Parndorf und Neusiedl werden zur Testregion. Welche Auswirkungen haben Öffnungsschritte auf das Infektionsgeschehen? Die Antwort wird in den beiden Gemeinden gesucht.

Von Birgit Böhm-Ritter und Paul Haider. Erstellt am 14. April 2021 (11:30)
Spucken ist angesagt. Statt der „Nasenbohrertests“ kommen die angenehmeren „Spucktests“in der Testregion Neusiedl/Parndorf zum Einsatz.
 
Birgit Böhm-Ritter

Die beiden Nachbargemeinden werden zur „Testregion“ in der Pandemie. Und zwar gleich in zweifachem Wortsinn: Hier soll die Bevölkerung künftig besonders viel und regelmäßig auf Covid-19 getestet werden. Darüber hinaus will man in Neusiedl und Parndorf testen, wie sich das Lockern von Corona-Maßnahmen auf Infektionszahlen, Reproduktionswerte und folglich auf die Auslastung von Spitälern im Land auswirke.

Wissenschaftliche Studie von Umweltmediziner Hutter

Wissenschaftlich begleitet wird das Projekt von Umweltmediziner Hans-Peter Hutter, Wissenschaftler der Medizinischen Universität Wien. Er ist mittlerweile nicht nur für seine Einschätzungen der Lage bekannt, sondern auch für seine farbenfrohen Hemden, die er bei TV-Interviews gerne trägt.

Ziel ist es, in Neusiedl am See und Parndorf so viele Menschen wie möglich zwei Mal wöchentlich zu testen, um ein umfassendes und aktuelles Lagebild erstellen zu können. Angesprochen sind nahezu alle Personen, auch jene die bereits geimpft wurden, einen Antikörper-Status haben oder bereits eine Covid-19-Infektion hinter sich haben.

Die Gemeinden sorgen dabei für die benötigte Infrastruktur, sodass ein umfangreiches und leicht zugängliches Testangebot zur Verfügung steht. Die Testungen will man dabei so einfach und angenehm wie möglich gestalten, darum wird der aus der burgenländischen „Oster-Aktion“ bekannte Spucktest eingesetzt. Diese sollen in Zukunft auch als „Eintrittstests“ für Handel, Dienstleister und Gastronomie gelten.

„Es ist wichtig, Perspektiven zu bieten und nachhaltige Konzepte für eine sichere Öffnung im Burgenland zu schaffen“, sind sich Neusiedls Bürgermeisterin Elisabeth Böhm (SPÖ), Parndorfs Bürgermeister Wolfgang Kovacs (LIPA) und Landeshauptmann Hans Peter Doskozil (SPÖ) einig.

Region aufgrund Größe und Struktur prädestiniert

Für Parndorfs Bürgermeister Wolfgang Kovacs (LIPA) war die Nachricht, dass Neusiedl am See und Parndorf gemeinsam zur „Teststadt“ werden, eine große Überraschung. Noch vorige Woche stand man im Dorf vor der Herausforderung, einen Cluster einzudämmen – es gab über 50 neue Quarantäne-Fälle in Parndorf.

Bürgermeisterin Elisabeth Böhm und Bürgermeister Wolfgang Kovacs appellieren an die Bevölkerung zahlreich an den Tests teilzunehmen.
privat

„Als ich am Montag beim Landeshauptmann geladen war, habe ich eher befürchtet, dass wir zugesperrt werden wie Wiener Neustadt“, erzählt der Ortschef der BVZ. Umso überraschender sei es gewesen, dass nun das Gegenteil der Fall ist. „Wir sind dazu ein bisschen wie die Jungfrau zum Kind gekommen, weil man für die Studie eine gewisse Größe braucht. Fachleute sagen, dass man 10.000 Einwohner und Schnittstellen zur Wirtschaft und zum Tourismus benötigt. Da bieten sich Parndorf und Neusiedl an, mit gemeinsam 14.000 Einwohnern, einer Unmenge von Arbeitsplätzen und Tourismus.“

Für die Dauer der Tests werden in den beiden Gemeinden jeweils fixe Teststation eingerichtet: in Neusiedl in der Veranstaltungshalle, in Parndorf im Pfarrheim und voraussichtlich am Sportplatz. Das Test-Personal wird vom Land organisiert.

Appell an Bevölkerung zur regen Teilnahme

Bürgermeisterin Böhm appelliert jedenfalls an die Neusiedler Bevölkerungen, zahlreich an den Tests teilzunehmen und die Möglichkeit als Chance zu sehen, raschere Öffnungsschritte zu setzen: „Für die Wissenschaft ist es wichtig, dass viele Personen teilnehmen. Nur so kann eine seriöse Studie erstellt werden.“ In die gleiche Kerbe schlägt Parndorfs Bürgermeister Kovacs: Als Gemeinde wolle man aktiv dabei mithelfen, viele Leute zu motivieren, bei der Studie mitzumachen – schon heute werde mit der Verteilung der Info-Flugblätter an die Haushalte begonnen. Das vom Land anvisierte Ziel, dass jeder Einwohner der „Teststadt“ zwei Mal pro Woche zum Testen gehe, halte Bürgermeister Kovacs zwar für sehr optimistisch, aber er versichert: „Wir versuchen zu mobilisieren. Meine Einschätzung ist, dass man die Leute zu den Spucktests eher motivieren kann als zu den Hals/Nasen-Abstrichen.“

Umweltmediziner Hans-Peter Hutter
Wolfgang Millendorfer

Umweltmediziner Hans-Peter Hutter erklärt, erstmals gebe es nun die Möglichkeit, den Übergang vom Lockdown zu Öffnungsschritten zu untersuchen: „Mit niederschwelligen Tests wollen wir eine Vollerhebung erreichen – je mehr Menschen mitmachen, umso besser zeichnet sich das epidemiologische Bild. Der Bevölkerung soll daher auch gesagt sein: ‚Sie sind Pioniere! Wenn ihr mitmacht, könnt ihr direkt etwas dazu beitragen wie mit der Pandemie in Zukunft umzugehen sein wird und wie es künftig auch wieder mehr Freiheiten oder eine Art Normalität geben kann.‘“