Neusiedler Wirtschaft fordert „barrierefreies“ Parken. Gewerbetreibende wollen kundenfreundlichere Lösung: Parkschein ab der ersten Minute schreckt Kunden ab.

Von Birgit Böhm-Ritter. Erstellt am 06. März 2019 (06:12)
BVZ
Wer keinen Parkschein hat, kann ab der ersten Parkminute gestraft werden. Auch in der Gratis-Parkzeit.

Wer im Zentrum parken möchte, der muss Parkgebühr bezahlen. Das gilt in vielen Städten auf der ganzen Welt und seit 1996 auch in Neusiedl am See. Eine Parkraumbewirtschaftung ist heute selbstverständlich und regt niemanden mehr auf. Das galt bis zum 11. Juni des Vorjahres auch in der Bezirkshauptstadt.

Seitdem gehen die Wogen in der Stadtbevölkerungen und darüber hinaus allerdings immer wieder hoch. Seit 11. Juni muss auch für die 30-minütige Gratisparkzeit ein Ticket gelöst werden. In der Praxis bedeutet das: Auch wer nur kurz parken will, um sich vielleicht schnell eine Zeitung aus der Trafik zu holen oder ein Medikament aus der Apotheke, braucht einen Parkschein, ansonsten droht ein Strafzettel.

Dieses System wird von den Gewerbetreibenden auf der Hauptstraße und am Hauptplatz vermehrt als geschäftsschädigend beschrieben. Mario Giefing (Juwelier Kleindienst) spricht sogar von Umsatzeinbußen von 30 Prozent. „Unser Geschäft in Frauenkirchen läuft ganz normal, in Neusiedl sind die Umsätze seit September aber eingebrochen. Wenn das so weiter geht, dann müssen wir zusperren“, sagt Giefing.

Kast spricht von „keiner glücklichen Lösung“

Einer, der bereits die Reißleine gezogen hat, ist Paul Beck. Er übersiedelt mit seinem Beck´s Office von der Unteren Hauptstraße an den Ortsrand, wo neben seiner Autowaschanlage bis Mitte des Jahres ein Büro mit Lager und Werkstatt entstehen soll.

„Ausschlaggebend dafür sind die hohen Mieten im Zentrum und die Parkraumbewirtschaftung.“ Er regt an, das Handyparken kundenfreundlicher zu machen: „Wir sind IT-Techniker und nicht einmal wir schaffen es, das Handyparken in Neusiedl anzuwenden. Außerdem sollte die Bezahlung über Pay Pal oder Kreditkarte möglich sein.“

Auch Franz Kast spricht von „keiner glücklichen Lösung“, wenn er auf die Parkraumbewirtschaftung der Stadt angesprochen wird. Damit würde man die Leute abschrecken und Neusiedl würde ein schlechtes Image als wirtschaftsfeindliche Stadt bekommen. „Es muss eine Lösung geben, dass man wenigstens 10 oder 15 Minuten ohne Parkschein parken darf und nicht schon nach zwei Minuten gestraft werden kann.“

Immer wieder hört er von Gästen seines Kaffeehauses mit Weinbar „Zum echten Leben“ Beschwerden, manche kommen gar nicht mehr. „Genauso wie ein Lokal barrierefrei sein muss, so sollte auch das Parken barrierefrei sein. Von den Verantwortlichen der Stadt erwarte ich mir, dass sie eine kundenorientierte Lösung finden.“

Eine mögliche Lösung möchte Simon Job Gewerbetreibenden und dem Gemeinderat kommenden Montag präsentieren. Der Apotheker könnte sich vorstellen, dass das Eisenstädter Modell auch in Neusiedl am See umsetzbar wäre. In Eisenstadt gäbe es mehrere Haltezonen, in denen Autolenker für einige Minuten ihren Wagen abstellen können, ohne einen Strafzettel befürchten zu müssen. Die Situation in Neusiedl am See möchte er nicht schlecht reden. „Es sind genügend Parkplätze vorhanden und die Parkraumbewirtschaftung funktioniert im Großen und Ganzen.“ Man könne aber noch daran feilen, dass sie kundenfreundlicher werde.