Hansagfood schließt alle Bio-Hofläden. Wer in einem der neun Bio-Hofläden von Hansagfood einkaufen möchte, der muss sich sputen. Denn mit 26. Juli schließen die Selbstbedienungs-Container in den Bezirken Neusiedl am See, Eisenstadt und Bruck/Leitha nun endgültig ihre Pforten.

Von Birgit Böhm-Ritter. Erstellt am 19. Juli 2021 (15:57)
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Hansagfood

Der Tadtener Landwirt Hans Goldenits muss ein eigentlich erfolgreiches Konzept zu Grabe tragen. „Letzten Endes hat der Markt uns nicht Recht gegeben und wir wurden politisch nicht gewollt“, sagt Goldenits in Anspielung auf die gesetztlichen Rahmenbedingungen, die dem Landwirten einen Strich durch die Rechnung machten.

Drei Jahre lang bot die Firma Hansagfood Produkte in Bio-Qualität, von Produzenten der Region – also mit kurzen Anfahrtswegen und kleinem CO2-Fußabdruck an. Erhältlich waren die Produkte von 0 bis 24 Uhr im Selbstbedienungsladen. Solange bis eine Anzeige des Schutzverbandes gegen unlauteren Wettbewerb das Firmenmodell im April dieses Jahres stoppte. Kritikpunkt: der Verkauf von Produkten anderer Produzenten. Somit würden die Hofläden nicht als landwirtschaftliche Betriebe, sondern als Handelsunternehmen gelten und müssten das Öffnungszeitengesetz befolgen.

Hansagfood reagierte mit der Verkürzung der Öffnungszeiten. Doch schon im April rechnete Hans Goldenits mit einem 25-prozentigen Umsatzrückgang. Nun zieht das Familienunternehmen endgültig die Reißleine und schließt ihre Läden komplett. „Als Zeitpunkt haben wir bewusst das Sommerloch gewählt. Im Sommer verzeichnen wir immer einen Rückgang der Kundefrequenz. Die Leute essen mehr auswärts und kochen weniger selber“, kommentiert Goldenits.

Der Seewinkler Landwirt hatte sich schon im Februar um eine Lösung für Bio-Läden im Landwirtschaftsministerium bemüht. „Schon damals hat man mir gesagt, dass ein dementsprechender Gesetzesänderungsantrag von den Interessensvertretungen in den Bundesländern abgelehnt worden sei“, sagt Goldenits im BVZ-Interview. Er wolle sich nun anderen innerbetrieblichen Herausforderungen stellen und stellt klar: „Den Betrieb Hansagfood wird es weiter geben.“

SPÖ-Landwirtschaftssprecher, Abgeordneter zum Burgenländischen Landtag, Gerhard Bachmann: „Es stimmt mich sehr traurig, dass das innovative Konzept von Hansagfood, regionale, saisonale und zum Teil biologische Lebensmittel in den Containern zu vermarkten, keine Unterstützung auf Bundesebene gefunden hat. Der Schritt, die Hofläden-Türen zu schließen, ist äußerst bedauerlich für die Produzentinnen und Produzenten und natürlich auch für die Konsumentinnen und Konsumenten.“ Bachmann und Landeshauptmannstellvertreterin Astrid Eisenkopf (SPÖ) hatten sich noch Anfang Juni für eine Lösung für die 24-Stunden-Selbstbedienungläden eingesetzt und einen entsprechenden Antrag im Landtag eingebracht.