Muss Acker Wohnhaus-Parkplätzen weichen?. In Neudörfl sind neue Wohnungen geplant. Ackerboden soll dazugehörigen Parkplätzen weichen. Sabine Schügerl (Grüne) stimmte als einzige gegen die Umwidmung.

Von Christian Artner. Erstellt am 18. Oktober 2020 (04:34)
Die Grünen-Politikerin Sabine Schügerln (links) stimmte als einzige im Gemeinderat gegen eine Umwindung von Ackerboden in eine Fläche für Parkplätze im Zuge einer geplanten Wohnhausanlage.
Bürgermeister Dieter Posch (rechts) sieht im Einwand von Sabine Schügerl durchaus eine Berechtigung. Allerdings müssten auch auf die sozialpolitischen Auswirkungen geachtet werden, sollten Parkplätze anstelle von Wohnraum treten.
zVg.

Neudörfl wächst: kontinuierlich und in überschaubarem Rahmen. Wohnraum ist also gefragt. Auch die Bad Sauerbrunner Siedlungsgesellschaft mischt bei der Schaffung von Wohneinheiten in Neudörfl mit. Aus privater Hand erwarb sie zuletzt zwei Grundstücke, auf denen Wohnungen (Hauptstraße 117) und dazugehörige Parkplätze errichtet werden sollen. Das für die Parkplätze vorgesehene Grundstück liegt in Baulandmischgebiet, berichtet Bürgermeister Dieter Posch. Um genügend Stellplätze unterzubringen, mussten dort weitere 13 Meter auf Baulandmischgebiet umgewidmet werden.

In der letzten Gemeinderatssitzung beschloss der Gemeinderat diese Umwidmung deshalb mit großer Mehrheit. Lediglich die Grüne Gemeinderätin Sabine Schügerl stimmte dagegen. In Zeiten, in denen die Bodenversieglung stark voranschreitet und ständig Grünflächen Bauprojekten weichen müssen, hätte die Gemeinde ihrer Meinung nach ein Zeichen setzen müssen: „Mir ist zwar bewusst, dass Parkplätze zu solch einem Projekt dazu gehören. Allerdings hätte man seitens der Baubehörde auf die Bauwerber einwirken können, um die Pläne nochmals zu überarbeiten.“ So hätte man beispielsweise darauf drängen können, das Wohnprojekt etwas kleiner ausfallen zu lassen. „Dann hätten auch die Parkplätze auf dem Baugrund der geplanten Wohnhausanlage Platz finden können und Ackerboden müsste jetzt nicht versiegelt werden. Im Hinblick auf eine verantwortungsvolle, ökologische Dorfentwicklung hätte ich mir gewünscht, den Ackerboden als solchen zu erhalten.“

„Im Hinblick auf eine verantwortungsvolle, ökologische Dorfentwicklung hätte ich mir gewünscht, den Ackerboden zu erhalten“, Grünen-Poltikerin Sabine Schügerl

Bürgermeister Dieter Posch sieht im Einwand der Grünen-Politikerin durchaus eine Berechtigung, „wobei Bodenversieglung bedeutet: asphaltieren. Das haben wir nicht beschlossen. Wir haben nur beschlossen, dass man dort künftig Autos abstellen darf.“ Es würde sich dabei um Autoabstellplätze handeln, die etwa auch der Heurige Hauer ein paar Meter weiter in der gleichen Form hat: keine asphaltierten Flächen, sondern ein mit Schotter überzogenes Feld. Schügerl wendet ein, dass letztendlich aber die Bad Sauerbrunner Siedlungsgesellschaft entscheiden würde, welche Form von Parkplätzen entstehen werden.

Die Erfolgsaussichten, inwieweit tatsächlich auf den Bauträger Einfluss genommen werden kann, damit dieser auch auf Wünsche wie zum Beispiel das Zusammenlegen von Parkflächen und Wohneinheiten auf einem Grundstück eingeht, wie es von Gemeinderätin Schügerln gefordert wurde, lassen sich allerdings eher bezweifeln, vermutet Posch: „Es könnte sein, dass die Siedlungsgesellschaft dann sagt, wir machen überhaupt keine Parkplätze. Und dann haben wir das Problem, dass die Mieter ihre Autos vielleicht auf der Hauptstraße abstellen.“ Die Umwidmung der Ackerfläche würde einerseits die Anrainer in Hinblick auf Parkplätze entlasten, andererseits auch die die angrenzende Gastronomie.

Posch verweist außerdem auf einen sozialpolitischen Aspekt, nämlich auf die Leistbarkeit des Wohnens. Weniger Wohnbaufläche bedeute entweder mehr Stockwerke, was sich auf das Ortsbild negativ auswirken könnte. „Oder man macht es in einer für das Ortsbild erträglichen Höhe, dann benötigt man aber eine gewisse Verbauungsdichte, damit es auch leistbar ist.“ Denn es sei ein Unterschied, ob sich den Grundstückspreis letztendlich zwei oder vier Mieter teilen.

Kluger Raumplanung schafft mehr Grün

Dass mit Bauprojekten nicht immer eine Bodenversieglung einhergehen muss, zeigt die Errichtung zweier Wohnanlagen in Neudörfl aus der jüngsten Vergangenheit. Das Stichwort heißt: Aktivierung von Altbeständen. „Jeder vernünftige Raumplaner wird sagen: ‚verdichten, Altes ersetzen durch Neues‘ und nicht einfach Neues erschließen und dadurch den Ortskern, wo zum großen Teil noch ältere Gebäude stehen, aussterben und überaltern lassen“, erklärt Posch. Diesen Zugang wählte die Gemeinde bei zwei ehemalgien Fabriksarealen. Dort hatten früher die Buchbinderei Frauenberg und die Zimmerei Hofer ihre Unternehmen. „Die Bereiche waren zu hundert Prozent verbaut beziehungsweise asphaltiert oder betoniert.“ Nachdem die beiden Unternehmen geschlossen hatten, blieben die Flächen dort lange Zeit unbenutzt. „Schließlich sind dort Wohnungen entstanden mit einer Verbauungsdichte von nur mehr 35 Prozent“, berichtet Posch. Durch kluge Raumplanung werden Flächen somit sogar wieder entsiegelt, wodurch neues Grün und Versickerungsflächen entstehen.

Außerdem sei es aus finanzieller Sicht eine kluge Handhabe, den Bestand zu aktivieren anstelle Bauland auf Äckern und Feldern zu erschließen. „Die gesamte Infrastruktur ist sehr teuer. Jeder Meter Kanal kostet viel Geld. Natürlich könnte man Äcker zusammenlegen und dort etwas bauen. Das würde aber bedeuten, die bereits bestehende Infrastruktur, die es im Ort gibt, brach liegen zu lassen.“