Nächtliche Schießerei im Ort entpuppte sich als Übung

Maschinengewehr-Schüsse sorgten für helle Aufregung bei den Anrainern in Kaisersteinbruch. Lärm war Teil einer groß angelegten Übung.

Otto Havelka Erstellt am 24. September 2021 | 04:40
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Eine Übung des Jägerbataillons Klagenfurt riss die Bewohner von Kaisersteinbruch aus dem Schlaf.
Foto: Archiv

In der Nacht auf Mittwoch in der Vorwoche wurden die Ortsbewohner kurz nach Mitternacht durch den Lärm von Maschinengewehr-Salven aus dem Schlaf gerissen. Auf einem derzeit brach liegenden Gelände neben dem ehemaligen Gasthaus Hofer ballerten Soldaten des Jagdbataillons Klagenfurt bei einer nächtlichen Übung.

„Mitten im Ortszentrum, das geht gar nicht“, poltert SPÖ-Bürgermeister Gerhard Dreiszker, der von der Übung vorab ebenso wenig informiert wurde wie die Anrainer. „Viele Bewohner waren verängstigt, was los ist, der halbe Ort ist zusammengelaufen“, schildert ein Anrainer.

Der Kommandant des Truppenübungsplatzes, Markus Ziegler, entschuldigt sich für die nächtliche Ruhestörung. Sie basiere auf einem Missverständnis: Der Kommandant der Kärntner Elite-Truppe habe die Übung auf Basis veralteter Daten durchgeführt. Das Übungsgelände wurde vor rund drei Jahren vom Bundesheer an die Gemeinde verkauft, die dort Wohnungen errichten will. Besagte Übung, an der rund 700 Soldaten teilnahmen, fand also auf Gemeindegrund statt. Kommandant Ziegler räumt ein, dass hier Verbesserungsbedarf bestehe: „Ortschaften sind grundsätzlich von jeglichen Übungen ausgenommen. Wir werden darauf besonders achten, dass so etwas nicht mehr passiert.“

 „Truppenübungsplatz wird zu einem Herzstück für die Sicherstellung der Ausbildung der Einsatzverbände des österreichischen Bundesheeres.“ Kommandant Markus Ziegler

 Die Übung selbst umfasste jedenfalls nicht nur jenen Teil, der in Kaisersteinbruch für Unmut sorgte. Das Jägerbataillon 25 aus Klagenfurt übte vier Tage lang intensiv am Truppenübungsplatz – knapp 700 Mann verlegten dafür mit ihrem gesamten Material nach Bruckneudorf. Ziel war es, reale Einsatzszenarien zu üben. Dieses Bataillon ist der einzige luftbewegliche Verband des Bundesheeres, es operiert mit Hubschraubern und Fallschirmen. Es handelt sich um eine Kaderpräsenzeinheit, mit hohem Ausbildungsniveau, sozusagen eine Eliteeinheit des Heeres. Geübt wurde am Truppenübungsplatz unter anderem der motorisierte Marsch im Konvoi zum Schutz von Transportfahrzeugen, bestehend aus 65 Fahrzeugen in einer hohen Bedrohungslage. Es folgte ein Übungstag im Zeichen von Angriffen auf gegnerische Kräfte, sowohl in bewaldetem Gebiet als auch in urbanem Umfeld.

Da in dieser Woche die Unterkunft des Truppenübungsplatzes überbelegt war, wurde durch einen Pionierzug ein zusätzliches Feldlager bestehend aus 26 Großraumzelten, drei Bürocontainern, acht Sanitär- und Duschcontainern sowie einer eigenen Energieversorgung aufgebaut. Insgesamt übten in dieser Woche 1200 Soldaten auf dem Truppenübungsplatz.

Kommandant Ziegler ist entsprechend stolz: „Es ist heuer das dritte Mal, dass ein Verband des österreichischen Bundesheeres geschlossen verlegt, um in einer intensiven und anspruchsvollen Übung die Einsatzbereitschaft zum Schutze unserer Heimat zu steigern.“ Die derzeit laufende Errichtung von zusätzlichen Ausbildungsanlagen, Schießbahnen und Schießanlagen mache den Truppenübungsplatz zu einem „Herzstück für die Sicherstellung der Ausbildung der Einsatzverbände des österreichischen Bundesheeres“. In Zukunft soll der Truppenübungsplatz noch weit intensiver genutzt werden.