„Von der Hoad“: Mit den Rindern im Einklang. Unter dem Namen „Von der Hoad – Seewinkler Biorind“ vermarktet die Illmitzer Familie ihre Produkte. Der BVZ gab sie einen Einblick in ihre Philosophie.

Von Norbert Aichhorn. Erstellt am 05. Juli 2020 (05:58)
Von allen geliebt. Die 29 Monate alte Kalbin „Flocke“ mit Mario und Christina Fleischhacker sowie den Mädchen Laetitia, Juna und Rosalia.
Nicole Achs

Regional Einkaufen ist schon längst ein Trend, der in Krisenzeiten wie diesen noch verstärkt wird. Wer in Illmitz bei der Familie Fleischhacker einkauft, der weiß tatsächlich, woher das Fleisch auf seinem Teller stammt.

Mario und Christina Fleischhacker sind engagierte Biolandwirte und züchten Limousin-Rinder: eine Rasse, die ursprünglich aus Frankreich stammt und seit mehr als 300 Jahren in Österreich heimisch ist. Die klimatischen Bedingungen im Seewinkel entsprechen jenen aus dem Herkunftsland.

Bestens behütete Rinder

Die Rinder zeichnen sich durch ihre hervorragende Fleischqualität aus. Das liegt wohl nicht nur an der besonderen Rasse, sondern auch an dem liebevollen Umgang der jungen Biobauern mit ihren Tieren.

Wer noch einen echten Rinderhüter bei der Arbeit sehen will, kann das auf den familieneigenen Weiden täglich erleben.

Von Anfang Mai bis Ende Oktober wird die einige Dutzend Rinder umfassende Herde im Freien gehalten. In der kalten Jahreszeit leben sie in einem großen Freilaufstall.

Dort ist die ständige Wasser- und Futterzufuhr sichergestellt. Somit wird der Fress- und Verdauungsprozess nicht unterbrochen, was die Fleischqualität weiter steigert.

Christina und Mario entscheiden alles gemeinsam, binden aber auch Marios Vater Johann in die Entscheidungsfindung ein. Auf seine jahrzehntelange Erfahrung in der Rinderzucht wollen sie nicht verzichten.

Mario Fleischhacker führt den Hof bereits in dritter Generation: „Begonnen hat alles mit meinem Großvater Johann Fleischhacker. Er begann vor mehreren Jahrzehnten mit der Rinderzucht.“

Diese bekam durch den 1990 beginnenden Aufbau des Nationalparks Neusiedler See Auftrieb. Damals wurde festgelegt, dass zwei Viehherden für die nachhaltige und schonende Beweidung der Illmitzer Wiesen installiert werden sollten. Eine dieser Weiden übernahm zu diesem Zeitpunkt Marios Vater Johann zur Bewirtschaftung. 2000 begann die Selbstvermarktung unter dem Titel „Biorind Fleischhacker“ bereits unter tatkräftiger Mithilfe von Sohn Mario, der 2014 mit seiner Gattin Christina den Betrieb übernahm und ihn weiter ausbaute.

Artgerechte Haltung

Die Muttertiere werden bis zu 18 Jahre alt und kalben fast jährlich. Am Biohof Fleischhacker werden nur jene Kalbinnen geschlachtet, die noch nicht geworfen haben.

„Der Transport zum nahegelegenen Bio-Schlachthof unseres Vertrauens findet bereits einen Tag vor der Schlachtung statt, damit unsere Tiere noch eine letzte ruhige Nacht verbringen können“, beschreibt Christina Fleischhacker den Ablauf, „die Schlachtung am nächsten Tag verläuft ohne Hektik und möglichst stressfrei für die Tiere.“ Nach einer Woche „Abhängen“ werden die Rinder dann gemeinsam mit dem Schlachtmeister zerlegt und in vorbestellte Pakete verpackt.

Abgeholt werden die Bestellungen von den Kunden immer am Samstag im hauseigenen Ab-Hof-Verkauf am Feldsee in Illmitz. Dort steht das schmucke Einfamilienhaus der Familie.

„Wir verkaufen nur an Privatkunden“, beschreibt Mario Fleischhacker die Firmenphilosophie, „gerade in der Corona-Krise haben wir verstärkte Nachfrage nach unserem hochwertigen Biofleisch gespürt.“ Nachsatz: „Zustände wie jüngst in norddeutschen Schlachthöfen aufgedeckt sind bei uns undenkbar.“

Auch die Futtermittel werden selbst erzeugt und stammen alle aus der Region. Damit bleibt auch die Wertschöpfungskette im Land. „Wir leben mit unseren Tieren im Einklang“, beschreibt Mario Fleischhacker seine Philosophie, „wenn ich mit meiner Familie zur Herde gehe, laufen sie nicht weg, sondern sie lassen sich streicheln und anfassen, ohne aggressiv zu werden.“

Das gefällt vor allem seinen drei Töchtern, die ganz selbstverständlich mit den Tieren aufwachsen. „Alle drei sind noch im Kindergartenalter und bringen täglich viel Schwung in die Familie“, erzählt Christina Fleischhacker aus dem Familienalltag.

Für Kontinuität scheint jetzt schon gesorgt zu sein, denn ihre älteste Tochter Laetitia liebt Tiere und möchte Tierärztin werden.