Erstellt am 14. Juli 2018, 07:36

von Birgit Böhm-Ritter

„Es ist ein lautloser Tod“. Kampagne weist darauf hin, dass Schwimmen lernen „überlebensnotwendig“ ist und pocht auf den Erhalt öffentlicher Bäder.

Sicher im Wasser. Lucas Sonnleitner, Hans Christian Gettinger, Schwimmtrainer und ÖJRK-Landesreferent für Rettungsschwimmen, Hannah Kritsch, Elena Prandtstetten, Erwin Deutsch, Landesschulinspektor und Landesleiter Jugendrotkreuz, Ben Geritzer, Benjamin Gedeon, Emma Hareter und Bildungsdirektor Heinz Zitz.  |  Birgit Böhm-Ritter

„Schwimmen ist eine Lebenskompetenz, das muss in die Köpfe aller Erziehungsberechtigten“, betonte Hans Christian Gettinger im Rahmen einer Pressekonferenz, zu der der Landesreferent für Rettungsschwimmen des Österreichischen Jugendrotkreuzes, zusammen mit Bildungsdirektor Heinz Zitz und Landesschulinspektor Erwin Deutsch ins Neusiedler Hallenbad einlud. Zu Beginn der Badesaison wiesen sie gemeinsam darauf hin, wie wichtig es ist, im Kleinkindalter das Schwimmen zu erlernen, andererseits riefen sie Jugendliche und Erwachsene dazu auf, sich zum Rettungsschwimmer ausbilden zu lassen.

Die Statistik belegt mit Zahlen, die Gefahren, die vor allem für Kleinkinder im Element Wasser lauern: In der Badesaison 2017 gab es 26 tödliche Badeunfälle, davon waren zu 90 Prozent Kinder unter fünf Jahren betroffen. Badeunfälle bei Kindern würden selbst passieren, wenn sie unter Aufsicht von Erwachsenen in Hör- und Sehweite seien, sagte Gettinger. Für kleine Kinder gäbe es keine ungefährlichen Gewässer, sie könnten selbst im seichten Wasser ertrinken. „Kinder gehen lautlos unter, sie schreien nicht und schlagen nicht um sich“, erklärt der Experte.

"Der Schwimmunterricht braucht mehr Zeit, als das Turnen im schuleigenen Turnsaal“Landesschulinspektor Deutsch.

Deshalb sei es sehr wichtig, dass möglichst jedes Kind in Österreich über ein Mindestmaß an Schwimmfähigkeit verfügt, weiß auch Bildungsdirektor Heinz Zitz, der darauf hinweist, dass der Schwimmunterricht im Lehrplan der Volksschulen verankert sei. Einfach ist es allerdings für Schulen nicht, diesem Bildungsauftrag nachzukommen. Der Schwimmunterricht ist für die Schulen eine logistische Herausforderung. „Es muss ein Bus reserviert und viel Zeit investiert werden. Der Schwimmunterricht braucht mehr Zeit, als das Turnen im schuleigenen Turnsaal“, sagt Landesschulinspektor Deutsch.

Umso wichtiger ist der Erhalt von Hallenbädern, für den sich die Initiative des Österreichischen Jugendrotkreuzes „Sicher im Wasser“ unter anderem einsetzt. Im ganzen Bundesgebiet gäbe es immer weniger Bäder, in denen ganzjähriger Schwimmunterricht angeboten werden könne, macht Gettinger bewusst und spricht auch die ungesicherte Existenz des Neusiedler Hallenbades an: „Dieses Bad und die Schwimmunion Neusiedl gewährleisten bis jetzt, dass die Schwimmerquote der Kinder in diesem Bezirk bei einem hohen zweistelligen Prozentsatz liegt.“ Damit weise man eine deutlich höhere Schwimmkompetenz auf, als etwa in Wien, wo jedes zweite achtjährige Kind nicht schwimmen kann.