Schilfbrand traf Nationalpark mitten im Herzen. Der Brand, der am Wochenende im Schilfgürtel des Neusiedler Sees bei Illmitz tobte, hat den Nationalpark Neusiedler See mitten im Herzen getroffen.

Von APA, Redaktion. Erstellt am 06. April 2020 (15:33)
Der Nationalpark Neusiedler See-Seewinkel (Symbolbild)
Archiv Nationalpark Neusiedler See

"Es gibt kurzfristige Schäden und es gibt sicher auch Schäden, die über Jahre sichtbar und dokumentierbar sein werden", erläuterte Alois Lang vom Nationalpark im APA-Gespräch. Langfristig könnte es aber unter den Tieren auch einige Profiteure geben.

Der Brand sei zur ungünstigsten Zeit gekommen. Die Flammen loderten in einem sensiblen und wertvolle Gebiet am Übergang zur Kernzone mitten im Nationalpark. "Der kurzfristige Schaden trifft Tiere, die entweder gebrütet haben oder noch brüten oder die gerade mit Jungen unterwegs sind, die dann verloren sind", schilderte Lang. In der Vogelwelt seien dies hauptsächlich Enten, Graugänse, Schilfsingvögel - je nachdem, was schon da sei.

Tiere, die wie die Graugänse bereits Junge hätten oder solche, die überhaupt noch auf der Brut gesessen seien - "die sind tot, die sind weg. Da ist eine Generation verloren." Wie viele das seien, wisse man noch nicht. Dazu kämen auch noch kleinere Säuger und Amphibien.

Man müsse sich in weiterer Folge anschauen: "Was heißt dieser Brand um diese Jahreszeit für den Lebensraumtyp respektive Altschilf?" Im abgebrannten Gebiet befänden sich fast durchgehend Altschilfbestände. Die Frage sei, wie sich das weiterentwickeln werde - "kommt dort Jungschilf auf und was heißt das dann für den Lebensraum?"

Um genauere Aufschlüsse zu bekommen, soll das Gebiet möglichst bald mit einer Drohnenkamera überflogen werden. Das betroffene Areal sei nicht zur Gänze abgebrannt, sondern strichweise, einmal mehr landseitig, dann wieder mehr wasserseitig. Das sensible Gebiet weiter südlich der Brandzone blieb von dem Feuer verschont. Hätten die Flammen auf die große Schilfinsel übergegriffen, dann hätte es die Reiher erwischt und die Kormorane.

"Das ist Gott sei Dank nicht passiert", stellte Lang fest und wies auf ein Detail hin: Früher habe es in diesem Bereich des Sees die Fischerkanäle als Brandschneisen gegeben. Diese seien alle paar Jahre freigeschnitten worden.

Seit 27 Jahren gebe es nun schon den Nationalpark. Die Kanäle würden langsam zuwachsen, weshalb sie keine Barriere mehr darstellten: "Das Feuer ist über die alten Fischerkanäle drübergegangen." Beim Schilfbrand am Wochenende habe es auch noch andere ungünstige Faktoren gegeben: Den Wind, die extreme Trockenheit und den niedrigen Wasserstand, durch den die Schilfhalme teilweise bis zu den Rhizomen (Wurzelstock, Anm.) frei gewesen seien. Durch die Coronavirus-bedingten Ausgangsbeschränkungen seien überdies wenige Leute draußen in der Natur, weshalb ein Brand eventuell später bemerkt würde.

Bereits am Donnerstag hatte es am See landeinwärts in einigen hundert Metern Entfernung einmal gebrannt. "Aber das war schnell auszugrenzen von der Feuerwehr", meinte Lang und fügte hinzu: "Es fällt zumindest auf." Die Brandursache ist derzeit Gegenstand von Ermittlungen.

Nach bisherigen Schätzungen war das Brandareal etwa 700 Hektar groß und hatte eine Nord-Südausdehnung von etwa zweieinhalb Kilometern. Die Nationalpark-Nettofläche betrage auf österreichischer Seite etwa 10.000 Hektar.

Wie viele Tierarten von dem Feuer betroffen waren, werde sich im Laufe des Monitorings der nächsten Jahre zeigen, sagte Lang. So dramatisch, dass ein signifikanter Teil der Tierwelt des Nationalparks verloren gegangen sei, sei es nicht. Die Frage sei, welche Tierarten, die auf der Roten Liste stehen, beeinträchtigt wurden.

"Es fördert nicht den Naturtourismus", meinte er hinsichtlich der Spuren, die das Feuer hinterlassen hat. Das betroffene Areal sei nicht das beste Gebiet von allen im Nationalpark zur Vogelbeobachtung: "Aber es ist ein Nahrungs- und Brutgebiet sowie ein Rastplatz und das merkt man halt dann auch draußen."

"Der Schilfgürtel wird sich dort verjüngen. Es wird in wenigen Jahren nichts mehr sichtbar sein davon. Es wird vielleicht sogar Profiteure geben", skizzierte Lang ein Zukunftsszenario. "Wenn Jungschilfbestände dort sind, ist es wieder attraktiv für Arten, die nicht so gern in Altschilfbestände gehen."

"Wir haben ja ein 'Patchwork' am Schilf. Der Schilfgürtel ist ja alles andere als homogen am Neusiedler See", meinte Lang. Insgesamt umfasse der Schilfgürtel des Sees 180 Quadratkilometer: "Da ist jeder Hektar anders."