Ärztemangel! Nachbesetzung für Ordis ungewiss. Die Dorfärzte von Kittsee und Winden treten bald ihren Ruhestand an. Die Nachbesetzung erweist sich als schwierig.

Von Saskia Jahn. Erstellt am 14. Februar 2019 (06:43)
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Die gebürtige Nickelsdorferin Dr. Christa Lindner lebt bereits seit der Ordinationseröffnung vor 30 Jahren in Winden am See.

In den nächsten zehn Jahren sollen insgesamt 60 Prozent aller Allgemeinmediziner im Bezirk Neusiedl am See ihren wohlverdienten Ruhestand antreten. Das offenbarte erst vor Kurzem Erwin Preiner im Rahmen einer Pressekonferenz zum Thema „Lebensland.Burgenland!“.

Zwei Ärzte, die in den nächsten fünf Jahren das Zepter aus der Hand geben, sind Dr. Alois Lingitz aus Kittsee und Dr. Christa Lindner in Winden am See. Beide feiern bereits ihr 30. Dienstjubiläum.

Der 64-jährige Alois Lingitz entschied sich 1988 für die Allgemeinmedizin. Der größte Vorteil sei, eine sehr konstante Klientel zu betreuen. „Zutreffend ist der Begriff Familienmedizin. Meine Tätigkeit deckt – man könnte fast sagen an einem Tag – alle Fachgebiete der Medizin ab“, ist Lingitz auch noch nach 30 Jahren von seiner damaligen Entscheidung überzeugt.

Tochter ist mögliche Nachfolgerin

Was die Zukunft bringen werde, wisse er noch nicht. „Da ich im 65. Lebensjahr bin, stehe ich am Ende meiner Karriere. Ich habe vor, noch das eine oder andere Jahr weiter zu arbeiten. Meine Tochter hat Medizin studiert, sie befindet sich derzeit in der Basisausbildung. Für sie hat es keinen anderen Beruf als Ärztin gegeben und das schon von Kindheit an. Ob sie sich jedoch als mögliche Nachfolgerin für die Allgemeinmedizin entscheidet, kann ich nicht sagen“, blickt der 64-Jährige in die ungewisse Zukunft.

Die gebürtige Nickelsdorferin Christa Lindner lebt bereits seit der Ordinationseröffnung vor 30 Jahren in Winden am See.

Die letzten drei Jahrzehnte seien irrsinnig schnell vergangen. Es sei eine lustige und schöne Zeit gewesen. „Ich denke, die Patienten sind mit mir zufrieden und das ist für mich das Wichtigste. Man muss wissen, bei mir in der Ordi läuft es ein bisschen anders ab. Ich habe zum Beispiel keinen weißen Mantel an. Bei mir geht’s immer lustig zu, die Menschen können mit mir lachen“, erzählt Lindner mit einem Grinsen im Gesicht.

„In Winden kommt bestimmt nix nach“

Die Allgemeinmedizinerin habe schon längst die Möglichkeit, in Pension zu gehen, sie hat sich aber entschlossen, noch weitere vier Jahre zu praktizieren. „Meine Ordinationsassistentin und ich sind ein Dream-Team. Da diese noch vier Jahre zu arbeiten hat und es keinen Nachfolger für mich geben wird, bleibe ich noch“, so die praktische Ärztin.

Einer ihrer Söhne ist als Fachmediziner in einem Wiener Krankenhaus tätig. „Der kommt nicht runter. Das ist ja verständlich, als Facharzt möchte ich mich nicht mit Schnupfen und anderen Wehwehchen herumschlagen. Ich bin mir sicher, in Winden kommt ganz bestimmt nix nach“, behauptet Lindner.