16 Tage gegen Gewalt: „Es geht vielen Kindern ganz schlecht“

Erstellt am 01. Dezember 2022 | 05:01
Lesezeit: 3 Min
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Karin Behringer-Pfann ist Geschäftsführerin der Beratungsstelle „Der Lichtblick“.
Foto: BBR
Im Gespräch mit der Beratungsstelle „Der Lichtblick“: Während die Pandemie nachwirkt, bringt die Teuerung neue Probleme.

Gewalt hat viele Gesichter. In der Frauen- und Mädchenberatungsstelle „Der Lichtblick“ kennt man sie alle. Die Lage vieler Frauen und Mädchen hat sich durch die derzeitige Krise noch verschärft.

Anlässlich der Aktion „16 Tage gegen Gewalt“ hat die BVZ mit der „Lichtblick“-Geschäftsführerin Karin Behringer-Pfann über die Situation im Bezirk gesprochen. Sie erzählt von einem „extrem großen psychischen Druck“, unter dem die Frauen stehen, die die Beratungsstelle aufsuchen. Und das sind viele.

Seit „Der Lichtblick“ 2019 auch burgenlandweite Beratungsstelle für sexuelle Gewalt geworden ist, ist die Zahl der Beratungsgespräche explodiert. Waren es 2019 noch 3.393 Beratungen, so zählte man 2021 schon 4.412. Etwa so viele werden es auch am Ende dieses Jahres sein.

Sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz oder der Praktikumsstelle sei ein großes Problem: „Die Frauen waren dankbar, während der Pandemie eine Stelle bekommen zu haben, und waren bereit, vieles zu schlucken. Ihre Situation ist schamlos ausgenutzt worden“, sagt Behringer-Pfann.

Die Pandemie wirkt auch noch bei den Jüngsten nach. Die Kinderpsychologin der Beratungsstelle ist bis Februar völlig ausgebucht. „Den Kindern und Jugendlichen geht es wirklich schlecht.“ Auffallend sind vermehrt Essstörungen und massive Defizite in der Schule, die sich auf das Wohlbefinden auswirken. Viele Kinder würden in der Schule nachhinken, weil sie beim Distance Learning nicht mitgekommen seien.

Behringer-Pfann ortet auch eine Zunahme an psychischer, verbaler Gewalt gegen Frauen. Dazu werde institutionelle und strukturelle Gewalt immer schlimmer.

„Mütter stehen unter Generalverdacht, sie würden ihre Kinder den Vätern entfremden wollen. Immer wenn es um die Obsorge geht, wird ihnen Bindungsintoleranz nachgesagt und die Erziehungsfähigkeit abgesprochen. Plötzlich stehen alle Institutionen auf der Seite des Vaters, ohne zu schauen, wer sich vor der Trennung um die Kinder gekümmert hat“, kritisiert Behringer-Pfann Gutachter, Sachverständige und Familiengerichte.

Größtes Thema in den Beratungsgesprächen ist momentan aber die hohe Teuerung, die vor allem alleinerziehende oder geschiedene Frauen massiv trifft und die „wirklich existenzbedrohend“ ist. „Viele Frauen wissen nicht, wie es weitergehen soll. Sie können nicht schlafen, weil sie nicht wissen, wie sie die Energiekosten zahlen sollen“, so Behringer-Pfann. Die Frauen seien vermehrt dabei, sich einen zweiten Job zu suchen. „Aber das geht natürlich wieder auf die eigene Substanz.“