Süd-Nord-Gefälle beim Impfen. 66 Prozent der Bevölkerung im Neusiedler Bezirk sind zumindest ein Mal geimpft.

Von Birgit Böhm-Ritter. Erstellt am 05. August 2021 (05:01)

Impfmeister im Neusiedler Bezirk sind die Podersdorfer und Tadtener. Rund 70 Prozent der Bevölkerung haben bereits den zweiten Stich hinter sich, beziehungsweise sind vollimunisiert.

Generell ist ein Süd-Nord-Gefälle im Neusiedler Bezirk aus den Impfdaten herauszulesen. Die südlichen Gemeinden wie etwa Andau, Pamhagen, Wallern oder auch Illmitz und Halbturn verzeichnen hohe Impfraten. Geht man Richtung Norden, lässt die Impfmoral etwas nach.

Die BVZ hat Podersdorfs Bürgermeisterin Michaela Wohlfart (ÖVP) um eine Einschätzung gebeten, warum denn gerade in ihrer Gemeinde ein so hohes Interesse an der Corona-Impfung zu beobachten sei. Sie habe eine Vermutung, keine Erklärung: Es gebe ein sehr niederschwelliges Impfangebot bei der Gemeindeärztin. Außerdem sei Podersdorf die größte Tourismusgemeinde: „Es sind viele Menschen im Ort, vielleicht sind die Podersdorfer deswegen noch mehr auf Sicherheit bedacht.“ Wohlfart lässt aber mit einer weiteren Vermutung aufhorchen: Die hohe Impfrate in der Gemeinde könnte auch mit einem einschneidenden Moment am Beginn der Pandemie zu tun haben, denn unter den ersten Corona-Opfern des Burgenlandes waren gleich zwei Podersdorfer. „Darunter auch eine sehr agile und eigentlich gesunde Person“, denkt Wohlfahrt zurück an das Frühjahr 2020.

Auffallend im Ranking sind die Gemeinden Kittsee und Parndorf. Im Vergleich zum Bezirksdurchschnitt sind die Raten der vollimunisierten Personen mit 38,18 beziehungsweise 45,56 Prozent doch sehr niedrig. Über die Gründe will sich Kittsees Bürgermeister Johannes Hornek (ÖVP) nicht äußern: Es fehle ihm eine fundierte Datenlage. Selbst kenne er aber niemanden, der nicht geimpft ist.

Die Vermutung liegt nahe, dass in der Grenzgemeinde nicht alle Geimpften in der österreichischen Datenbank aufscheinen. Viele Slowaken haben ihren Hauptwohnsitz zwar in Kittsee, nutzen aber das Impfangebot im Nachbarland.

Parndorfs Bürgermeister Wolfgang Kovacs vermutet noch andere Gründe, die auf beide Gemeinden zutreffen könnten. „Ich sehe zwei Ähnlichkeiten. Zum einen sind Parndorf und Kittsee Zuzugsgemeinden. Gerade junge Familien habe sich hier sesshaft gemacht. Die Altersstruktur unterscheidet sich von den anderen Gemeinden wesentlich und die Impfbereitschaft ist bei der jüngeren Bevölkerung überall niedriger.“ Zum anderen sei der Anteil an Nicht-Österreichern höher. Zu einer ohnehin vohandenen Unsicherheit könnten noch kleine Sprachprobleme hinzu kommen. Kovacs hofft jedenfalls, dass zusätzliche Impftermine bei der Gemeindeärztin der Impfrate in der Gemeinde einen Schub geben werden.