Über 500 Jahre auf dem Buckel: Stadtarchiv übersiedelt. Der Verein Neusiedler Stadtarchiv übersiedelte wegen Sanierungsarbeiten innerhalb des Gebäudes.

Von Birgit Böhm-Ritter. Erstellt am 10. Januar 2019 (04:00)
Böhm-Ritter
Neue Räumlichkeiten. Der Verein Neusiedler Stadtarchiv übersiedelte ins Obergeschoss des „haus im puls“. Die Vereinsmitglieder, darunter Georgina und Manfred Gumbinger, Herta Häussler, Sepp Gmasz, Eva Maria Mannsberger, Anita Köstner, Helmut Harrer und Heinz Lentsch, zogen mit 30 Laufmetern Archiv um

Eines der ältesten erhaltenen Häuser in der Stadtgemeinde ist das sogenannte „Edthofer-Haus“. Heute ist es über die Stadtgrenzen hinaus als „haus im puls“ bekannt. Nur noch wenige Häuser in Neusiedl am See zeugen von einer so langen Geschichte wie das Haus in der Oberen Hauptstraße 31. Umso größer ist die Herausforderung, das Gebäude aus dem 15. Jahrhundert zu erhalten. Dieses Ziel hat sich der Kulturverein Impulse mit dem Kauf des Hauses 1998 gesetzt.

Instandhaltung als Herausforderung

Keine einfache Aufgabe, wie Franz Kast, Mitglied im Vereinsvorstand, zugibt. Immer wieder zeigt das Haus, dass es schon über 500 Jahre auf dem Buckel hat. Einer der ältesten Räume musste erst Anfang Dezember saniert werden, weil sich ein Riss durch die alte Gewölbedecke zog. Die Sanierung wurde in Absprache mit dem Bundesdenkmalamt eingeleitet und kostete dem Verein rund 8000 Euro.

In jenem Raum war bis zur Sanierung der Verein Neusiedler Stadtarchiv untergebracht. Im Zuge der Bauarbeiten musste der Verein samt historischer Dokumente und Bücher ausziehen und übersiedeln.

„Sollte es bei Bauarbeiten in der Nachbarschaft zu Erschütterungen kommen, sind wir auf der sicheren Seite.“Franz Kast, Impulse

Gefahr in Verzug habe es zwar keine gegeben, der Riss in der Decke habe aber ein „ungutes Gefühl“ erzeugt, so Kast. Außerdem sei die kleine Renovierung eine Vorsichtsmaßnahme gewesen: „Sollte es bei Bauarbeiten in der Nachbarschaft zu Erschütterungen kommen, sind wir auf der sicheren Seite.“

Böhm-Ritter
Historisch. Eva Maria Mannsberger und Sepp Gmasz zeigen das älteste Dokument des Stadtarchivs aus dem Jahr 1561.

Indessen ist das Neusiedler Stadtarchiv in das Obergeschoss des gegenüberliegenden Traktes des historischen Gebäudes gezogen. Und dort wird es – laut Vertrag zwischen Hauseigentümer und Stadtgemeinde – zumindest für die nächsten zehn Jahre bleiben. Alte Fotos, Dokumente und Bücher haben nun in der sogenannten Galerie ihren Platz gefunden. „Das ist mittlerweile unser dritter Standort. Begonnen hat unser Verein 1986 in der Musikschule, dann sind wir in das Untergeschoss des ‚haus im puls‘ gezogen und nun in das Obergeschoss“, erzählt Obmann Sepp Gmasz, der sich freut, im geschichtsträchtigen Gebäude eine Heimat gefunden zu haben. Das passe für einen Verein, der sich mit der Geschichte der Stadt beschäftige, gut zusammen.

Ältestes Dokument aus dem Jahr 1561

Mit über 30 Laufmetern historischen Archivs ist der Verein nun übersiedelt. Unter den Archivalien befindet sich auch das älteste bekannte Dokument der Stadt: Das erste Ratsprotokoll einer Neusiedler Gemeinderatssitzung stammt aus dem Jahr 1561 und ist damit nur unwesentlich jünger als das Haus, in dem es aufbewahrt wird. „Für so alte Dokumente ist es notwendig, dass die Luftfeuchtigkeit passt. Es darf nicht zu trocken, aber auch nicht zu feucht sein. Ansonsten verschimmeln Dokumente“, erklärt Historikerin Eva Mannsberger. Mittels Hydrometer werde die Luftfeuchtigkeit, die um etwa 50 Prozent liegen solle, im Raum kontrolliert.

Böhm-Ritter
Saniert. Die Gewölbedecke des ehemaligen Stadtarchivs wurde saniert. Der Raum dient nun als Lager und Vorbereitungsraum für das Kaffehaus und Weinbar „Zum echten Leben“ von Franz Kast.

Am 20. Feber feiert der Verein Neusiedler Stadtarchiv ein kleines Übersiedlungsfest, zu dem alle Mitglieder und Freunde des Stadtarchivs ab 19 Uhr in die neuen Räumlichkeiten im ersten Stock eingeladen sind. Darüber hinaus darf der Verein am 2. April seinen Jubiläumsband des „Neusiedler Jahrbuchs“ präsentieren.

Im bereits 20. Band wird die Gemeindepolitik und das Alltagsleben im Ständestaat thematisiert, die Baugeschichte und neue Widmung des Treppohauses, das Seebad als Pfahlbaudorf und die Geschichte des Landwehrstammregimentes 11 in der Garnison Neusiedl am See von 1979 bis 1999 sowie eine kleine Neusiedler Häfen-Elegie. Die Präsentation findet im Weinwerk statt, das mit seinem Neubau im Hof des „haus im puls“ genauso wie das neue Kaffeehaus mit Weinbar „Zum echten Leben“ im Altbau das geschichtsträchtige „haus im puls“ belebt und mit den Mieten zum Erhalt dessen beiträgt.