Arbeitsloser wegen Einmietbetrugs vor Gericht. Ein 55-jähriger arbeitsloser Mann logierte in Pensionen, ohne zu bezahlen. Er muss für ein Jahr ins Gefängnis.

Von Elisabeth Kirchmeir. Erstellt am 14. August 2019 (04:44)
Symbolbild/Bilderbox
Unverschämt. Pensionen in Jois, Podersdorf und Illmitz wurden von dem 55-Jährigen gefoppt.

Er arbeite beim russischen Gasunternehmen Gazprom, erzählte der Pensionsgast großspurig am Frühstückstisch. Der zweite Chef über ihm sei schon Wladimir Putin.

In Wahrheit ist der 55-Jährige arbeitslos. „Wie lange schon?“, wollte Richterin Karin Lückl von dem wegen mehrerer Betrugsdelikte angeklagten Mann wissen.

„Ein halbes Jahr“, antwortete dieser. „Bei der Verlängerung der Untersuchungshaft sagten Sie mir, es seien drei Jahre“, half die Richterin dem Angeklagten auf die Sprünge.

„Eineinhalb, zwei Jahre, vielleicht waren es drei...“, blieb der Notstandshilfeempfänger vage.

Von 20. März bis 4. April 2019 hatte er sich - teilweise unter falschem Namen - in vier Pensionen in Jois, Podersdorf und Illmitz eingemietet, um überraschend wieder abzureisen, ohne die Rechnung für das Zimmer zu bezahlen. Die Keycard oder den Zimmerschlüssel nahm er zum Ärgernis der Pensionsbetreiber stets mit.

„Die Geschichte hat keiner ernstgenommen“

Der Schaden belief sich auf insgesamt mehr als 1.500 Euro - bezahlt hatte der Angeklagte bis zum Tag der Gerichtsverhandlung noch nichts.

Die Geschichte mit Putin sei „ein Tischgelächter gewesen, das hat keiner ernstgenommen“, behauptete er. Wurde er von den Pensionsbetreibern telefonisch oder per SMS zur Rede gestellt, so behauptete der zahlungsunwillige Mieter, er habe überraschend ins Ausland müssen, sei beruflich verreist oder habe sich einer Operation unterziehen müssen. Einmal kündigte er an, sein „Fahrer“ werde den Zimmerschlüssel vorbeibringen.

500 Euro hinterlegte die Schwester des Angeklagten bei dessen Rechtsanwältin. Dieser Betrag wird nun auf drei der geschädigten Pensionen aufgeteilt. Die Betreiber einer weiteren Pension haben die Möglichkeit, den Schadensbetrag durch Exekution einzutreiben.

Der Angeklagte wurde wegen gewerbsmäßigem Betrug zu 15 Monaten Freiheitsstrafe verurteilt, davon fünf Monate unbedingt. Weitere sieben Monate muss er aus einer früheren, bedingt ausgesprochenen Haftstrafe verbüßen.