Neusiedl: Kultlokal „Bergwerk“ sperrt nach 18 Jahren zu. Das Neusiedler Szene-Lokal sperrt am 29. Feber, nach 18 Jahren, für immer zu.

Von Paul Haider. Erstellt am 11. Dezember 2019 (06:09)
„Die Zeiten haben sich geändert“. Doris Hain (re.) hat das Bergwerk fast 17 Jahre lang geführt, im Vorjahr hat ihre Tochter Carina die Geschäftsführung übernommen. Beide haben sich neue Standbeine aufgebaut.
Pia Reiter

Es ist ein schwerer Schlag für das Nachtleben in der Bezirkshauptstadt: Im „Bergwerk“ in der Kellergasse wird am 29. Feber 2020 die letzte Party gefeiert. 18 Jahre nachdem Doris Hain das Lokal eröffnet hat, zieht ihre Tochter, die jetzige Geschäftsführerin Carina Hain, einen Schlussstrich.

Aufbruch zu neuen Ufern: Das Bergwerk-Team mit Harry Tschida, Carina und Doris Hain und Jörg Gebauer widmet sich jetzt neuen Aufgaben. Foto: zVg
zVg

Doris, Carina und Bergwerk-Eigentümer Jörg Gebauer haben im Gespräch mit der BVZ die Gründe für das Aus erklärt: Das Geschäft sei schon seit einigen Jahren nicht mehr so gelaufen, wie es früher einmal war.

Das Rauchverbot habe die Situation für das Bergwerk nochmals drastisch verschlechtert: „Die Parties haben draußen vor der Tür stattgefunden, wo die Leute ihre eigenen mitgebrachten Getränke konsumiert haben. Da ist es vorprogrammiert, dass wir in Zukunft mit den Anrainern Probleme kriegen werden“, erklärt Eigentümer Jörg Gebauer.

Die langjährige Geschäftsführerin Doris Hain ergänzt: „Den Gedanken, zuzusperren, gibt es schon seit über einem Jahr. Das Ausgehverhalten der Jugend hat sich sehr stark geändert. Die Festivalsaison dauert jetzt schon bis zu sechs Monate und externe Partyveranstalter machen es den Gastronomen extrem schwer.“

Bergwerk-Bühne war Sprungbrett für Stars

Das Bergwerk hat sich vor allem als Location für DJ-Events und Livekonzerte junger Bands einen Namen gemacht. Viele spätere Größen der österreichischen Musikszene haben hier gespielt, als sie noch weniger bekannt waren. „Bilderbuch“, „Ja, Panik“, „Mondscheiner“, „Moneyboy“ und „Russkaja“ sind auf der Bergwerk-Bühne aufgetreten – genauso wie hunderte Nachwuchs-Bands aus dem Burgenland, für die ein Auftritt im Bergwerk oftmals die erste Chance war, sich einem größeren Publikum zu präsentieren.

Nach einem persönlichen Highlight aus 18 Jahren Bergwerk gefragt, nennt Doris Hain ein Konzert mit „Mono und Nikitamann“.

Nachweinen wird die langjährige Chefin ihrem Lokal trotzdem nicht: „Natürlich erinnert man sich gerne zurück. Es war eine spannende Zeit, aber die Zeiten haben sich geändert. Es ist Zeit geworden für was Neues“, meint Doris.

„Es war eine spannende Zeit, aber die Zeiten haben sich geändert. Es ist Zeit geworden für was Neues.“Bergwerk-Langzeitchefin Doris Hain widmet sich heute neuen Herausforderungen.

Sie hat sich mittlerweile ein neues Geschäft mit ihrem Lebensgefährten Jörg Gebauer aufgebaut: „Jörg’s Punschhütte“ ist seit Jahren einer der beliebtesten Stände am Wiener Adventmarkt am Karlsplatz. Das Weihnachtsgeschäft, mit allen Vorbereitungen, hält die beiden monatelang auf Trab. Den Rest des Jahres verbringen Doris und Jörg auf Reisen.

Und auch „Juniorchefin“ Carina Hain hat schon seit Längerem ein zweites Standbein. Mit ihrem Foodtruck „Seewinkler Genusswerkstatt“ ist sie von Frühling bis Herbst auf diversen Großveranstaltungen unterwegs. „Es ist schwierig, da nebenbei noch ein Lokal zu führen. Ich will mich lieber einer Sache zu 100 Prozent widmen“, erklärt Carina. „Stillstand ist nicht unser Motto. Wir versuchen, etwas Neues zu machen und verlagern unsere Energie in neue Aufgaben“, blicken Doris und Carina Hain positiv in die Zukunft.

Kein neuer Pächter gesucht

Ein neuer Pächter für das Bergwerk wird derzeit nicht gesucht. Jörg Gebauer will die Räumlichkeiten künftig als Lager für sein Unternehmen nutzen.

Wer überlegt, ein neues Nachtlokal in Neusiedl zu eröffnen, für den hat das Gastro-Urgestein Jörg noch einen Tipp parat: „Heutzutage musst du ganz neue Konzepte fahren. Du musst innovativ sein und du musst sehr viel Zeit, Herzblut und Energie reinstecken, bis man ein Lokal zum Laufen bringt. Und zwar wesentlich mehr als früher, weil es die Umstände und das Verhalten der Leute schwieriger machen.“