Erstes "Corona-Opfer": Wulkautalschenke schließt. Nach knapp einem Jahr wird die Pöttelsdorfer „Wulkatalschenke zur Traude“ Ende August schließen.

Von Christian Artner. Erstellt am 25. Juni 2020 (05:55)
Waltraud Morawitz mit ihrem fleißigen Lehling Janine Gehres kurz nach Eröffnung der „Wulkatalschenke zur Traude“ im September. Am 30. August wird das Lokal zum letzten Mal geöffnet haben.
BVZ

Nachdem bereits Ende Mai der Dorfladen in Pöttelsdorf geschlossen hatte, gibt es eine weitere Enttäuschung, die die Gemeinde im Bereich der örtlichen Infrastruktur verkraften muss. Die beliebte „Wulkatalschenke zur Traude“, die seit der Übernahme von Waltraud Morawitz im September des letzten Jahres diesen Zusatz im Namen trägt, wird mit 31. August (letzer geöffneter Tag: 30. August) den Betrieb einstellen. „Die Fixkosten, Miete usw. in Zeiten von Corona zu zahlen, war und ist eine Katastrophe“, berichtet Morawitz.

Sie hatte zwar das Glück, während der Schließung weiterhin Essen auf Rädern anbieten zu können, aber das reichte trotzdem nicht aus, weil auch nach der Wiedereröffnung „sehr, sehr wenig los ist. Die Öffnung wird nur zaghaft angenommen.“ Bis zum August werde sie noch versuchen, den Schaden zu verringern, sagt sie. Personallücken, etwa ihr Koch, der eine neue Stelle gefunden hat, werden nicht mehr nachbesetzt. Ein Zurück wird es deshalb für Morawitz nicht geben, auch wenn sich die nächsten Wochen alles wieder ändern könnte. Als weiteren Grund nennt sie auch „Anrainerprobleme aufgrund von Lärmbelästigung, zum Beispiel am Faschingssamstag und bei unserem letzten Singletreff.“

Sie sei auch „etwas enttäuscht von der Regierung, weil wir, wie ich finde, ein wenig in der Luft hängen gelassen wurden.“ Morawitz hat zwar über den Härtefonds versucht, Unterstützung zu bekommen, bisher hat sie aber noch kein Geld gesehen. Die teils undurchschaubare Bürokratie kostete ihr viel Zeit und Nerven. Darüber hinaus wurde die Arbeit nicht unbedingt weniger: „Im März, April und Mai habe ich teilweise alleine oder zu zweit durchgearbeitet, 7 Tage die Woche. Mit den Lieferungen war das schon alles sehr anstrengend.“

Morawitz ist seit 15 Jahren in der Gastronomie. Sie fing mit einer Würstelbude an und hatte sich dann immer weiter gesteigert. Letztes Jahr ist ihr Wunsch nach einem Ganzjahresbetrieb mit der Wulkatalschenke in Erfüllung gegangen. Die Selbstständigkeit und auch die Gastronomie will sie hinter sich lassen. „Ich gehe wahrscheinlich in den Verkauf oder in eine beratende Tätigkeit. Der Kontakt mit Menschen bei der Arbeit ist mir wichtig, aber der Gastro kehre ich erstmal den Rücken zu.“

Bürgermeister Reiner Schuber ist mit den beiden Schließungen innerhalb kurzer Zeit in seiner Gemeinde natürlich nicht zufrieden. „Das ist eine traurige Entwicklung. Aber das zieht sich leider durch das ganze Land und durch ganz Österreich, dass die kleinen Strukturen es schwer haben. Das müssen wir mit traurigem Herzen zur Kenntnis nehmen.“ Einen Nachfolger oder eine Nachfolgerin wird es dem Vernehmen nach für die Wulkatalschenke vorerst nicht geben. Verpächterin Romana Koch übernimmt aber ab 1. September das Essen auf Rädern.