Musik zu laut: Nachbar zog Waffe. 32-Jähriger aus dem Bezirk Neusiedl hatte Schreckschusspistole bei sich. Er sagte: „Es war eine Fernbedienung!“

Von Elisabeth Kirchmeir. Erstellt am 15. Januar 2020 (04:27)
Täuschend echt. Ein 32-Jähriger hat seinen Nachbar mit einer Schreckschusspistole bedroht.
Symbolbild/Thomas Nühnen

Am 17. Oktober 2019 hörte ein 32-jähriger Mann nach der Arbeit in seiner Wohnung im Bezirk Neusiedl am späteren Abend laut Musik.

Wie schon öfters zuvor, klopfte sein genervter Nachbar bei ihm an.

„Wie kommt es, dass Sie eine Waffe in der Hosentasche hatten, als die Polizei kam?“Die Richterin zum Angeklagten

„Wie immer sagte ich: Dreh‘ die Musi leiser!“, erinnerte sich der 51-jährige Zeuge bei der Befragung vorige Woche vor Gericht. Der Angeklagte habe gefragt: „Is‘ zu laut?“ Dabei habe er eine Pistole in der Hand gehalten, so der Zeuge.

„Ich hatte die Fernbedienung in der Hand!“, widersprach der Angeklagte. Um zu beweisen, wie leicht man diesen Gegenstand mit einer Pistole verwechseln könne, hatte er seine Fernbedienung zum Gerichtstermin mitgebracht.

Richterin Karin Lückl ließ daraufhin jene täuschend echt wirkende Schreckschusspistole beischaffen, die dem Angeklagten am 17. Oktober des Vorjahres abgenommen worden war.

„Wie kommt es, dass Sie eine Waffe in der Hosentasche hatten, als die Polizei kam?“, fragte die Richterin.

„Für Silvester war das“, antwortete der Angeklagte.

„Das war im Oktober!“, erinnerte ihn die Richterin. „Kann es auch eine Fernbedienung gewesen sein?“, fragte die Richterin den als Zeugen einvernommenen Nachbarn. „Nein“, antwortete dieser. „Er hielt die Waffe hinunter. Ich drehte mich um und ging. Eine Verwechslung ist nicht möglich.“

Polizei überlegte, die Cobra zu alarmieren

Die Polizei hatte zunächst vergeblich versucht, den Verdächtigen aus der Wohnung herauszuklopfen, und dachte bereits über einen Cobra-Einsatz nach. „Da öffnete er die Tür. Wir fixierten ihn am Boden. Beim Abtasten bemerkte ich, dass er in einer Hosentasche die Waffe hatte“, berichtete einer der am Einsatz beteiligten Polizisten.

Aufgrund des Gewichts habe die Waffe echt gewirkt.

Bei dem Besitzer der Waffe wurde eine Alkoholisierung von 1,6 Promille festgestellt.

Der Mann wurde wegen gefährlicher Drohung zu einer unbedingten Geldstrafe in der Höhe von 1.500 Euro verurteilt. Die Schreckschusspistole wird eingezogen.

„Es ist kein Grund ersichtlich, warum Ihr Nachbar Sie verleumden sollte“, sagte die Richterin. Sie habe der Version mit der Fernbedienung keinen Glauben geschenkt.

Zuletzt ermahnte sie den Angeklagten, der das Urteil annahm: „Wenn Sie bei dem Polizeieinsatz die Waffe in der Hand gehabt hätten, dann hätten die Beamten Sie vielleicht erschossen!“