Andreas Gradwohl: „Bin wieder gesund“. Der Bürgermeister von Sieggraben, Andreas Gradwohl, feierte Anfang Jänner ein rundes Jubiläum. Im Dezember erkrankte er an Corona. Die BVZ bat ihn zum Interview.

Von Helga Ostermayer. Erstellt am 14. Januar 2021 (03:45)
Jubilar. Andreas Gradwohl feierte seinen 40. Geburtstag.
zVg

BVZ: Wann hatten Sie ihren 40er und wie haben Sie ihn in Zeiten von Corona begangen?

Andreas Gradwohl: Ich hatte Anfang Jänner meinen 40er. Leider habe ich ihn nur in sehr kleinem Rahmen corona-konform feiern können. Geplant war es in einem großen Rahmen, aber leider nicht möglich.

BVZ: Sie waren ja an Corona erkrankt, wie ist es Ihnen ergangen?

Andreas Gradwohl: Ja, ich habe im Dezember die Krankheit am eigenen Leib erlebt, ich hatte einen negativen und zwei Tage später einen positiven Labortest. Der Verlauf der Erkrankung war zum Glück ein sehr leichter nur mit Kopf- und Gliederschmerzen sowie Geschmacksverlust. Ich war 14 Tage in Quarantäne. Jetzt geht es mir wieder gut, ich bin wieder gesund. Das Ganze ist eine schwierige Zeit mit schwierigen Maßnahmen. Hier richtig zu agieren, ist mit Sicherheit nicht einfach. Ich verstehe auf der einen Seite die Verordnung von Maßnahmen, um diese Pandemie in den Griff zu bekommen. Auf der anderen Seite verstehe ich aber auch die Menschen – sie werden mittlerweile überdrüssig von den vielen verschiedenen Vorgaben und Maßnahmen.

BVZ: Seit wann sind Sie schon politisch tätig und in welchen Positionen?

Andreas Gradwohl: Ich bin seit 2017 Bürgermeister der „schönsten“ Gemeinde Mitteleuropas. Davor war ich fünf Jahre Vizebürgermeister. In Summe bin ich nunmehr seit 2002 im Gemeinderat tätig. In meiner Jugendzeit durfte ich zweimal als Landesvorsitzender der SJ-Burgenland und zwei Jahre als Bundesvorsitzender-Stellvertreter in der SJ-Österreich tätig sein.

BVZ: War es im ÖVP-dominierten Sieggraben eine Überraschung, als Sie Bürgermeister wurden und was hat den Ausschlag für die Wende gegeben?

Andreas Gradwohl: Bei der Wahl 2017 haben wir unsere Chance gewittert. Wir haben ein junges, dynamisches und attraktives Team gefunden, um uns für unsere Heimatgemeinde zu engagieren. Wir haben viele Ziele und Visionen für Sieggraben vorgestellt und haben etwa sechs Jahre zuvor mit einer Strategie und mit harter Arbeit begonnen. Die Menschen unserer Heimatgemeinde haben dies honoriert und mir mit meinem Team das Vertrauen geschenkt. Mit Stolz und viel Elan haben wir die Verantwortung übernommen, um für Sieggraben zu arbeiten und den Ort erfolgreich in die Zukunft zu bringen.

BVZ: Sie folgten Vinzenz Jobst als Bürgermeister nach, welche Herausforderungen gab es?

Andreas Gradwohl: Natürlich ist es nicht einfach, die Führung einer Gemeinde zu übernehmen, in welcher seit über 60 Jahren die ÖVP am Ruder war. Ich habe von Anbeginn immer auf Ehrlichkeit gesetzt. In den ersten Gesprächen mit den Mitarbeitern, aber auch in zahlreichen Gesprächen mit der ÖVP. Mein erster Antrag und somit meine erste Amtshandlung war die Ernennung von Vinzenz Jobst zum Ehrenbürger. Dieser Beschluss erfolgte einstimmig. Ich denke, dass meine offene Art, meine Erfahrung, aber auch meine Art keinen Unterschied zwischen den Menschen zu machen, auch ein Grund ist, um diesen Erfolg weiter zu führen. Wir Politiker sind von den Menschen gewählt, um deren Stimme zu hören und zu helfen und um die Lebensqualität in unserer Heimatgemeinde zu steigern. Vinzenz Jobst war lange im Amt und hat vieles für unser Sieggraben erreicht. Das Team der SPÖ-Sieggraben wird gemeinsam mit der Ortsbevölkerung einen erfolgreichen Weg in die Zukunft bauen und diesen mit viel Engagement und Einsatz umsetzen.

