Neusiedler See als trockene Angelegenheit. Zum Entfall der Kultur-Events plagt die Region Neusiedler See nun auch noch ein historisch niedriger Wasserstand. Die BVZ bat Touristiker und Biologen um Lösungs-Ideen.

Von Birgit Böhm-Ritter und Markus Wagentristl. Erstellt am 28. Mai 2020 (04:48)
Der Neusiedler See ist ein Hot Spot des burgenländischen Tourismus. Die Schwankungen seines Wasserpegels sorgen vor allem bei tiefen Werten immer wieder für Diskussion um eine stärkere Wasserstandsregulierung.
BBR

Die Region rund um den Neusiedler See ist ein starker Motor für den Burgenländischen Tourismus. Etwa die Hälfte der Nächtigungen im Land werden jedes Jahr rund um den Neusiedler See gezählt. Im Vorjahr durften die Touristiker über ein Plus von 4,6 Prozent jubeln.

Dieses Jahr haben sich die Rahmenbedingungen für die Tourismusgemeinden durch die Coronakrise allerdings geändert: Die Saison startet mit der Öffnung der Hotels und Pensionen am 29. Mai verspätet und nur langsam, darüber hinaus sind die großen Kulturfestivals in St. Margarethen und Mörbisch abgesagt. Nun heißt es mit einer neuen Strategie den Urlaub am See zu bewerben.

„Der Regen in den vergangenen Tagen führt im See kaum zur Aufspiegelung.“Josef Wagner vom Amt der Burgenländischen Landesregierung

Nachgefragt hat die BVZ bei Stefan Schindler, Geschäftsführer der Neusiedler See Tourismus Gmbh (NTG). Er versichert, es werde auch 2020 kulturell einiges los sein um den See.

„Wir werden die vielen kleineren Veranstaltungen, die wir haben zusammen fassen und kampagnisieren, das Outdoor-Thema mit Wandern, Walken, Radfahren, Laufen und Erlebnissen im Nationalpark und Naturpark wird ein Schwerpunkt im Sommer sein. Außerdem wollen wir versuchen die Urlaubsdauer, etwa durch das Angebot von Wochenpackages und die vielfältigen Leistungen der Neusiedler See Card zu verlängern.“ Darüber hinaus solle die Corona-Sicherheit betont werden. „Wir haben keine Bergbahnen, in die man sich Zusammendrängen muss, sondern weitläufige Strände“, verdeutlicht Schindler.

Der Neusiedler See ist für Burgenland-Touristen ein starker Anziehungspunkt, nicht nur für Wassersportler. „Er bietet eine traumhafte Kulisse und vermittelt ein einzigartiges und in Österreich unverwechselbares Urlaubsfeeling“, so Schindler. Der derzeit niedrige Wasserstand wird von den Tourismusexperten der Region darum mit Argusaugen beobachtet.

Der Bedeutung des Sees ist man sich auch im Amt der Burgenländischen Landesregierung bewusst. „Die Nutzung des Sees ist ein wesentlicher Faktor für die Region“, sagt Josef Wagner, zuständiger Gruppenleiter. Es habe immer wieder Trockenperioden gegeben, doch heuer sei zu befürchten, dass der Wasserstand weiter in Richtung Tiefststand seit 1965 sinke. „Der Regen in den vergangenen Tagen führt im See kaum zur Aufspiegelung“, verdeutlicht Wagner. Dafür wäre eine Regenperiode, wie es sie im Mai 2019 gab, notwendig.

Seit dem Vorjahr beschäftigt man sich in der Landesregierung jedenfalls wieder intensiver mit einer stärkeren Wasserstandsregulierung des Sees. Vorhandene Studien werden derzeit gesichtet und in ein Gesamtkonzept eingearbeitet. Im BVZ-Gespräch betont Wagner: „Wichtig ist, dass Wasser da ist, nicht wie hoch es ist.“ Denn der See habe einen Einfluss auf Fauna und Flora sowie auf das Mikroklima der Region.

Genau dieses sei in Gefahr, betont Umweltanwalt Michael Graf – und zwar gerade bei einer Wasser-Zufuhr etwa durch einen Donau-Nebenarm: „Flusswasser würde den Salzhaushalt des Sees verdünnen. Wenn nur die Menge einer Regen-Periode zugeführt wird, ist das weniger ein Problem, als wenn wir versuchen würden, den See gleich um einen halben Meter aufzufüllen. Das hätte gravierende Folgen für Pflanzenwelt rund im den See.“

Generell sei das ohnehin keine Frage von Monaten: „Der Wasserarm müsste von der slowakischen Grenze bis zum See mehrere Autobahnen und Zugverbindungen kreuzen. Allein die Projektierung würde Jahre dauern.“ Bisher wurden Trockenperioden von Regenphasen ausgeglichen. Das, verweist Graf auf den Klimawandel, müsse aber nicht immer so sein.