Detlef Polay: Ein Neusiedler im Corona-Krisenstab. Detlef Polay ist Sprecher des Staatlichen Krisen- und Katastrophenmanagements im Bundesministerium für Inneres.

Von Birgit Böhm-Ritter. Erstellt am 25. März 2020 (05:53)
Detlef Polay bewahrt in Krisenzeiten stets kühlen Kopf.
Dieter Höller

Einer, der Österreich an vorderster Front koordinierend durch die Krise steuert, ist der Neusiedler Detlef Polay. Er ist Sprecher des Corona-Krisenstabs, der im Rahmen des Staatlichen Krisen- und Katastrophenmanagements (SKKM) im Innenministerium nun ständig tagt.

Als Sprachrohr des Krisenstabs ist Polay Ansprechpartner für Medien. Für ihn gilt es, Informationen aus vielen Kanälen zu filtern und zu bündeln. „Das Thema ist komplex. Die verschiedenen Ministerien haben viele verschiedene Zuständigkeiten. Das SKKM im Innenministerium ist der Koordinator aller Ministerien“, erklärt Polay im Telefoninterview.

Von der Cobra in den Krisenstab

Täglich um 8 Uhr 30 tagt der Krisenstab, um Entwicklungen rund um die Corona-Krise zu besprechen: Jedes Ministerium entsendet dorthin seine Vertreter. Moderiert werden die Konferenzen von Franz Lang, dem Einsatzleiter des Stabs. Er war es auch, der Detlef Polay ins Team geholt hatte. Es ist nicht die erste Zusammenarbeit der beiden. Schon bei der Zusammenführung der Polizei und der Gendarmerie arbeiteten Polay und Lang miteinander.

Leichtfertig übernommen hat Polay den Job im Krisenstab nicht. Das sei gut überlegt gewesen: „Schon Ende Februar hat mich Franz Lang gefragt, ob ich die Aufgabe übernehmen möchte. Ich habe mir zuerst zwei Tage ein Bild vom Krisenstab gemacht, mich eingelebt und gesehen, dass das eine spannende Arbeit ist.“

„Ich habe mir zuerst zwei Tage ein Bild vom Krisenstab gemacht, mich eingelebt und gesehen, dass das eine spannende Arbeit ist.“Detlef Polay

Polays Arbeitstag ist momentan dicht gedrängt, beginnt sehr früh und endet spät. Bevor es in das Innenministerium geht, wo der Krisenstab tagt, nimmt der Neusiedler an der Morgenbesprechung in der Rosauerkaserne teil, wo er als Kommandant der Cobra Wien seinen eigentlichen Dienst versieht. Um 7 Uhr ist Polay aber bereits im Innenministerium, wo er sich ein Bild von der medialen Berichterstattung über die Corona-Krise macht und erste Medienanfragen beantworten.

„Nach einem Briefing geht es dann um 8 Uhr 30 in die große Runde des Krisenstabs, um 9 Uhr 15 werden die Ländervertreter per Videoschaltung dazugeholt. Etwa bis mittags wird getagt“, skizziert Polay. Danach kümmere er sich um Medienanfragen. Sein Team sei die Drehscheibe, die Anfragen an die Zuständigen verteile. Inhaltlich seien die jeweiligen Ministerien selbst für die Beantwortung zuständig.

Wer glaubt, es herrscht große Aufregung und Hektik im Corona-Krisenstab, der irrt. Es gilt, Ruhe bewahren. „Natürlich läutet permanent das Telefon, aber jeder weiß um die Sache. Es ist ein relativ ruhiges professionelles Abarbeiten der Dinge“, beschreibt Polay. „Social Distance“, also „Abstand halten“, ist auch unter den 35 Mitarbeitern des Stabs eine Prämisse. „Auch wir verzichten auf Begrüßungsrituale und nur jeder zweite Sitz ist besetzt.“

Einsätze im Ausland

Seit 1981 ist Detlef Polay Polizist. „Es ist ein abwechslungsreicher und herausfordernder Job. Das merkt man gerade in einer Krise“, so Polay. Seine Stärken im Krisenmanagement hat er schon mehrmals bewiesen, meistens in Auslandseinsätzen. So war der Neusiedler etwa beim Arabischen Frühling am Tahir-Platz in Kairo und bei der Karikaturen-Krise in Teheran vor Ort im Einsatz.