Mühsame Arztsuche in Gattendorf. Auch nach der dritten Ausschreibung hat sich noch kein Nachfolger für den Gattendorfer Arzt Klaus Derks gefunden.

Von Paul Haider. Erstellt am 10. Juli 2019 (04:05)
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Schwierig. Für die Kassenarzt-Stelle in Gattendorf gibt es weiterhin keine Bewerber.

Gattendorf ist auf Arztsuche - und zwar schon seit einigen Monaten. Nachdem Dr. Klaus Derks mit Jahresende in Pension gehen wird (die BVZ hat berichtet), ist noch immer kein Nachfolger in Sicht. Die Bewerbungsfrist für die nunmehr dritte Ausschreibung der Kassenarzt-Stelle für Gattendorf ist am 24. Juni abgelaufen.

„Es hat Anfragen und Gespräche gegeben, aber es ist nichts Konkretes daraus geworden“, bedauert Bürgermeister Franz Vihanek (ÖVP) im Gespräch mit der BVZ.

 „Es hat Anfragen und Gespräche gegeben, aber es ist nichts Konkretes daraus geworden.“ Gattendorfs Bürgermeister Franz Vihanek

 Und das, obwohl die Stelle in Gattendorf einige Startvorteile mit sich bringen würde. Zum einen würde Dr. Derks seine voll ausgestattete Praxis zur Verfügung stellen, zum anderen würden Fördergelder von Gemeinde und Land winken. „Natürlich wird es Unterstützung von der Gemeinde geben“, sagt Ortschef Vihanek. Die Höhe der zweckgebundenen Fördersumme von maximal 60.000 Euro würde je nach Anforderungen des jeweiligen Bewerbers festgelegt werden. „Der Jammer ist nur, dass es Gespräche in der Form noch gar nicht gegeben hat“, beklagt der Bürgermeister.

Sollte Gattendorf ohne Kassenarzt bleiben, dann müssten die Patienten von Dr. Derks in andere Ortschaften „pendeln“ - etwa in die Ordination von Dr. Achleitner im Nachbarort Zurndorf. „Das ist für Leute, die mobil sind, natürlich kein Problem. Man muss aber besonders auf die Bevölkerung achten, die nicht mobil ist. Sollte die Stelle bis auf Weiteres unbesetzt bleiben, werden wir uns bemühen, bestmöglich auf die Situation einzugehen. Wir denken in alle Richtungen und suchen auch im Gemeinderat nach Alternativen“, verspricht Franz Vihanek.

Auch Potzneusiedl ist betroffen

Sollte sich kein Nachfolger für die Dorfarzt-Stelle finden, wären gleich zwei Gemeinden betroffen, denn Dr. Derks betreibt eine Zweitordination in Potzneusiedl. Für die kleine Gemeinde an der Grenze zu Niederösterreich wäre es ein schwerer Schlag, wenn künftig kein Arzt mehr im Ort zur Verfügung stehen würde. Im BVZ-Gespräch sagt dazu Bürgermeister Franz Werdenich (ÖVP): „Es wäre wirklich ein Worst-Case-Szenario, wenn wir keinen Arzt mehr in der Ortschaft hätten, und zwar nicht nur für den nicht mobilen Teil der Bevölkerung. Auch wenn Dr. Derks nur zwei Mal in der Woche oder stundenweise in Potzneusiedl war, hat man doch gewusst, dass er im Notfall erreichbar ist.“

Auch in Potzneusiedl macht man sich schon Gedanken über eine mögliche Zukunft ohne Dorfarzt: „Wir hoffen natürlich nach wie vor. Aber für den Ernstfall kann ich mir ein Arzt-Taxi als Lösung durchaus vorstellen“, meint Ortschef Werdenich.

Trotz drei ergebnislosen Ausschreibungen wollen die beiden Gemeinden Gattendorf und Potzneusiedl die Hoffnung noch nicht aufgeben, dass sich doch noch eine Nachfolgerin oder ein Nachfolger für Dr. Derks finden wird. Eine vierte Ausschreibung seitens der Ärztekammer dürfte bald folgen.

Nach seiner Einschätzung gefragt, warum es heutzutage so schwierig ist, Allgemeinmediziner für Ortschaften wie Gattendorf zu finden, meint Bürgermeister Vihanek: „Die Selbstständigkeit als Landarzt ist eine Hürde, die sich ungern wer antut, wenn der Verdienst als Facharzt in einem Spital viel höher ist. Ich glaube, dass es sich um ein strukturelles Problem handelt. Und es dürfte auch ein politisches Problem sein, weil nicht darauf geschaut wurde, dass manche Bereiche erhalten bleiben.“