Obmann-Ablöse bei Trafikanten: Mehr Umsatz wegen Corona. Am 1. April wurde Angelika Bauer zur Obfrau der Tabaktrafikanten im Burgenland nominiert. Die Pandemie wirkte sich auf die Branche nicht negativ aus.

Von Christian Artner. Erstellt am 24. April 2021 (03:20)
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Seit 1. April 2021 ist Angelika Bauer Landesgremialobfrau für 222 Tabaktrafikanten mit 268 Mitarbeitern im Burgenland. Ihre Stellvertreter sind Iris Schwaiger aus Güssing und Stefan Paller aus Rohrbach.
WK Burgenland, WK Burgenland

Barcelonas Fußballstar Antoine Griezmann wurde unlängst zum dritten Mal Vater. Das Besondere daran: alle seine Kinder wurden am 8. April geboren, allerdings in unterschiedlichen Jahren. Für die Pöttschinger Trafikantin Angelika Bauer hält der Monat April eine ähnliche Zufälligkeit bereit.

Am 1. April 2021 hat sie die Agenden von Hannes Dragschitz als Obfrau der Tabaktrafikanten im Burgenland übernommen; 2006 übernahm Bauer die Trafik in Pöttsching von ihrer Mutter, ebenfalls am 1. April; und zu guter Letzt war es auch Bauers Großvater, der am 1. April 1971 als Kriegsinvalide einen kleinen Kiosk übernahm. Diesen integrierte er im Laufe der Zeit in seinem Haus.

Als die Mutter von Angelika Bauer im September 2005 die Nachricht erhalten hatte, sie könne mit 1. Jänner in Pension gehen, war klar, dass die Tochter die Trafik weiterführen wird. „Es gab aber eine gewisse Vorlaufzeit, in der Verträge gekündigt und neue abgeschlossen wurden. Das dauert meist bis zu einem halben Jahr. So war es dann zufällig wieder der 1. April, an dem die Übernahme stattfand.“ Nun, exakt zum 15-jährigen Jubiläum als Unternehmerin und zum 50-jährigen Jubiläum des Betriebs, ist Bauer zur Obfrau der Fachgruppe der Tabaktrafikanten nominiert worden. „Bei der Wirtschaftskammerwahl 2020 trat ich als Stellvertreterin an. Nach der Wahl haben wir vereinbart, einen Wechsel an der Spitze der Tabaktrafikanten vorzunehmen“, so die neue Obfrau.

„Die Ausreisebeschränkungen wirkten sich dahingehend aus, dass die Burgenländer Tabakwaren regional eingekauft haben. Das hat den Umsatz gesteigert“, berichtet Angelika Bauer , Landesobfrau der

Tabaktrafikanten

Als Landesgremialobfrau vertritt Bauer die Interessen der 222 Trafikantinnen und Trafikanten im Burgenland mit insgesamt 268 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Die Branche hat das erste Corona-Jahr recht gut überstanden, sagt Bauer. „Die Ausreisebeschränkungen in die dem Burgenland angrenzenden Länder Ungarn, Slowenien und Slowakei wirkten sich dahingehend aus, dass die Burgenländer Tabakwaren regional eingekauft haben. Das hat natürlich den Umsatz gesteigert.“

Die Trafiken durften als systemrelevante Branche auch durchgehend geöffnet haben. „Systemrelevant aber nicht wegen der Zigaretten, sondern die Einstufung erfolgte wegen der Zeitungen und Zeitschriften, wodurch die Pressefreiheit sichergestellt wird.“ Einzige Einschränkung: Die Geschäftszeiten wurden auf 6 bis 19 Uhr festgesetzt. „Ich habe immer schon um fünf Uhr aufgesperrt, um für Arbeitnehmer, die mit der Schicht um sechs beginnen, da zu sein.“

Trafiken sind wie Wirtshäuser oder der Bäcker auch Orte, in denen viel miteinander geplaudert wird. Angelika Bauer weiß deshalb, was die Menschen beschäftigt. Die aktuelle Stimmung in der Bevölkerung schätzt sie so ein, dass die Einschränkungen für viele schon als sehr mühsam empfunden werden. „So wie es für uns schon lange dauert, dauert es auch für unsere Kunden schon lange. Es wäre schön, wenn langsam ein Ende der Pandemie in Sicht käme.“ In ihrer Trafik gäbe es sowohl Kunden, die Angst hätten, sich anzustecken „und die Türe deshalb mit dem Ellbogen aufmachen, damit sie die Schnalle nicht berühren müssen. Es gibt aber auch solche, denen es komplett egal ist, die ohne Maske hereinkommen und die ich dann ermahnen muss.“

Angelika Bauer vertritt 222 TrafikantInnen

Neben ihrer Tätigkeit als Trafikantin und ihrem Engagement in der Wirtschafskammer ist Bauer auch seit 2016 Bundesobfraustellvertreterin bei der Wohlfahrtseinrichtung der Tabaktrafikanten Österreichs, einem Verein mit 100-jähriger Geschichte.

„Der Verein unterstützt Trafikanten bei ihrem Tun und Handeln. So haben wir zum Beispiel eine eigene Buchhaltungsabteilung, die Trafikanten zur Seite steht. Dazu gibt es auch einen Großhandel, in dem Nebenartikel wie Zigarettenpapier oder Zigarettenhülsen, Feuerzeuge und sonstiger Raucherbedarf auch in kleineren Mengen eingekauft werden können, um so die Wirtschaftlichkeit von kleinen Trafiken zu unterstützen.“ Dieses Amt hat sie allerdings nicht an einem 1. April übernommen. „Sondern es war damals im Juli“, sagt Bauer.