Neusiedl am See

Erstellt am 13. Juni 2018, 06:12

von Birgit Böhm-Ritter

Bakterienerkrankung „Feuerbrand“ setzt Obstbäumen zu. Die Meldungen häufen sich. Die Kontrollorgane der Landwirtschaftskammer sind bereits überlastet.

Befallen. Die Symptome zeigen sich an den Triebspitzen. Die Blätter werden braun und dürr, die Triebspitzen neigen sich wie ein Bischofsstab. An der Abgrenzung zwischen gesunden und kranken Pflanzenteilen kann Bakterienschleim auftreten.  |  zVg

In der Bezirkshauptstadt und ihrer Nachbargemeinde sind in den vergangenen Tagen einige Fälle von „Feuerbrand“, einer hochinfektiösen und schwer zu bekämpfenden Krankheit von Bäumen, aufgetreten. Laut Alfred Brasch, Bezirksreferent der Landwirtschaftskammer, kommt diese Bakterienkrankheit jedes Jahr vereinzelt in unserer Region vor, die Witterungsbedingungen für das Bakterium dürften in den letzten Wochen aber ideal gewesen sein.

„Die Blätter werden braun und dürr“

In den vergangenen Tagen sind die Telefone im Neusiedler Bezirksreferat der Landwirtschaftskammer jedenfalls heiß gelaufen: „Es sind sehr viele Meldungen eingegangen und sehr viele Leute wollten sich informieren“, sagt Brasch, der im gleichen Atemzug betont: „Nicht jedes dürre Blatt ist ein Anzeichen für Feuerbrand. Manchmal gibt es auch andere Ursachen, wie zum Beispiel Lausbefall.“

Anton Palkowitsch, einer der Kontrollorgane der Landwirtschaftskammer erklärt im BVZ-Gespräch, was es mit dem Feuerbrand auf sich hat: „Es handelt sich um eine Bakterienkrankheit, die aufgrund der heurigen Infektionsbedingungen massiver auftritt. Sie kommt bei Kernobst und Vogelbeere vor, nicht aber bei Steinobst. Die Symptome zeigen sich an den Triebspitzen. Die Blätter werden braun und dürr, die Triebspitzen neigen sich wie ein Bischofsstab. An der Abgrenzung zwischen gesunden und kranken Pflanzenteilen kann Bakterienschleim auftreten.“

Laut Palkowitsch gibt es bislang vor allem in Neusiedl und Weiden am See bestätigte Fälle von Feuerbrand. Ist die Krankheit einmal diagnostiziert, sind sofort Maßnahmen zu ergreifen, wie Anton Palkowitsch schildert: „Je nach Alter der Pflanze muss sie im schlimmsten Fall zur Gänze entfernt werden und an einer geeigneten Stelle verbrannt werden. Was jede Privatperson machen kann, ist, die Pflanze ins gesunde Holz zurückzuschneiden. Dabei ist darauf zu achten, die Schere anschließend zu desinfizieren.“

Meldepflichtige Quarantänekrankheit

Feuerbrand ist eine meldepflichtige Krankheit: Eine Meldung muss bei der Bezirkshauptmannschaft gemacht werden, worauf Kontrollorgane beauftragt werden, eine Probe vom Baum zu nehmen. „Die Probe wird an die AGES geschickt. Bekommt der Baumbesitzer einen Bescheid, dass seine Pflanze betroffen ist, muss er sofort Maßnahmen ergreifen“, erklärt Brasch.

In Neusiedl bedeutet das: Wer einen Bescheid hat, darf sein krankes Schnittgut zur Altstoffsammelstelle bringen, wo es ordnungsgemäß entsorgt wird. Wer allerdings keinen Bescheid hat, bekommt diese Möglichkeit nicht: „Ich wurde mit meinen Ästen wieder nach Hause geschickt und ich war nicht der Einzige“, erzählt Franz Lang. Er wünscht sich von der Gemeinde mehr Aufklärung: „Und zwar nicht nur über Facebook, denn nicht jeder informiert sich über soziale Medien.“

In Weiden am See erfolgt die Entsorgung Unbürokratischer. „Wir haben ein Rundschreiben an jeden Haushalt verschickt. Wer den Verdacht hat, dass sein Baum befallen ist, kann ihn in der Altstoffsammelstelle entsorgen. Nur so kann die Krankheit bekämpft werden“, ist Bürgermeister Wilhelm Schwartz überzeugt.