Notruf bei der Polizei: „Steche mein Kind ab“. 33-jährige Frau beugte sich mit Küchenmesser über Baby - vier Monate Haft und Einweisung in Anstalt.

Von Elisabeth Kirchmeir. Erstellt am 11. Dezember 2019 (04:26)
Das Justizzentrum Eisenstadt.
Werner Müllner

Der Notruf, der am 17. September 2019 bei der Polizei einging, war ungewöhnlich. „Ja, grüß Gott. Ich will mein Kind abstechen!“, kündigte die Anruferin an.

Sie sei, erklärte die 33-jährige Angeklagte aus dem Bezirk Eisenstadt vorige Woche Richterin Doris Halper-Praunias, an diesem Tag beim Bügeln gewesen.

„Wir hatten schon wochenlang diskutiert“, berichtete der Ehemann der Angeklagten. Seine Frau habe psychische Probleme, habe keine Emotionen mehr gezeigt und das Baby „weggesperrt“.

„Ich gehe davon aus, dass sie an einer grenzwertigen schizophrenen Erkrankung leidet.“Der Befund des Sachverständigen für Psychiatrie vor Gericht.

Es sei schon geplant gewesen, dass er, so der Ehemann, mit den beiden kleinen Kindern die Wohnung verlassen sollte.

Das wollte aber seine Frau nicht. Der Konflikt eskalierte am 17. September: Die Angeklagte griff nach einem Küchenmesser, beugte sich über das Gitterbett, in dem ihre sieben Monate alte Tochter lag, und führte Stechbewegungen aus.

Danach - immer noch mit dem Messer in der Hand - wählte sie den Notruf der Polizei.

Ehemann: „Habe vor Angst gezittert“

„Ich wollte sichergehen, dass die Polizei kommt“, erklärte die Angeklagte. Er habe, so ihr Ehemann, vor Angst gezittert. „Wir forderten sie auf, vom Bett wegzugehen“, berichtete jener Polizist, der damals in die Wohnung der Familie gekommen war.

Die Angeklagte habe das Messer aus der Hand gelegt. Sie habe geistig abwesend gewirkt, sei aber allen Anweisungen gefolgt.

Nach dem Vorfall wurde die Frau in der Psychiatrie aufgenommen und danach in U-Haft überstellt. Ihre Tat erklärte sie mit einem „vorübergehenden Wahnsinn“. „Ich gehe davon aus, dass sie an einer grenzwertigen schizophrenen Erkrankung leidet“, sagte der Sachverständige für Psychiatrie. Weitere gefährliche Delikte seien zu befürchten, wenn die Frau das Gefühl habe, mit dem Rücken zur Wand zu stehen.

Die Angeklagte wurde zu zwölf Monaten Freiheitsstrafe verurteilt, davon vier Monate unbedingt. Die Unterbringung in einer Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher wurde angeordnet. Die Frau nahm dieses Urteil an.