Gattendorf schnallt den Gürtel enger. Die Gemeinde Gattendorf erlaubt sich 2021 finanziell keine großen Sprünge; einige Infrastrukturprojekte werden aber umgesetzt.

Von Paul Haider. Erstellt am 16. Januar 2021 (03:25)
Bürgermeister Franz Vihanek: „Sämtliche Ausgaben werden auf ein Minimum reduziert.“
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Die Covid-Pandemie macht vielen burgenländischen Gemeinden auch finanziell zu schaffen, und Gattendorf bildet dabei keine Ausnahme.

Die Gemeinde ist einnahmenseitig stark von Ertragsanteilen des Bundes abhängig, welche im Zuge der Krise gekürzt wurden. Mit einem Gesamtvolumen von rund 2,3 Millionen Euro wirtschaftet Gattendorf heuer mit einem Sparbudget, wie Bürgermeister Franz Vihanek (ÖVP) im BVZ-Gespräch ausführt: „Wir haben sämtliche Ausgaben auf ein Minimum reduziert, bis auf Projekte, die schon am Laufen sind. Wir sind außerdem bestrebt, das Gemeindepaket vom Bund auszuschöpfen, denn dieses Geld kann man nicht liegen lassen.“ Konkret sollen 2021 die Gehsteige entlang der Bundesstraße erneuert und der Hauptplatz saniert werden. Die Kosten beziffert Bürgermeister Vihanek mit zirka 260.000 Euro – die Hälfte davon soll aus dem Fördertopf des Bundes für Gemeindeprojekte kommen.

Weitere 50.000 Euro werden in die Straßenbeleuchtung investiert und ein Pumpwerk wird für zirka 25.000 Euro saniert.

Abfallentsorgung: Gebühr wird erhöht

Auf die Gattendorfer Haushalte kommt 2021 auch eine Gebührenerhöhung zu: Die Abfallgebühr wird pro Quartal und Haushalt von neun auf zwölf Euro erhöht. Dies sei laut Bürgermeister Vihanek notwendig, um die Abfallentsorgung kostendeckend durchführen zu können.

Vize Robert Kovacs: Die SPÖ trägt das Budget 2021 mit, kritisiert aber den mittelfristigen Finanzplan.
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Das Gattendorfer Budget 2021 wurde bereits mehrheitlich im Gemeinderat beschlossen – auch die SPÖ-Fraktion von Vizebürgermeister Robert Kovacs stimmte zu. Keine Zustimmung gab es allerdings für den mittelfristigen Finanzplan – hier vermisst der Vize-Ortschef Zukunftsperspektiven, wie er gegenüber der BVZ wissen lässt: „Das Defizit wird mit den Rücklagen kompensiert und für 2021 bleibt uns auch nichts anderes übrig. Aber wenn es in dieser Dimension weitergeht, dann schaut es nicht gut aus, denn das Familiensilber wird immer weniger. Auf lange Sicht muss man sich über die Einnahmen-Ausgabenschere Gedanken machen, da sind wir alle gefordert.“

Keine Zustimmung zum Budget von LIGA

Reinhard Reiter, Gemeinderat der Liste Gattendorf (LIGA), hat weder dem mittelfristigen Finanzplan noch dem Budget 2021 zugestimmt. Er hat bereits im Gemeinderatswahlkampf 2017 vor einem „finanziellen Tschernobyl“, das Gattendorf drohe, gewarnt.

Kritik von Reinhard Reiter (LIGA): Für ihn sind unter anderem die Personalkosten der Gemeinde zu hinterfragen.
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Er sieht sich in seiner damaligen düsteren Prognose nun bestätigt. Gegenüber der BVZ übt er unter anderem Kritik an der Erhöhung der Müllgebühren: „Mein Lösungsansatz wäre nicht, Gebühren zu erhöhen, sondern zu sparen. Denn Sparpotenzial hätten wir genug. Unter anderem wären die Personalkosten der Gemeinde zu hinterfragen. Dieser Punkt wird im Gemeindevorstand im Moment aber tabumäßig behandelt. Es gibt Lösungen, aber es traut sich keiner drüber“, so Reiter.