Phillip Nussbaumer: Hilfe für Obdachlose. Phillip Nussbaumer setzt sich für obdachlose Menschen ein. Gemeinsam mit der Fußpflegerin Petra Dürr organisierte er einen Fußpflegetermin für einen seiner Schützlinge.

Von Christian Artner. Erstellt am 23. Juli 2020 (05:27)
Phillip Nussbaumer
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Obdachlosigkeit kann unterschiedliche Gründe haben: der Verlust eines geliebten Menschen, Konkurs, Alkohol- oder Drogensucht – und nicht selten ist es eine Mischung aus mehreren Faktoren. Genauso kann Obdachlosigkeit jeden betreffen, davon ist zumindest Phillip „Ringo“ Nussbaumer überzeugt, spricht er doch aus Erfahrung. „Ich bin ein gutes Beispiel dafür“, sagt Nussbaumer, der ursprünglich aus Wiesen stammt, aber derzeit „keinen festen Wohnsitz“ hat. „Ich habe in meinem Leben alles gehabt. Vor 5 Jahren ging es dann mit mir bergab. So ziemlich alles, was ich mir aufgebaut habe, habe ich wieder verloren.“ Bald gab es für ihn nur mehr die Alternativen, seinen Suizidgedanken nachzugeben oder sich zu fangen und wieder etwas Nützliches aus seinem Leben zu machen.

Er entschied sich, auch durch die Kraft, die ihm seine Kinder schenkten, für das Zweite und setzt sich nunmehr seit viereinhalb Jahren selbst ehrenamtlich für obdachlose Menschen ein. Ende des Jahres hat er vor, einen eigenen Verein zu gründen, „damit sich mir möglichst viele Menschen anschließen können.“

Nussbaumer selbst betreut zur Zeit zwischen sechs und acht Schützlinge. „Ich gehe mit ihnen einkaufen, verbringe Zeit mit ihnen, höre ihnen zu.“ Einkäufe bezahlt er großteils aus seinen eigenen Mitteln. „Seit Kurzem beteiligen sich aber immer mehr Menschen, vom Burgenland bis Kärnten und Tirol.“

Die Rohrbacher Fußpflegerin Petra Dürr behandelte letzten Samstag die Füße von Gerald. Der Kontakt zu ihm entstand über den gebürtigen Wiesener Phillip Nussbaumer (Bild oben), der sich seit einigen Jahren für Obdachlose einsetzt.
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Einer seiner Schützlinge heißt Gerald, 1 Meter 92 groß. „Als ich ihn kennen lernte, wog er nur 60 Kilo – und da zähle ich das Gewand schon mit. Wenn ich ihm damals keinen Mut zugesprochen hätte, wäre er vielleicht heute nicht mehr am Leben.“ Viele Anrufe und Treffen waren notwendig, um ihn wieder auf die richtige Bahn zu bringen. „Er hat jetzt wieder eine eigene Wohnung, ist clean und braucht auch keine Tabletten mehr.“

Unterstützen lässt sich die Arbeit von Nussbaumer auf verschiedenste Weise, „zum Beispiel mit Gutscheinen in Lebensmittelgeschäften, bei Friseuren, Schuhgeschäften und vieles mehr.“ Auch die Rohrbacher Fußpflegerin Petra Dürr wurde auf Nussbaumer und seinen Einsatz aufmerksam. „Ich hatte vor einigen Jahren im Fernsehen gesehen, dass es Frisöre gibt, die einmal im Monat Obdachlosen die Haare kostenlos schneiden. Das hat mich beeindruckt.“ Vorerst blieb es allerdings beim Gedanken, auch selbst gratis Fußpflege für obdachlose Menschen anzubieten. „Dann lernte ich Phillip kennen, er lud mich in seine Facebook-Gruppe ‚Ringo for homless‘ ein, und über Phillip wurde auch der Kontakt mit Gerald hergestellt.“

"Meine Füße haben sich noch nie so gut angefühlt"

Letzten Samstag kam Gerald schließlich in den Genuss einer entspannenden Fußpflege bei Petra Dürr, die seit 14 Jahren ihr eigenes Fußpflegestudio in Rohrbach betreibt. Bei einer Sitzung wird unter anderem überschüssige Hornhaut entfernt, werden Nägel fachmännisch gekürzt und eventuell vorhandene Hühneraugen entfernt. Mit seiner Behandlung war Gerald auch rundweg zufrieden: „Es hat mir wahnsinnig gut gefallen. Meine Füße haben sich noch nie so gut angefühlt.“ Weitere Fußpflegebesuche kann er sich sehr gut vorstellen und auch Petra Dürr ist offen für weitere Gratistermine. „Ich möchte das weiterhin anbieten und mit Phillip noch mehr Menschen glücklich machen.“

Von seiner Arbeit könnte Nussbaumer noch einiges erzählen, etwa über die regelmäßig stattfindenden Grillveranstaltungen. Deshalb will er auch in einem Buch seine Lebensgeschichte niederschreiben, um auch andere Menschen zu motivieren, Gutes zu tun.