Neudörfl

Erstellt am 18. Januar 2019, 04:39

von Sandra Koeune und Doris Fischer

Nach Kündigungenbei Leykam: Bemühen um Sozialplan. 54 Mitarbeiter verlieren in dem Walstead Leykam Werk in Neudörfl ihren Job. Sozialplan für Härtefälle wird mit Betriebsräten und Firmenführung ausgearbeitet.

Neuorientierung. Walstead Leykam richtet sich neu aus, um in Mitteleuropa unter den führenden Druckereien zu bleiben.  |  Symbolbild / Shutterstock.

Das neue Jahr fängt für 54 Mitarbeiter der Druckerei Leykam in Neudörfl und 15 in Müllendorf (Bezirk Eisenstadt) nicht gut an: Sie haben vor Kurzem die Kündigung erhalten. Insgesamt fallen bei der größten Rollenoffset-Druckerei Walstead Leykam 114 Arbeitsplätze weg, was 20 Prozent der Belegschaft entspreche. Die drei österreichischen Werke, in Müllendorf, Neudörfl und St. Pölten, sollen demnach neu ausgerichtet werden. Und das ist, so Zentralbetriebsrat Franz Prohaska, „nur häppchenweise bis zu uns durchgedrungen“.

„Für uns ist es wichtig, uns nachhaltig für eine erfolgreiche Zukunft aufzustellen und langfristig unsere Standorte abzusichern. Daher richten wir uns mit Jahresanfang 2019 neu aus, um in Mitteleuropa weiterhin unter den führenden europäischen Druckereien zu bleiben“, so Gerhard Poppe, Vorstandsvorsitzender von Walstead Leykam, das die Druckerei in Neudörfl vor drei Jahren übernommen hat.

„Die Menschen, die hier arbeiten, sind dem Konzern in England vollkommen egal. Es wird über Kennzahlen und Köpfe gesprochen, nicht aber von Arbeitnehmern oder Mitarbeitern“, ärgert sich Zentralbetriebsrat Franz Prohaska, der die Kündigungen auf jeden Fall anfechten möchte. Der Zentralbetriebsrat kündigt Unterstützung an: „In den nächsten Wochen wird gemeinsam mit Betriebsräten und Firmenführung ein Sozialplan für Härtefälle ausgearbeitet.“

Die Beschäftigung soll laut Prohaska in der Firma gegen null gehen. Zwei Sammelhefter wurden bereits abgebaut und in das Werk nach Tschechien gebracht. „Bei uns gehen dadurch Arbeitsplätze verloren“, stellt Prohaska fest.

„Es wird über das Soll hinaus gekündigt und über die Hintertüre werden dann Leiharbeiter beschäftigt"

Und noch eines stößt dem Arbeitnehmervertreter sauer auf: „Es wird über das Soll hinaus gekündigt und über die Hintertüre werden dann Leiharbeiter beschäftigt, weil zu wenig Arbeiter, vor allem Hilfsarbeiter, da sind“, kritisiert Prohaska. Er würde sich wünschen, dass Facharbeiter an der Maschine beschäftigt bleiben. Denn mit Leiharbeitern sei hier nicht zu arbeiten, da ihre Einschulung wiederum einiges an Zeit in Anspruch nimmt. Nicht nur die Mitarbeiter, sondern auch die Gemeinde ist von der Entscheidung der Walstead Leykam Gruppe betroffen: „Natürlich werden der Gemeinde so auch Steuereinnahmen entgehen. Einem internationalen Konzern sind jedoch die Auswirkungen sowohl für die Gemeinde als auch für die Mitarbeiter egal“, so Bürgermeister Dieter Posch (SPÖ).

„Natürlich werden der Gemeinde so auch Steuereinnahmen entgehen. Einem internationalen Konzern sind jedoch die Auswirkungen sowohl für die Gemeinde als auch für die Mitarbeiter egal“

Landesgeschäftsführer der ÖVP Christoph Wolf und Bezirksparteiobmann Christoph Zarits sehen die rot-blaue Landesregierung gefordert: „Die Politik darf nicht einfach so zuschauen, wenn unzählige Mitarbeiter ihren Job verlieren.“ Die beiden Mandatare der Volkspartei fordern von der Regierung einen konkreten Sozialplan.

Soziallandesrat Norbert Darabos (SPÖ) sagte in einer Aussendung den Mitarbeitern Unterstützung zu. Verhandlungen über einen Sozialplan seien bereits aufgenommen. „Seitens des Landes steht im Vordergrund, dass niemand im Regen stehen gelassen wird. Falls erforderlich, werden wir uns auch in die Gespräche einbringen“, stellt Darabos fest.