Commerzialbank-Kunden helfen sich auf Facebook. Isabella Lichtenegger gründete auf Facebook die „Selbsthilfegruppe der Commerzialbank-Mattersburg-Kunden“. Die Community zählt mittlerweile 291 Mitglieder.

Von Richard Vogler. Erstellt am 19. November 2020 (04:13)
Isabella Lichtenegger: „Ich fühlte mich völlig allein gelassen. Ich habe mir gedacht, es geht vielen anderen wie mir. Dies war der Grund, warum ich die Selbsthilfegruppe gegründet habe.“
zVg/Facebook

Die Commerzialbank-Pleite hinterlässt ein großes wirtschaftliches Desaster. Mehr und mehr Details über die Malversationen vom ehemaligen Bankdirektor Martin Pucher und seiner Assistentin Franziska Klikovits treten ans Tageslicht, die ersten Klagen sind eingebracht.

Bei vielen Betroffenen herrschte auch zu Beginn Ratlosigkeit, wohin man sich wenden kann, sowie große Angst. Dies nahm Isabella Lichtenegger zum Anlass, die Facebook-Gruppe „Selbsthilfegruppe der Commerzialbank-Mattersburg-Kunden“ zu gründen.

„Die Schließung der Commerzialbank hat mich wie der Blitz getroffen. Ich hatte einen Computer bestellt. In der Früh, als die Commerzialbank geschlossen wurde, konnte der Computer nicht bezahlt werden. Ich habe ich ein E-Mail bekommen, dass ich mich woanders melden solle. Dann sehe ich im Internet, dass die Bank geschlossen sei“, berichtet die in Wien wohnhaft Kommunikationstrainerin und selbstständige Journalistin. Noch am selben Tag gründete sie die Facebook-Gruppe. „Ich hatte am Anfang als Privat- und Firmenkunde keine Bonität. Ich fühlte mich völlig allein gelassen. Ich habe mir gedacht, es geht vielen anderen wie mir. Dies war der Grund, warum ich die Selbsthilfegruppe gegründet habe. Im Minutentakt sind dann Anmeldewünsche gekommen, die Not der Menschen war groß.“

Mittlerweile ist die Gruppe auf 291 Mitglieder angewachsen. „Es lesen fast täglich bis zu 4.000 Leute mit. Vor allem zu Beginn hatte ich zahlreiche Kontakte, auch über Telefon, SMS oder Mail.“ So konnte einigen Mitgliedern geholfen werden, unter anderem wurden sie an Juristen weitervermittelt.

   
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„Mit älteren Personen war ich oft übers Telefon in Kontakt. Eine Pensionistin war total fertig, sie hat am Telefon geweint.“ Ein persönliches Treffen hat es auch bereits gegeben. „Es war mir wichtig, auch einige Leute kennenzulernen, es war eine kleine Runde in Pöttelsdorf. Ende Oktober, Anfang November war eine zweite mit Verfassungsjuristen, Konsumentenschützern und einem Rechtsanwalt geplant. Dies musste aufgrund von Corona leider verschoben werden.“ Bis zur Commerzialbank-Pleite war sie mit der Bank sehr zufrieden.

„Meine Mutter ist in Hornstein wohnhaft. Auf Empfehlung einer Arbeitskollegin ist sie auf die Commerzialbank gestoßen. „Das Service war ja sehr gut, man konnte vieles sehr unbürokratisch abwickeln. Ein Anruf bei meiner Bankberaterin hat genügt und mein Anliegen wurde umgesetzt.“

Dennoch: Der finanzielle Schaden bleibt und zwei Punkte sind für Lichtenegger noch immer unverständlich: „Dass Martin Pucher noch immer auf freiem Fuß ist, können ich und viele andere nicht nachvollziehen. Macht man in Österreich eine Kleinigkeit, so wird man sehr schnell eingesperrt. Und dass man wie Martin Pucher ohne entsprechende Ausbildung eine Bank eröffnen kann, ist ebenso wenig verständlich.“