Warum Stiegen ein Ärgernis am Neusiedler Bahnhof sind. Beschwerden von Radfahrern sind bei Tourismus-Landesrat Petschnig und Burgenland Tourismus-Chef Anton eingegangen.

Von Birgit Böhm-Ritter. Erstellt am 17. Juli 2019 (05:33)
zVG
Im Selbsttest. Landesrat Alexander Petschnig und Burgenland Tourismus Chef Hannes Anton beim Lokalaugenschein am Neusiedler Bahnhof.

Der Bahnhof der Bezirkshauptstadt soll fahrradfreundlicher werden. Darauf pochen Tourismuslandesrat Alexander Petschnig und Burgenland Tourismus Geschäftsführer Hannes Anton. Anlass sind sowohl „zahlreiche Beschwerden vonseiten radfahrbegeisterter Burgenländerinnen und Burgenländer als auch auswärtiger Fahrradtouristen“, heißt es in einer Aussendung aus dem Büro Petschnig.

„Man muss ganz ehrlich sagen, dass die Beschwerden nicht unbegründet getätigt werden“Landesrat Alexander Petschnig

Eingegangen seien die Beschwerden direkt im Büro des Tourismus-Landesrats und bei Burgenland Tourismus seit der Umgestaltung des Bahnhofes. Die Kritik zielt vor allem auf die Unterführung ab, die mit keiner Fahrradrampe ausgestattet ist.

„Man muss ganz ehrlich sagen, dass die Beschwerden nicht unbegründet getätigt werden“, sagt Petschnig, der sich gemeinsam mit Hannes Anton persönlich vor Ort ein Bild gemacht hat.

Derzeit müssten die Radfahrer dort ihr Rad über etliche Stufen zuerst in das Untergeschoss hinab und anschließend wieder die Stufen hinauftragen, um vom Zug zum Radweg zu kommen. „Wer schon einmal ein E-Bike getragen hat, der weiß, wie schwer hier jede einzelne Stufe zu überwinden ist“, betont Petschnig. Der vorhandene Lift biete nur eine suboptimale Hilfe. Dieser nehme gerade einmal zwei Radfahrer mit ihren Rädern auf. Vor allem an den Wochenenden komme es dann zu Staubildungen vor dem Lift.

„Insgesamt also eine unzureichende Lösung vor allem für Radgruppen, die bei uns gerne und zahlreich unterwegs sind“, stellt Petschnig die gegenwärtige Situation dar.

ÖBB weist Kritik zurück

Auf Anfrage der BVZ weist ÖBB-Pressesprecher Christopher Seif die Kritik zurück.

„Es gibt ja ohnehin den Lift. Größere Radgruppen brauchen halt mehr Fahrten, aber das ist kein großer Zeitverlust. Es ist ja nur eine Etage. Lastenlifte sind jedenfalls in Bahnhöfen nicht üblich“, so Seif. Bei der ÖBB selbst sei lediglich eine Anfrage einer Radfahrerin über den Bahnhof Neusiedl am See eingegangen – im Juni 2018.

Für Petschnig und Anton stellt sich die Situation am Bahnhof in Neusiedl am See allerdings als „alles andere als radfahrfreundlich“ dar.

„Wir nehmen viel Geld zur Bewerbung unseres Radangebotes in die Hand und der Kunde hat bereits am Bahnhof die ersten Hürden zu überwinden“, so Petschnig. Dabei gäbe es eine einfache Lösung: Eine Installierung einer Fahrradrampe, wie sie auch bei vielen anderen Treppenlösungen österreichweit zum Einsatz komme.

Für die ÖBB wohl keine umsetzbare Lösung des Problems, denn aufgrund von bautechnischen Vorgaben sind laut Seif Rampen für Fahrräder oder Kinderwägen neben den Stiegen nicht mehr erlaubt: „Aus diesem Grund wurden beim Umbau 2015 keine Rampen gebaut.“

Petschnig und Anton betonen unterdessen den Stellenwert des Radtourismus für den Bezirk. Gerade hier stelle der Fahrradtourismus eine bedeutende Stütze des lokalen Tourismus und damit der Wertschöpfung dar. Das generell sehr gut ausgebaute Radnetz ist dafür verantwortlich.

Der Neusiedler Radweg wurde heuer bereits zum dritten Mal mit fünf Sternen vom ADFC (Allgemeinder Deutscher Fahrrad-Club) ausgezeichnet.