Lebensqualität im Dorf. Über eineinhalb Jahre wurden mit Bürgern Zukunftsthemen erörtert, die in nächster Zeit umgesetzt werden sollen. Bei einem Dorfgespräch präsentierte das Kernteam die Themen.

Von Christian Artner. Erstellt am 14. September 2019 (03:32)
zVg
Interessierte Besucher beim letzten der ingesamt drei größeren Dorfgesprächsrunden in der Schuhmühle.

Wer rastet, der rostet. Das gilt nicht nur für Fahrradketten, alte Groschen, für Stoßstangen an im Hinterhof abgestellten Autos oder menschlichen Fähigkeiten im Allgemeinen, sondern in gewisser Weise auch für Gemeinden: ständig in Bewegung bleiben, Neues anpacken, damit die Lebensqualität der Gemeindebewohner gesichert und verbessert wird.

„Lebensqualität durch Nähe“ hieß demnach auch der Titel des mittlerweile zweiten Dorferneuerungsprozesses in Schattendorf innerhalb der letzten acht Jahre, der gemeinsam mit der Bildungsakademie SPES Oberösterreich in die Wege geleitet wurde und in dessen eineinhalbjähriger Dauer acht Schwerpunktthemen erarbeitet wurden, die zum einen Teil bereits in der Umsetzungsphase sind, zum anderen Teil in den nächsten Wochen und Monaten angegangen werden sollen: Jugendzentrum, Klimakonferenz, Dorfbegrünung, Offenes Bücherregal, Neues Betreutes Wohnen, Schlemmerwanderung, Zukunft Nahversorgung und Eltern-Kind-Zentrum standen auf der Liste.

„Der Gedanke hinter dem Titel ‚Lebensqualität durch Nähe‘ und das Ziel dieser Initiative ist es, dass die Leute in der Gemeinde spüren, dass sich etwas tut. Die Lebensqualität soll im Dorf erhalten bleiben und ausgebaut werden“, erklärt Bürgermeister Johann Lotter. In Zeiten, in denen der demographische Wandel voranschreitet, Arbeitsplätze immer häufiger auswärts zu suchen sind, Greißler großteils schon geschlossen haben und Wirtshäuser um Gäste zum Bewirten kämpfen, sei das wichtiger denn je.

„Wir haben die Punkte mit rund 250 Bürgern erarbeitet, sie waren stets mit eingebunden und wurden ständig über den Fortschritt informiert.“

Am 29. August fand als ein vorläufiger Abschluss dieses Prozesses in der Schuhmühle eine große Dorfgesprächsrunde statt, bei der etwa 60 Schattendorfer anwesend waren, denen die Themen vorgestellt wurden. Diese waren im Gesamtprozess aber nicht nur passive Darsteller, wie Lotter betont, sondern konnten auch selbst Ideen einbringen: „Wir haben die Punkte mit rund 250 Bürgern erarbeitet, sie waren stets mit eingebunden und wurden ständig über den Fortschritt informiert.“

Es soll also unter anderem ein neues Jugendzentrum entstehen, wofür das alte Jugendheim in der Brückengasse saniert und mit neuer Ausstattung, wie etwa einem Wuzzler, versehen wird. „Eine Jugendbetreuerin, Kathi Haring, wird außerdem den Jugendlichen als Ansprechpartnerin dienen.“ Für das Neue Betreute Wohnen sollen zehn Wohneinheiten geschaffen werden. „Heuer soll dazu noch der Spatenstich erfolgen.“ Bei der Schlemmerwanderung wird es darum gehen, das Wirtshaussterben, das andernorts zu beobachten ist, in Schattendorf zu verhindern. „Wir wollen mit einer größeren Veranstaltung, bei der von Wirtshaus zu Wirtshaus gewandert wird, den Wirten zeigen, dass wir sie unterstützen.“ Die beiden letzten im Ort verbliebenen Greißler, Kaufhaus Pinter und Friedl, werden in den nächsten Jahren schließen.

„Mit dem Zukunftskonzept Nahversorgung möchten wir neue Ideen entwickeln, um zumindest ein Kaufhaus im Ortskern zu haben.“ Und schließlich soll beim alten Kindergarten ab Oktober ein Eltern-Kind-Zentrum eröffnet werden. „Wir werden dort Kurse anbieten, Eltern können sich treffen, Kinder Geburtstage feiern.“

„Mit dem Zukunftskonzept Nahversorgung möchten wir neue Ideen entwickeln, um zumindest ein Kaufhaus im Ortskern zu haben."

Auf eine genaue Zahl, wie viel all diese Projekte kosten werden, will sich Bürgermeister Lotter nicht festlegen: „Es sind einige Projekte dabei, die sich erst langsam entwickeln müssen. Sie kosten natürlich etwas Geld, keine Frage, aber keine Hundertausend Euro, abgesehen vom Neuen Betreuten Wohnen.“