Bayrischer Ortschef: „Österreich ist uns Tage voraus“. Der Bürgermeister von Geretsried (Bayern) Michael Müller orientiert sich an der Vorgehensweise des Ortschefs seiner Partnergemeinde, Nickelsdorfs Gerhard Zapfl.

Von Saskia Jahn. Erstellt am 27. März 2020 (06:07)
Teamwork über Grenzen. Gerhard Zapfl und Michael Müller.
BVZ

Die beiden Partnergemeinden Nickelsdorf und Geretsried (Bayern) verbindet vor allem eine freundschaftliche Beziehung. Auch in Krisenzeiten setzen die beiden Bürgermeister auf Kommunikation und Zusammenhalt.

„Österreich ist uns ein paar Tage voraus. Ich wusste, unsere Partnergemeinde muss sich gerade mit ähnlichen Umständen auseinandersetzen, also habe ich Gerhard angerufen, um mich mit ihm über die derzeitige Krisensituation auszutauschen. Eine der vielen Fragen an ihn war, wie er die Schließung des Gemeindeamtes organisierte. Vor allem ich in Geretsried orientiere mich auf jeden Fall an Österreich, insbesondere an Nickelsdorf. Vieles habe ich genau so umgesetzt, andere Maßnahmen musste ich an unsere Einwohnerzahl anpassen“, erklärt Müller.

Geretsried ist ein Teil der Metropolregion München und mit ungefähr 26.000 Einwohnern die größte Stadt im Landkreis.

Seit vergangener Woche herrsche auch hier Ausnahmezustand und viele Maßnahmen beschränken den Alltag der Menschen auf ein Minimum. „Alle Läden, die nicht zur Grundversorgung beitragen, wurden bereits geschlossen. Gaststätten haben nur mittags bis 15 Uhr geöffnet. Jeder muss den Sicherheitsabstand von eineinhalb Meter einhalten und soziale Kontakte sind nur noch innerhalb eines Haushaltes erlaubt“, informiert der oberbayerische Bürgermeister im BVZ-Gespräch.

In erster Linie müsse Michael Müller das Projekt „Nachbarschaftshilfe“ an die Geretsrieder Einwohnerzahl anpassen. „Wir haben hier eine ganz andere Anonymität innerhalb der Bevölkerung. Gerhard erklärte mir das Konzept der Nachbarschaftshilfe speziell bei ihm in Nickelsdorf, damit ich es in adaptierter Form in Geretsried umsetzen kann. Ich habe nun vor, die jeweiligen Ortsteile zu regionalisieren, um ein ähnliches Netzwerk aufbauen zu können.“

Eine besondere Herausforderung stelle die Asylbewerberunterkunft dar, in der zurzeit 165 Personen untergebracht sind. Vor ein paar Tagen wurde hier ein Bewohner positiv auf Corona getestet. Er befinde sich zurzeit außerhalb der zentralen Unterkunft in häuslicher Quarantäne. „Die Versorgung vor Ort ist gewährleistet, ich befürchte nur, da bahnen sich Einzelschicksale an“, zeigt sich Müller besorgt.