Gabriela Ötsch fertigt Kleider nach Maß. Wer sich für einzigartige Kleidungsstücke, die noch dazu perfekt passen, interessiert, ist gut beraten, der Neudörflerin Gabriela Ötsch einen Besuch abzustatten.

Von Christian Artner. Erstellt am 18. September 2020 (05:13)
Die Neudörfler Maßschneiderin Gabriela Ötsch vor zwei ihrer neuesten Kreationen. Im März erfüllte sie sich ihren großen Traum und eröffnete ihre eigene Maßschneiderei. Ihre Arbeit orientiert sich an einem Leitspruch der Modedesignerin Coco Chanel, die sagte: „Ich bin gegen Mode, die vergänglich ist. Ich kann nicht akzeptieren, dass man Kleider wegwirft, nur weil Frühling ist.“
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Einigen könnte das Problem bekannt vorkommen: Bei einer Kleider-Shoppingtour wird eine hübsche Jacke gesichtet oder eine elegante, bezaubernde Hose. Es ist Liebe auf den ersten Blick und auch der Preis bewegt sich innerhalb des festgesetzten Budgets. Bei der Anprobe jedoch plötzlich die Ernüchterung: das Oberteil passt zwar der Länge nach, entlang der Brust ist es aber entweder zu eng oder hängt schlabbrig herab, die Hose dagegen sitzt beim Bund perfekt, ist aber wiederum zu lang. Andere Konfektionsgrößen kommen ohnehin nicht in Frage, weil sich der Schlamassel dadurch nur verlagern würde.

Solche ungünstigen Kombinationen muss man bei Gabriela Ötsch nicht befürchten. Perfekte Passgenauigkeit an allen Ecken und Enden verspricht schon ihre Berufsbezeichnung. Sie ist Maßschneiderin und fertigt – vorwiegend für Frauen – individuelle und einzigartige und darüber hinaus perfekt sitzende Kleidungsstücke an. Anfang März, eine Woche vor den ersten harten Corona-Maßnahmen – eröffnete sie ihre eigene Maßschneiderei in der Neudörfl, Hauptstraße 41. „Das war eigentlich immer mein Traum, schon in jungen Jahren“, sagt Ötsch. „Handarbeiten hatte ich in der Schule schon geliebt. Ich habe dann irgendwann begonnen, meinen Puppen Kleidung zu machen oder Hosen zu stricken.“ Die gäbe es heute noch, sie sind nicht etwa auf dem Müll gelandet, erzählt Ötsch.

„Ein maßgeschneidertes Kleid muss man sich gönnen, da es natürlich ein wenig kostspielig ist. Dafür ist es aber ein wirkliches Einzelstück“, sagt Gabriela Ötsch.

Bis sich ihr Traum einer eigenen Maßschneiderei erfüllt hat, sollte es allerdings noch eine Weile dauern. Mehr als 20 Jahre lang, bis 2015, arbeitete sie in einem großen internationalen, textilerzeugenden Konzern. Danach folgten fünf turbulente und auch nicht immer einfache Jahre, wie sie berichtet, in denen es darum ging, ihre Meisterprüfung nachzuholen. „Ich hatte zwar 1984 meinen Abschluss an der Fachschule ‚Mode und Bekleidungstechnik‘ in Wiener Neustadt gemacht. Aber schon damals gab es nur sehr wenige Maßschneider, bei denen man einen Meister hätte machen können.“

2015 wandte sich Ötsch an die Wirtschaftskammer, später auch an das Wifi in Wien, das Kurse mit Meisterprüfung angeboten hatte. „Aber zwei Tage bevor der Kurs beginnen sollte, wurde er wegen zu wenigen Teilnehmern abgesagt.“ Etwas enttäuscht belegte sie einen Buchhaltungskurs, „was aber überhaupt nicht meine Welt war“ und arbeitete für sechs Monate in einer Firma, bei der der Unternehmer plötzlich ihren Lohn nicht mehr zahlte. 2018 dann endlich die Erlösung: Ötsch fing in der Meisterklasse für Haute Couture an der „KunstModeDesign Herbststraße“ in Wien an und schloss im Juni 2019 die Schule mit ausgezeichnetem Erfolg ab. „Diese Zeit zählt überhaupt zu einen meiner schönsten Erinnerungen, ich fühlte mich so frei dort“, blickt Ötsch zurück. Im Juli 2019 folgte schließlich ihre Meisterprüfung in Schrems.

Der Eröffnung ihrer Maßschneiderei stand jetzt nichts mehr im Wege. Im Namenszusatz steht neben Maßschneiderei übrigens auch „Gönnerei“, denn, so sagt sie, „ein maßgeschneidertes Kleidungsstück muss man sich gönnen, da es natürlich auch ein wenig kostspielig ist. Dafür ist es aber auch ein wirkliches Einzelstück.“ (Zusätzlicher Funfact am Rande: Der Name Gönnerei enthält zu Beginn auch die Initialen von Gabriela Ötsch).

Hochzeiten etwa sind immer wieder ein guter Anlass, um solche Einzelstücke aufzutragen, „weil man da gerne in der Erscheinung präsent sein will, zum Beispiel auch als Brautmutter.“ Allerdings sollte man sich in solchen Fällen nicht kurzfristig für ein maßgefertigtes Kleid entscheiden, denn eine derart aufwändige Garderobe kann von der Beschaffung der Stoffe, die natürlich gemeinsam mit den Kundinnen besprochen wird, bis zum letzten Feinschliff durchaus ein paar Monate dauern. Zwei- bis dreimal sollte man sich außerdem auch Zeit für eine Anprobe nehmen. Wer nicht unbedingt etwas für eine Hochzeit sucht, sondern lediglich im Alltag schick und modern gekleidet sein möchte, ist bei Ötsch ebenfalls gut aufgehoben. „Etuikleider zum Beispiel dauern auch nicht so lange.“

Und natürlich zählen auch Frauen zur Zielgruppe von Ötsch, die, wie bereits eingangs erwähnt, Probleme haben Kleidung zu finden, die an allen Körperpartien perfekt sitzt, „vielleicht weil man einen großen Busen hat oder wenig Hüfte. Dann passt alles nicht so richtig.“ Oft kommen die Kundinnen auch schon mit konkreten Vorstellungen zu ihr oder sogar mit Bildern aus Illustrierten von Stars und deren Kleidern, die Ötsch dann nachnähen soll. Hier gilt ihr Grundsatz, keine Scheu zu haben, wie ausgefallen der Wunsch auch immer sein mag: „Jegliches Anliegen ist willkommen. Ich bin gerne bereit, alle Ideen zu besprechen. Auch Änderungen oder sonstige Wünsche bezüglich Näharbeiten werden gerne angenommen.“