„Wer braucht den Neusiedler See?“

Erstellt am 24. November 2022 | 05:45
Lesezeit: 3 Min
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Als Wirtschaftsmotor der Region ist der See auch Thema im Wirtschaftsparlament: WK-Präsident Peter Nemeth mit Freizeitforscher Peter Zellmann.
Foto: Foto BBR/WKB
Professor Peter Zellmann stellte als Keynote-Speaker im Rahmen der Herbstsitzung des Wirtschaftsparlaments in Eisenstadt eine provokante Frage.

Professor Peter Zellmann vom Institut für Freizeit- und Tourismusforschung will oft provozieren. Als Gastreferent beim Wirtschaftsparlament stellte er die Frage „Wer braucht den Neusiedler See?“ und spielte damit auf die kritische Wasserentwicklung des Steppensees an. Für Zellmann ist klar: „Alle, fast alle brauchen den Neusiedler See, auch wenn es in dieser Verdichtung nicht allen bewusst ist.“

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Wassermangel. Auch wenn das Wasser in tieferen Bereichen derzeit gerade bis zur Hüfte reicht, als stimmungsvolle Kulisse ist der Neusiedler See kaum zu toppen.
Foto: Böhm-Ritter

So erklärt der Experte, dass sich die Region besser auf künftige Szenarien vorbereiten müsse. Dazu seien flexible Angebote zu entwickeln, die die Risiken mildern und die Chancen erhöhen.

Parallel dazu müssten Kooperationen auf vielen Ebenen geschaffen werden, von Veränderungen in den Berufsausbildungen bis hin zu neuen Marketingstrategien. Zellmann: „Die Politik hat die dafür notwendigen, neuen Rahmenbedingungen zu entwickeln und bereit zu stellen. Der Neusiedler See geht uns alle etwas an.“

Herbstfeuchte fehlt: Pegel weit unter Durchschnitt

Als echter Steppensee pendelt der Neusiedler See seit 13.000 Jahren regelmäßig zwischen tiefer Überflutung und gänzlicher Austrocknung. Immer häufiger auftretende Hitzewellen im Sommer lassen den Wasserstand des Neusiedler Sees oftmals tief absinken. Im Juli 2022 war der Wasserstand so niedrig wie seit 1965 nicht mehr. Auch die notwendige Herbstfeuchte ist bis dato ausgeblieben. Momentan ist der Pegelstand immer noch über einen halben Meter unter dem durchschnittlichen Wasserstand für Ende November.

Zellmann meint dazu sinngemäß: Es gelte, der langfristig zu erwartenden Klimaentwicklung ebenso Rechnung zu tragen wie auch der kurzfristigen Entwicklung des jeweils regionalen Lebens- und Wirtschaftsraumes. Zur Frage der Wasserzuleitung meinte er: „ … dies müsse jedenfalls sehr verantwortungsvoll angegangen werden.“

Grundsätzlich stellt Zellmann fest, dass wir nicht alles behalten, nicht alles erhalten beziehungsweise beibehalten könnten, wie es ist. Technische Errungenschaften würden Regulierungen möglich machen, ohne die Natur zu zerstören. Den See als Wasseroberfläche, quasi als Kulisse zu erhalten, sei durchaus eine echte natur- und umweltfreundliche Alternative. Dass der See der Wirtschaftsmotor der Region sei, stehe allerdings außer Frage.