Neue Problemlöserin an der Mittelschule. Seit Beginn den Schuljahres verstärkt Julia Schwarz als Sozialarbeiterin an der Mittelschule vier Beratungslehrer. Wenn Schülern etwas am Herzen lastet, ist sie stets da.

Von Christian Artner. Erstellt am 07. Dezember 2019 (03:28)
Julia Schwarz arbeitete fünf Jahre lang in der Kinder- und Jungendhilfe in der Steiermark und Niederösterreich. Mit Beginn des Schuljahres ist sie als Sozialarbeiterin in der Mittelschule tätig.
zVg

Montag. Die Zeiger auf der Uhr im Eingangsbereich der Mittelschule springen auf dreiviertel elf. Die Jugendlichen genießen ihre Pause, tollen herum oder bereiten die Unterlagen für die nächste Stunde vor. Ein Bursche, 12 Jahre alt, hat heute allerdings noch etwas anderes vor. Er macht sich auf den Weg in den zweiten Stock, hält an der Tür, deren Aufschrift auf das Büro von Julia Schwarz verweist, holt tief Luft und klopft an. Zögerlich tritt er ein, setzt sich auf den Stuhl und beginnt zu erzählen: Ein Mitschüler, mit dem es bereits seit Längerem Streit gibt, hat am Wochenende Beleidigendes über ihn ins Internet gestellt. Julia Schwarz hört dem Jungen aufmerksam zu und versucht anschließend gemeinsam mit ihm eine Lösung zu finden.

Mit solchen und ähnlichen Fällen hat die 28-Jährige seit Anfang September als Schulsozialarbeiterin an der Mittelschule zu tun. Die Schüler können, sollten sie das Bedürfnis verspüren, mit jemanden reden zu müssen, zu ihr kommen; wenn es etwa Ärger mit Mitschülern gibt oder sie eine familiäre Situation belastet. „Das Beispiel von vorhin spricht ein immer wieder aktuelles Thema an“, erklärt Schwarz, „nämlich Konflikte zwischen Schülern, die über soziale Medien ausgetragen werden“.

„Zunächst ist es notwendig, eine vertrauensvolle Beziehung aufzubauen"

Neben Mobbing kommen auch andere altersspezifische Themen, die urplötzlich im Leben eines Jugendlichen am Horizont auftauchen, bei ihr zur Sprache: etwa die erste Beziehung, genauso wie Alkohol, Rauchen und das Thema Drogen. „Darüber mit den eigenen Eltern zu sprechen, ist für viele Heranwachsende nicht einfach.“ Bei Schwarz können sie das in einer ungezwungenen Atmosphäre tun: „Zunächst ist es notwendig, eine vertrauensvolle Beziehung aufzubauen. So können sie mich bei meinem Vornamen ansprechen. Zudem habe ich den Vorteil, dass ich eine Erwachsene bin, die keine Noten vergibt. “

Vertrauen zu gewinnen ist eine Seite, Vertraulichkeit zu wahren eine andere. „Als Schulsozialarbeiterin habe ich eine Verschwiegenheitspflicht nach außen. Das sage ich den Jugendlichen von Anfang an.“ Nimmt Schwarz allerdings ein akutes Gefährdungspotential wahr, etwa wenn Selbstmordgedanken geäußert werden, ist sie zur Meldung verpflichtet – auch darüber wissen die Schüler Bescheid. „Dann müssen auch andere helfende Instanzen mit einbezogen werden.“ Deswegen ist Vernetzungsarbeit mit externen Organisationen auch ein wesentlicher Bestandteil ihrer Arbeit. Meistens können Probleme allerdings mit dem einzelnen Schüler selbst oder, falls notwendig, in einer Gruppe von Schülern gelöst werden.

„Jugendliche, die in sozial benachteiligten Lebenslagen aufwachsen, etwa in schwierigen finanzielle Verhältnissen oder mit überforderten Erziehungsberechtigten, haben dadurch oft schlechtere Startchancen in ihr Leben"

Schwarz versteht sich aber nicht nur als Problemlöserin und -moderatorin, sondern als jemand, der die Kinder in ihrem Entwicklungsprozess professionell begleitet. Dazu zählt für sie, bestehende Bildungsbarrieren abzubauen. „Jugendliche, die in sozial benachteiligten Lebenslagen aufwachsen, etwa in schwierigen finanzielle Verhältnissen oder mit überforderten Erziehungsberechtigten, haben dadurch oft schlechtere Startchancen in ihr Leben. Schulsozialarbeit versucht, Ungleichheiten zu verringern und den Kindern Perspektiven zur Teilhabe an der Gesellschaft zu ermöglichen.“

Mit den ersten drei Monaten in Neudörfl ist Schwarz, die ursprünglich aus der Steiermark stammt, zufrieden. „Ich war überrascht, wie schnell alles ins Laufen gekommen ist. Nach einer Woche sind schon die ersten Anfragen gekommen: ‚Hey, kann ich vorbei kommen, hast du Zeit für mich?‘ Und so hat sich das immer mehr rumgesprochen.“

Dem 12-jährigen Jungen hat Schwarz zu einem Gespräch mit dem Schüler, der die beleidigenden Inhalte online gestellt hat, geraten, das von ihr moderiert wird. „Ziel ist es, die Jugendlichen an einen Tisch zu bringen, den Grund der Beleidigungen zu erörtern und somit den Konflikt aufzulösen. Außerdem habe ich mir gedacht, einen Workshop für die betroffenen Klassen zu erarbeiten, um die Jugendlichen für das Thema zu sensibilisieren.“