Unterschiedliche Reaktionen auf Spital für Gols. Beim Kreisverkehr: Verhandlungen mit 26 Grundstückseigentümern.

Von Birgit Böhm-Ritter. Erstellt am 15. Januar 2020 (06:02)
Grundstück: Hans Peter Doskozil ist zuversichtlich, dass Optionsverträge rasch unterzeichnet werden.
BVZ

Das im November von Landeshauptmann Hans Peter Doskozil (SPÖ) präsentierte neue Krankenhaus soll in Gols gebaut werden. Das gab der Landeschef am Freitag bekannt. Konkret: Am Ortsrand im Bereich des derzeitigen Kreisverkehrs gegenüber der erst kürzlich eröffneten Baufirma Sattler: „Die Verhandlungen mit Grundstückseigentümern sind weit fortgeschritten. Wir sind uns beim möglichen Kaufpreis sehr nahe gekommen“, sagte Doskozil. Laufe alles nach Plan, könnten bereits diese Woche unterschriftsreife Optionsverträge vorliegen.

Der Standort Gols war von vornherein in der engeren Überlegung gewesen. Das Gesundheitsplanungsinstitut EPIG hatte den Raum zwischen Neusiedl, Weiden und Gols als besonders geeignet ausgewiesen. „Der ins Auge gefasste Standort deckt ein Einzugsgebiet von 30 Minuten Fahrzeit für 105.000 Menschen im Nordburgenland und angrenzenden Regionen ab – vor allem den gesamten Seewinkel“, hatte EPIG-Geschäftsführer Wolfgang Habacher schon bei der Masterplan-Präsentation bestätigt.

Dass die Entscheidung nun offenbar auf Gols gefallen ist, überrascht also nur bedingt. Die Reaktionen auf die Ankündigung Doskozils über den Standort fallen allerdings sehr unterschiedlich aus.

Der Golser Landtagsabgeordnete und Gemeindevorstand Kilian Brandstätter (SPÖ) schrieb etwa in einer Aussendung: „Auch wenn die endgültige Entscheidung noch nicht gefallen ist, die Gemeinde Gols begrüßt diesen möglichen Standort“. Ortschef Hans Schrammel (SPÖ) schlägt naturgemäß in die gleiche Kerbe. Natürlich freue es ihn, ein Krankenhaus in die Gemeinde zu bekommen.

Grüne: „Zerstörer einer einmaligen Landschaft“

Kritischer äußerten sich die Golser Grünen über den Standort in den Sozialen Medien: „Grundsätzlich kann keiner gegen ein Krankenhaus im Seewinkel sein. Aber wer sich für den Standort „Kreisverkehr Gols“ einsetzt, ist dafür verantwortlich, auf ewig „der Zerstörer“ einer einmaligen Landschaft zu sein.“

In ihrem Posting verglichen die Golser Grünen Landeshauptmann Doskozil mit dem Brasilianischen Präsidenten Bolsonaro, der „wegen Profit, den Regenwald abbrennen lässt.“ Und weiter heißt es: „So haben wir es mit einer Partei und ein paar Herrschaften auf Wählerfang zu tun, die dem gleichen Muster folgen“.

Für Doskozil ist die Kritik der Grünen nicht nachvollziehbar: „Wir sprechen über eine Fläche direkt neben der Landesstraße“, wundert sich der Landeschef im BVZ-Gespräch. Der Standort habe vor allem wegen seiner vorhandenen Verkehrsanbindung an die Autobahn einen Vorteil.

Verhandelt wird mit 26 verschiedenen Grundstückseigentümern, die laut Doskozil in Eigeninitiative mit ihrem Verkaufsinteresse an das Land herangetreten sind. „Verhandelt wird über insgesamt acht Hektar“, präzisiert Bürgermeister Schrammel.

Wie Schrammel hätten sich wohl auch Neusiedls Bürgermeisterin Elisabeth Böhm (SPÖ) und Weidens Bürgermeister Wilhelm Schwartz (ÖVP) über ein Krankenhaus in ihrer Gemeinde gefreut, zumal Stadt und Seegemeinde auch als mögliche Standorte genannt worden sind und es dort Grundstücke in Landeseigentum gibt. Auf Anfrage der BVZ streicht Bürgermeisterin Böhm den „enormen Mehrwert für die Bevölkerung in unserer Region“ durch den Krankenhausneubau allerdings hervor.

Konkreter äußerte sich Neusiedls Vizebürgermeister Thomas Halbritter (ÖVP). Seiner Meinung nach gehöre ein Krankenhaus in die Bezirkshauptstadt, so wie es auch in den anderen Bezirken üblich sei. Darüber hinaus gäbe es im Neusiedler Betriebsgebiet „Prädium“ Grundstücke im Landeseigentum für so ein Projekt. Das bestätigte auch Doskozil. Ein Krankenhaus gehöre aus seiner Sicht aber nicht in ein Betriebsgebiet.

Flächen im Landeseigentum gibt es auch in Weiden am See. Bürgermeister Wilhelm Schwartz (ÖVP) hätte das Krankenhaus gerne im Bereich des Landesforstgartens gesehen. Auf diese Möglichkeit hat er den Landeschef auch nach dessen Ankündigung eines Krankenhausneubaus schriftlich aufmerksam gemacht. „Die Verkehrsanbindung ist dort aber nicht so gut“, meint Doskozil.