Frauenkirchner Vermieter: „Mir war klar, dass Hanf angebaut wird“

Erstellt am 19. November 2022 | 05:13
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776 Cannabispflanzen stellte die Polizei in Frauenkirchen sicher.
Foto: shutterstock/Dmytro Tyshchenko
In Frauenkirchen wurde in einer Halle im großen Stil Cannabis produziert. Jetzt steht der Mieter der Halle vor Gericht.

„Mir war schon klar, dass da Hanf angebaut wird“, sagte der Vermieter jener Halle, in der von Juni 2021 bis Mai 2022 zumindest 45 Kilo Cannabisblüten geerntet worden sein sollen. 776 knapp vor der Reife stehende Cannabispflanzen stellte die Polizei bei der Hausdurchsuchung im Mai 2022 sicher. Angeklagt wurde ein 32-jähriger gebürtiger Syrer, dem vorgeworfen wird, gemeinsam mit anderen Tätern in Frauenkirchen im großen Stil Cannabis erzeugt zu haben.

„Mein Mandant versuchte, auf legalem Weg mit Cannabis Geld zu verdienen“, sagte der Verteidiger des Angeklagten. Der 32-Jährige habe einen Shop für legales Cannabidiol (CBD) betreiben wollen.

Dann sei er aber mit „gefährlichen Leuten“ in Kontakt gekommen und habe sich „breitschlagen lassen“, den Mietvertrag für die Halle in Frauenkirchen zu unterschreiben. Dass dort THC-haltiges Cannabis kultiviert wurde, habe der Angeklagte nicht mitbekommen.

Der Angeklagte bekannte sich nicht schuldig. Er habe die Halle um 1000 Euro gemietet und um 2000 Euro weitervermietet.

Richterin Melanie Gschiel hielt dem Angeklagten vor, dass auf seinen Namen ein Energieliefervertrag mit der Energie Burgenland und ein Vertrag mit dem Wasserleitungsverband Nördliches Burgenland abgeschlossen worden sei. „Vielleicht war es nur der Vertrag, keine Ahnung“, konnte der Angeklagte dazu keine klare Begründung liefern.

Rund ein Kilo Cannabiskraut war bei ihm in seiner Wiener Wohnung gefunden worden. „Die Wohnung war zu renovieren“, suchte der Angeklagte nach Ausflüchten. „Da waren ja Familienfotos“, hielt die Richterin dieser Behauptung entgegen. Dann wiederum erzählte der Angeklagte, dass er durch „Pressen“ THC-haltiges illegales Cannabiskraut in legales CBD-Kraut verwandeln könne.

„Von illegal zu legal? Einfach durch Pressen?“

„Das glauben Sie?“, wunderte sich die Richterin. „Von illegal zu legal? Einfach durch Pressen?“

Bei seiner Verhaftung am 30. Juni 2022 trug der Angeklagte 18,6 Gramm Cannabisharz bei sich. „Ich habe es in einem CBD Shop gekauft“, erklärte der Angeklagte. „Ich habe ein Zertifikat, das bestätigt, dass es legal ist.“

Der 74-jährige Vermieter der Halle erzählte, dass er schon von früheren Mietern betrogen worden sei: Anstatt eines Architekturbüros sei in seiner Halle ein „Gärtnereibetrieb“ entstanden. „Irgendwann kam die Polizei und räumte das Geschäft“, sagte der Vermieter.

Dann habe er den neuen Mietvertrag mit dem Angeklagten abgeschlossen. Zur Sicherheit habe er im Vertrag festgehalten, dass „nichts Illegales gemacht wird“, so der Vermieter, sondern nur „legales medizinisches Cannabis produziert wird“. Der Angeklagte habe ihm erzählt, so der Vermieter, dass die in der Halle hergestellten Produkte „an die Pharmaindustrie“ verkauft würden.

„Warum gingen Sie davon aus, dass es sich beim nächsten Mal mit anderen Personen nicht auch um illegale Pflanzen handelt?“, wunderte sich die Staatsanwältin.

Einer der Beteiligten habe ihm versichert, so der Vermieter, dass es „nur CBD-Pflanzen“ seien. „Sie waren also ein weiteres Mal blauäugig?“, fragte die Staatsanwältin.

„Kann man so sagen“, meinte der Zeuge.

Von der Miete seien 14.000 Euro offen, sagte der Vermieter. Er überreichte dem Angeklagten im Gerichtssaal die Kündigung des Mietvertrages. Der Prozess wurde vertagt.