Die „Wunderbeere“ aus dem Seewinkel. In Illmitz kultivieren Kurt und Michaela Tschida die seltene Aroniabeere.

Von Norbert Aichhorn. Erstellt am 26. Juli 2020 (05:27)
Michaela und Kurt Tschida haben sich ganz der Aroniafrucht verschrieben und erzeugen die verschiedensten Produkte.
Tschida

Sie schmeckt säuerlich-herb, wird oftmals als „Wunderbeere“ oder „Powerbeere“ bezeichnet und sogar in medizinischen Studien als „Medical Food“ eingestuft. Die Rede ist von der Aroniabeere. Ursprünglich aus Nordamerika stammend wird sie seit 2001 auch in Österreich kuliviert. In Illmitz ist die Familie Tschida auf den Geschmack der Aroniabeere gekommen und erzeugt seit 2014 verschiedenste Produkte aus der „Powerbeere“, der etwa krebshemmende, cholesterinsenkende, blutdruckregulierende oder stoffwechselanregende Eigenschaften zugeschrieben werden.

„Eine gehörige Portion Idealismus braucht man dabei schon“, erklärt Kurt Tschida seinen Einsatz für die Kultivierung der Aroniafrucht. Sie wächst auf seinem 5.000 Quadratmeter großen Acker am Rande von Illmitz.

Die Blütezeit ist Anfang April und dauert etwa zwei Wochen, dann ist das Feld voller weißer Blüten. Die Pflanze ist hitze- und kälteunempfindlich, außerordentlich robust und benötigt zum Wachstum keinerlei Chemikalien und Zusatzstoffe. Die Anbauflächen müssen nicht gespritzt werden, da die Sträucher zu 100 Prozent unempfindlich gegen Schädlinge und Krankheiten sind. Es genügt, sie ausreichend zu bewässern.

Mühevolle händische Ernte

So unkompliziert das Wachstum und die Kultivierung auch sind, die Ernte ist mühselige, schweißtreibende Handarbeit. Die schwarzen Beeren werden händisch von den kleinen Stauden geklaubt. Maschinelle Hilfe gibt’s keine. „Erntezeit ist Anfang August“, umreißt Kurt Tschida den Zeitplan, „wir helfen innerhalb der Familie zusammen. Nach ein paar Tagen ist die Ernte eingebracht.

Das Kultivieren der Pflanze ist nur ein Hobby der Familie, das aber mit großer Leidenschaft betrieben wird. Es ist ein willkommener Ausgleich zum stressigen Hauptberuf. Der engagierte 46-Jährige ist am Flughafen Schwechat Projektleiter in der baulichen Instandhaltung, seine Frau Michaela Betreuerin an einer Sonderschule im Seewinkel. Die beiden Kinder des Paares gehen noch zur Schule, helfen aber bei der Ernte mit.

Der „Powerbeere“ Aronia, hier in voller Blüte, wird eine gesundheitsfördernde Wirkung zugeschrieben.
BVZ

„Eine Freundin aus Kroatien hat mir Aroniafrüchte mitgebracht und über die positive Wirkung auf ihre Gesundheit berichtet“, beschreibt Michaela Tschida den ersten Kontakt, „Kurt hat dann ein wenig über Herkunft und Anbaumöglichkeiten der Pflanze nachgeforscht.“

So stand dem Projektstart im November 2014 nichts mehr im Weg. Am familieneigenen Acker wurden 1.800 kleine Sträucher angepflanzt. Zwei bis vier Kilo Früchte sind der durchschnittliche Ertrag pro Pflanze. Als Faustregel gilt, dass zwei Kilo Aroniabeeren ein Liter Fruchtsaft ergeben, der händisch ausgepresst werden muss. „Wirtschaftlich sinnvoll ist das Ganze nur, wenn man mit Hilfe der Familie die Ernte einbringen kann und auch den weiteren Produktionsablauf bis zum Verkauf selber durchführt. Die Einstellung einer eigenen Arbeitskraft rechnet sich bei diesem Ertrag nicht“, beschreibt Kurt Tschida sein wirtschaftliches Credo. Die Früchte werden vielfältig verwertet. Neben dem in kleinen Flaschen abgefüllten Fruchtsaft werden Sirup, Likör, Gelee und Tee hergestellt. Auch Schnaps wurde damit schon gebrannt.

Biozertifizierung im Laufen

„Derzeit befinden wir uns mitten in der Bio-Zertifizierung, weshalb wir unsere Produkte noch nicht als ‚bio‘ bezeichnen dürfen“, skizziert Michaela Tschida den nächsten Entwicklungsschritt, „unser Acker lag vorher jahrzehntelang brach und wurde nie mit Chemikalien behandelt.“ Alles bio von Anfang an.

Verkauft wird ab Hof direkt beim Einfamilienhaus in der Angergasse in Illmitz und am „Markt der Erde“ in Parndorf sowie in Lutzmannsburg. Auch einige Händler haben die Säfte aus dem Hause Tschida in ihrem Programm.

Beim Genussfestival in Donnerskirchen und beim jährlichen Martiniloben im November wird bei einigen Illmitzer Winzern der Aroniasaft angeboten. Wer jetzt auf den Geschmack gekommen ist, findet auf der Homepage www.tschidaronia.at weitere Details.