. Es geht hier nicht nur um Forchtenstein, sondern auch um ein paar andere Gemeinden. Es gilt abzuklären, wer sich bereit erklärt für die kommenden Gemeinderatswahlen und welche Linie man fährt.“

Ortsgruppe Wiesen im Juli 2020 aufgelöst

Die Ortsgruppe Wiesen – auch dort ist die FPÖ im Vergleich zu anderen Gemeinden im Bezirk gut vertreten – hat sich im Juli vergangenen Jahres aufgelöst.

„Die Auflösung basierte auf falschen Versprechungen, mangelnder Kommunikation, persönliche Enttäuschung, Unzufriedenheit innerhalb der Ortsgruppe Wiesen mit der Parteiführung und deren Verhalten. Eine weitere Zusammenarbeit war nicht mehr möglich“, berichtet Claudia Schweiger-Bollmann, die Obfrau der Ortsgruppe Wiesen war.

Bei Schweiger-Bollmann gibt es ein Parteiausschluss-Verfahren. „Ich habe sehr viel getan für die Partei, die Gemeinde Wiesen hat bei den Wahlen stets gut abgeschnitten und beim EU-Wahlkampf habe ich an zweiter Stelle kandidiert. Jetzt soll ich ausgeschlossen werden? Das ist ein schlechter Witz“, so Bollmann, die den Ausschluss nicht hinnehmen will. Aus diesem Grund hat sie beim Landesparteigericht Einspruch erhoben.