Seewinkler Familie: „Konnten uns nicht verabschieden“. Eine Familie aus dem Seewinkel möchte auf Schwachpunkte beim Besuchskonzept aufmerksam machen.

Von Saskia Jahn. Erstellt am 08. Januar 2021 (04:41)
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„Wir möchten niemanden anprangern, wir wissen, dass jeder zurzeit gefordert ist, vor allem in den Krankenhäusern, aber wir möchten darauf aufmerksam machen, damit wir vielleicht andere Familien davor bewahren können.“ Eine Familie aus dem Seewinkel hat sich in den vergangenen Tagen an die BVZ-Redaktion gewandt, um ihre ganz persönliche Geschichte zu erzählen. „Die ersten Gefühle nach dem Ableben unserer geliebten 88-jährigen Oma und Mama waren Trauer, Wut und Enttäuschung zugleich, da wir uns nicht von ihr verabschieden konnten und sie so alleine sterben musste.“

Insgesamt drei Mal wurde die 88-Jährige in den letzten Monaten im Krankenhaus Kittsee aufgenommen – aus den unterschiedlichsten Gründen, „Corona war keiner davon“, ergänzte die Enkeltochter.

Angefangen hat die emotionale Achterbahnfahrt für die Familie nach dem zweiten Krankenhausaufenthalt ihrer Großmutter und Mutter. „Sie sollte um 15 Uhr von der Rettung nach Hause gebracht werden, also wurde ihr Bett bereits weiter vergeben. Sie musste jedoch vier Stunden ohne Socken oder Decke beim Portier warten, sie wurde erst nach 20 Uhr abends nach Hause gebracht, völlig erschöpft, kaum ansprechbar und unterkühlt. Wie kann so etwas passieren?“ Voller Entsetzen kontaktierten die Angehörigen noch am selben Abend die dafür zuständigen Burgenländischen Krankenanstalten (KRAGES), bis dato habe man keine Rückmeldung erhalten.

Corona: Besuche derzeit nicht möglich

Der dritte Aufenthalt der 88-Jährigen war lediglich für eine Kontrolluntersuchung geplant gewesen, ihr Zustand hat sich jedoch rapide verschlechtert und die Seewinklerin musste im Krankenhaus bleiben. Besuche seien der Familie trotz alledem nicht gestattet worden. Kurz vor Weihnachten dann die Schocknachricht: Die Großmutter und Mutter ist verstorben. „Uns ist bewusst, dass die Spitäler zurzeit wegen Corona vor immensen Herausforderungen stehen, wir wissen, dass auch sie Regeln befolgen müssen. Für uns ist es aber nicht nachvollziehbar, dass wir unsere lebende Oma und Mama nicht besuchen durften, als sie dann aber bereits verstorben war, es uns erlaubt wurde. Da war es schon zu spät.“

Die Ärztliche Direktorin des Krankenhauses Kittsee Dr. Anna Kettner und die Pflegedirektorin Bettina Ziniel versichern auf Anfrage der BVZ, dass niemand in der Kälte sitzen gelassen werde: „Zunächst aber möchten wir unser herzlichstes Beileid zum Ableben der Großmutter aussprechen. Es ist jedoch schwierig, ohne den Namen zu wissen, eine konkrete Stellungnahme abzugeben. Wir können Ihnen aber versichern, dass wir alle in diesen schweren Zeiten unser Bestes tun.“ Die Kollegiale Führung lade die Familie gerne zu einem klärenden Gespräch ein.