„Ich hatte einen riesengroßen Schutzengel“. Eine a-typische und daher lange unerkannte Covid19-Infektion endete für einen Großbetriebsprüfer der Finanz für die Ostregion mit einer Lungenembolie: Das Virus hatte Gefäße im Wadenbereich geschädigt und eine Thrombose ausgelöst. Eine Gefahr, die derzeit zwar in Facharztkreisen, aber in der Öffentlichkeit nur wenig bekannt sei, wie dem Niederösterreicher mit Zweitwohnsitz in Illmitz gesagt wurde - mit seiner Geschichte will er nun sensibilisieren.

Von Alexandra Gollubics-Prath. Erstellt am 17. April 2020 (15:15)
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Covid19-Patient: „Ich hatte einen riesengroßen Schutzengel“
Dem heutigen Geburtstagskind geht es mittlerweile wieder gut.
privat

Sein 46. Geburtstag am heutigen Freitag ist für Stefan Franz kein Geburtstag wie jeder andere – hinter ihm liegt eine mehrwöchige, „komische“ Covid19- Erkrankung mit ernstem Verlauf. In Spitalsbehandlung befindet sich der zweifache Familienvater seit nunmehr zehn Tagen - mittlerweile gehe es ihm wieder gut, sagt er: „Die Lunge arbeitet wieder, ich verspüre keine Nebenwirkungen, bin de facto gesund und darf hoffentlich bald nach Hause.“

 Künftig werde er wohl auch einen zweiten Geburtstag begehen, so Franz, nämlich den 7. April, - den Tag, an dem er bei seiner Spitalseinlieferung „eine lebensrettende Anti-Thrombose-Spritze“ bekam.

A-typischer Krankheitsbeginn und großer Gewichtsverlust

Begonnen hatte alles rund drei Wochen davor. Der studierte Betriebswirt befand sich bereits im Home-Office, als er auf einmal den Verlust seinen Geschmacks- und Geruchsinns bemerkte: „Ich hatte so einen metallischen Geschmack im Mund.“ Dazu kamen Appetitlosigkeit, starke Kopfschmerzen und „totale Ermattung.“ Die typischen Covid19-Symptome wie Fieber, Halsweh, Husten oder Atembeschwerden traten bei Franz, der auch keine Vorerkrankungen aufwies,  hingegen nicht auf. Bis Ende des Monats lag er eigenen Angaben zufolge „wie tot“ zu Hause im Bett und verlor rund elf Kilogramm an Gewicht. Als schließlich noch Brechdurchfall dazukam, verständigte seine Frau die Rettung. „Seitens ‚1450‘ hatte es anhand der atypischen Symptome ‚kein Covid‘ geheißen“, erinnert sich Franz, für die Rettung schien ein Magen-Darm-Virus nahe zu liegen.

Wenig später war der Mittvierziger auch tatsächlich auf dem Weg der Besserung: „Ich hatte keine Symptome mehr, Geschmacks- und Geruchssinn wie auch Appetit waren wieder zurück.“ Franz unternahm mit seinen Söhnen Spaziergänge im Wald. Bald danach fiel ihm jedoch auf, dass seine rechte Wade deutlich größer als die linke war: „Es setzte dann auch ein Schmerz im Bereich der Hüfte beziehungsweise des Hinterns ein - ich dachte an einen Muskelkater.“ Was er noch nicht wusste: Das Virus hatte Gefäße im Wadenbereich geschädigt, wodurch erhöhte Blutverdickungsgefahr bestand - es kam zur Thrombose, die sich in der Folge löste, den Fuß hinauf wanderte und eine Lungenembolie auslöste.

Nach scheinbarer Genesung massive Atemnot

Als bei Franz Schwindel und „massive Atemnot“ einsetzte, wurde er als Corona-Verdachtsfall von der Rettung in die Rudolfstiftung gebracht. Dass er tatsächlich Covid19-positiv war, erfuhr der Patient drei Tage nach dem erfolgten Abstrich – er wurde dann auch gleich ins Kaiser Franz Josef-Spital überstellt: „Ich habe nach wie vor keine Ahnung, wo ich mich angesteckt haben könnte.“ Seine Angehörigen wurden sofort unter Quarantäne gestellt. Der 13-Jährige wurde als schwach abklingend positiv getestet, die Gattin sowie der 15-Jährige waren negativ.

Franz selbst bekam blutverdünnende Mittel verabreicht, wurde über einer sogenannten Sauerstoffbrille mit Sauerstoff versorgt und durfte keinesfalls aufstehen: „Es hätte die Gefahr bestanden, dass sich die Thrombose löst und es zu einem Herzinfarkt oder Hirnschlag kommt.“ Der Heilungsverlauf selbst sei „absolut schmerzfrei“, die Betreuung durch Ärzte und Personal „aufopfernd und perfekt organisiert“ gewesen, so Franz.

Noch vom Spital aus möchte sich Franz nun vor allem eindringlich an jene wenden, die „eine a-typischen Erkrankung, keine Testung, aber eine dickere Wade wie ich haben – lasst euch unbedingt untersuchen! Dass Covid19 Gefäße im Wadenbereich schädigt und dadurch erhöhtes Thromboserisiko besteht, ist außerhalb der Fachärzteschaft noch zu wenig bekannt. Eine Antithrombosespritze kann Leben retten!“