Galina Iskrak aus der Ukraine: „Haben uns nie als Fremde gefühlt“

Erstellt am 16. Mai 2022 | 05:13
Lesezeit: 4 Min
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Galina Iskrak mit ihrem Ehemann Valentin.
Foto: privat
Galina Iskrak sprach mit uns über den Krieg in ihrer Heimat, die Ängste innerhalb der Familie und die Nächstenliebe der Österreicher.

„Ich bin Ukrainerin und darauf bin ich stolz!“, betont Galina Iskrak gleich zu Beginn des Gesprächs. Die heute 39-Jährige wurde in einem kleinen ukrainischen Dorf geboren. Ihre Kindheit endete sehr früh, als ihre Mutter an einer „schrecklichen Krankheit starb. Ich war damals 14 und mein jüngerer Bruder neun Jahre alt. Von da an lebte ich bei meiner Tante, die meine Mutter ersetzte“, erzählt Iskrak im BVZ-Interview.

Nach der Matura zog sie nach Kiew, wo sie auch ihren Universitätsabschluss erlangte und später ihren heutigen Ehemann kennenlernte.

Von Kiew über Bratislava nach Pama

Als 2014 der Krieg in der Ukraine ausbrach, beschlossen die beiden, von Kiew wegzuziehen. Die ersten vier Jahre verbrachten sie in Bratislava. „Dann haben wir ein Haus in Pama gekauft und hier leben wir jetzt seit fast vier Jahren. Pama ist ein malerisches kleines Dorf mit äußerst freundlichen und aufrichtigen Menschen, die immer bereit sind, in jeder Situation zu helfen. Dank all dieser besonderen Menschen haben wir uns in Österreich nie als Fremde gefühlt“, bekräftigt Iskrak.

Die Ukraine sei ein großes, zivilisiertes, wunderbares Land, in dem die Menschen glücklich lebten, ihre Kinder großzogen, ihre eigenen Geschäfte aufbauten, arbeiteten, in den Urlaub fuhren und einfach das Leben genossen. Heute sei all das nicht mehr möglich: „Frauen mit Kindern wurden gezwungen, ihre Ehemänner, Eltern und ihre Häuser zu verlassen und auf der Suche nach einem sicheren Ort ins Ausland zu fliehen. Unsere Heimat ist in große Schwierigkeiten geraten. Seit dem 24. Februar ist alles anders. Es ist unmöglich, all den Schmerz und die Trauer in Worte zu fassen.“

Gegenwärtig leben auch die Familie ihres Bruders und der Neffe ihres Mannes, die vor dem Beschuss und den Raketen in Kiew geflohen sind, in ihrem Haus in Pama.

„Mein Cousin ist heute in den Krieg gezogen. Die ganze Familie ist sehr besorgt um sein Leben.“

„Der größte Teil meiner Familie ist aber in der Ukraine geblieben, ich telefoniere jeden Tag mit ihnen, alle befinden sich in ständiger Gefahr und haben große Angst. Mein Cousin ist heute in den Krieg gezogen. Für mich ist er jetzt schon ein Held! Die ganze Familie ist sehr besorgt um sein Leben und wir beten, dass der Krieg bald endet und er gesund und munter nach Hause zurückkehrt“, so die Zweifachmama mit berührender Offenheit.

Vergangene Woche übergab die engagierte Gemeindeärztin Dr. Yvonne Stark-Ziegler, die in engem Kontakt mit der ukrainischen Familie steht, Erste-Hilfe-Koffer an Galina Iskrak. „Für mich ist es enorm wichtig, zu helfen, wo ich kann, vor allem natürlich medizinisch. Dank Familie Iskrak sind der direkte Kontakt und eine direkte Lieferkette in die Ukraine möglich“, weiß Stark-Ziegler das Engagement aller Beteiligten zu schätzen.

Die Erste-Hilfe-Koffer wurden unverzüglich „an meinen Cousin in die Ukraine geschickt. Vor Ort kann er das alles mit den anderen Soldaten teilen. Zum Schluss möchte ich noch Danke sagen. An die Gemeinde, an die Schulen, an die Behörden, an alle Österreicher. Die Österreicher haben ihren Kindern beigebracht, nicht zu beleidigen, zu helfen und sich mit ukrainischen Kindern anzufreunden. Aus diesem und vielen anderen Gründen liebe ich Österreich!“

„Brutal, sinnlos und grausam“

Es ist einfach nicht zu begreifen, dass im 21. Jahrhundert mitten in Europa der Tod unschuldiger Menschen, insbesondere von Kindern, Massenvergewaltigung und Folter von Zivilisten möglich sind. Ich habe nur einen Wunsch und das ist Frieden! Dass dieser sinnlose und grausame Krieg so schnell wie möglich endet! Ich möchte, dass das russische Volk, das fest an seine Regierung und seinen Präsidenten glaubt, endlich versteht, dass das alles keine Sonderoperation, sondern ein schrecklicher und brutaler Krieg ist!