Sensationelle Vogelsichtungen im Nationalpark. Per Zufall entdeckte man die seltene Wüstengrasmücke im Nationalpark Neusiedler See.

Von Saskia Jahn. Erstellt am 22. November 2020 (05:12)
Bergkalanderlerche. Leander Khil konnte die außergewöhnliche Vogelsichtung in der Steiermark auf einer Bilderserie festhalten.
Symbolfoto/Khil

Ornithologen sprechen von einer Sensation: Die Wüstengrasmücke aus Zentralasien wurde erstmals in Österreich, in Illmitz, gesichtet. Leander Khil, Ornithologe, Fotograf und Naturführer in der St. Martins Therme und Lodge, sprach mit der BVZ über die Besonderheiten des exotischen Vogels.

Wissenschaftliche Vogelberingung

Kein anderer Ort in Mitteleuropa als der Nationalpark Neusiedler See – Seewinkel bietet die Möglichkeit, die Vogelwelt in einer solchen Artenvielfalt zu beobachten. So ist Illmitz für viele Hobby-Ornithologen, Vogelschützer und Naturfotografen ein geografischer Fixpunkt.

Am 30. Oktober wurde an der Biologischen Station Illmitz die wissenschaftliche Vogelberingung durchgeführt. Im Rahmen dessen kam es zu der außergewöhnlichen Vogelsichtung. „Die Wüstengrasmücke wurde an diesem Tag gefangen und schon am Folgetag von vielen interessierten ‚Birdwatchern‘ nicht mehr gefunden“, erzählt Khil. Die Wüstengrasmücke ist ein kleiner Singvogel aus den Wüsten Zentralasiens. Sie ist ungefähr zehn Zentimeter groß, hat braunes Gefieder und auffällig gelbe Augen.

„In Europa wird sie nur extrem selten, als Ausnahmegast, beobachtet. Auf sie im Schilfgürtel des Neusiedler Sees zu treffen ist höchst überraschend.“ Neben der Wüstengrasmücke konnte am selben Tag eine Bergkalanderlerche, ebenfalls aus Asien, in der Steiermark entdeckt werden. „Dass an einem Tag gleich zwei neue Vogelarten im Land gesehen werden, ist für Ornithologen spektakulär“, verdeutlicht der Ornithologe.

Die Aufnahme entstand im eigentlichen Überwinterungsgebiet der Wüstengrasmücke im Iran. Der exotische Singvogel ist ungefähr zehn Zentimeter groß, hat braunes Gefieder und auffällig gelbe Augen.
Symbolfoto/Khil

Die Bergkalanderlerche verweilte vier Tage auf einem abgeernteten Maisfeld bei Wörschach im steirischen Ennstal.

„Einzelne Vögel kommen vom Weg ab“

Auf die Frage, wie es zu derartigen Premieren komme, führt Leander Khil aus: „Im Herbst ziehen weltweit unzählige Vögel in ihre südlichen Winterquartiere. Während dieser großen Wanderungen kommen immer wieder Exemplare vom regulären Weg ab und landen in unüblichen Gebieten.“ Das Wetter, wie anhaltender Wind aus einer bestimmten Richtung, könne das Verdriften begünstigen.

Seltener Gast im Nationalpark

Erst vergangene Woche bekamen „Birdwatcher“ wieder einen seltenen Gast vor die Linse: Eine Mantelmöwe, die weltweit größte Möwe mit einer Spannweite von über 150 Zentimetern, wurde im Nationalpark gesichtet. „Sie ist schon seit 2018 hier. Statt für ein Leben an der Küste, hat sich diese für das Burgenland entschieden“, so Khil.