BVZ: Wie verhielt sich die Mandatsverteilung damals und wie verhält sie sich heute?

Andreas Gradwohl: In der letzten Periode war der Mandatsstand 12 (ÖVP) zu 7 (SPÖ)– ab 2017 9 (SPÖ), 9 (ÖVP) und 1 (Zukunft Sieggraben).

BVZ: Wie gestaltet sich Ihre Arbeit, ist es von Vorteil, wenn man nicht die Absolute hat, weil man da genauer arbeiten muss und mehr Überzeugungsarbeit leisten muss, oder ist es mehr von Vorteil, wenn man seine Projekte durchbringen kann und man sich nach keinem zu richten braucht?

Andreas Gradwohl: Für mich war es nichts Neues. Bis 2007 war ich in der Opposition und hatte ständig damit zu kämpfen, um gehört zu werden. Als ich das Amt des Bürgermeisters übernahm, war für mich eines klar – nur gemeinsam können wir unsere Gemeinde positiv entwickeln und gerüstet in die Zukunft schreiten. Dieser Codex bedeutete schon in den ersten Gesprächen nach der Wahl Transparenz und Vertrauen. Zu Beginn wurde meine ausgestreckte Hand nicht ernst genommen, mittlerweile hat es sich positiv verändert. Ich führe regelmäßig Gespräche mit Vize Andi Bauer und Fraktionssprecher Fritz Rauter. Zu beiden habe ich ein persönlich gutes Verhältnis und eine sehr gute Gesprächsbasis. Keine Geheimnisse und keine Missgunst – Ehrlichkeit und Transparenz – dafür sind viele Gespräche notwendig, die ich sehr gerne führe.

BVZ: Welche „Baustellen“ haben Sie nach Amtsantritt übernommen?

Andreas Gradwohl: Altlasten gibt es immer und überall. Natürlich gab es einiges aufzuarbeiten. „Neue Besen kehren anders“ heißt ein altes Sprichwort. Viele Kleinigkeiten konnten wir schon im ersten Jahr beseitigen und lösen. Andere Projekte müssen geplant und koordiniert werden. Eine der wichtigsten Aufgaben wird sein, dass junge Menschen in Sieggraben ein Zuhause finden können. Wir haben den Wohnungsbau vorangetrieben und haben uns als oberstes Ziel gesetzt, dass es endlich Bauplätze, die auch leistbar sind, in der Gemeinde gibt. Dies wurde in der Vergangenheit sträflich vernachlässigt. Auch der Bau eines Feuerwehrhauses war unter Zeiten der ÖVP nicht möglich. Mittlerweile haben wir einen Ausschuss gegründet und arbeiten an dem Projekt „Feuerwehrhaus-Neu“. Die Modernisierung in der Amtsstube und die weitere Öffnung für unsere Bürger war auch ein wichtiger Schritt. Wir wollen für die Menschen da sein.

BVZ: Was macht Ihnen in Ihrem Amt die meiste Freude?

Andreas Gradwohl: Diese Position, dieses Amt, war ein großes Lebensziel – ich durfte es erreichen. Bürgermeister zu sein erfüllt mich mit Freude, Verantwortung und Herzlichkeit. Mit den Menschen und für die Menschen zu arbeiten, ist die schönste Aufgabe, welche ich mir vorstellen kann. Das Team der SPÖ-Sieggraben und das Team der Gemeinde Sieggraben helfen mir hier sehr tatkräftig – dafür sage ich herzlich danke.